Grote, Ludwig
Lucas Cranach, der Maler der Reformation: eine biographische Skizze — Dresden, 1883

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H.

Bis zum Tode FriedrichS deS Weisen,
1517-1525.

Fassen wir nun zunächst das Verhältniß Cranachs
zu Luther ins Auge, so war dasselbe ein sehr
nahes, intimcs. Der Künstler, den die säch-
sischen Fürsten ehrten und auszeichnetcn, wurde
auch von dem großen Reforinator einer innigcn
Freundschaft gewürdigt. Zu welcher Zcit die
beiden Männer sich zuerst persönlich näher gc-
treten sind, läßt sich nicht genau bestimmcn. Aber
das stcht fcst, daß nur der Tod diesem Freund-
schaftsbündnisse ein Endc machen konnte. Von
der Jnnigkeit des Bandcs, das sich zwischen dem
Künstler und Theologen gcknüpft hatte, zeugen
viele Thatsachcn. Zuerst mag angcführt werden,
daß Luthcr zu cinem der Cranachschen Kinder Ge-
vattcr war, wahrschcinlich zu der jüngstcn Tochter
Anna, welche im Jahre 1520 in Cranachs neiiem
Hause gcborcn wurde. Sodann verdient es erwähnt
zu werdcn, daß Lucas Cranach von sämmtlichen
Wittenberger Freunden Luthcrs der einzige war,
dcm dieser, als er die heißen Tage des Wormser
Reichstags hintcr sich hatte, Kunde von sich und
seiner bcvorstehendcn Jnternirung auf der Wart-
burg gab. Nach seiuer Abreise von Worms
schricb Luther gleich von Frankfurt aus, wo er
das crste Nachtquartier nahm, unter dcm 28. April
1521 dem Wittenberger Maler einen Brief, in
welchem er ihm nach einer sehr lakonischen Dar-
stellung der Wormser Ereignisse^) auch das Ge-

ch „Jch meinte, Kaiserliche Majestät sollt ein Doctor
oder funfzig (ein stücker funfzig) haben versammelt und
den Mönch redlich überwnnden. So ist nicht mehr hie
gehandelt, denn so viel: Sind die Bücher Dein? Ja.
Willst Du sie widerrufcn? Nein. So heb Dich. O wir
blinde Dentsche, wie lindisch handeln wir und lassen uns
so jämmerlich die Romanisten äfsen und narrenl"
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