Grote, Ludwig
Lucas Cranach, der Maler der Reformation: eine biographische Skizze — Dresden, 1883

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Trostgcdicht, welchcs vom Lobe der Entschlafenen
überflicßt und uns zeigt, daß dcr Tod diescr
»löblichsten der Fraucn", wie der Dichtcr sie
nennt, auch über die cngeren Grenzcn dcs Hauses
hinaus empfundcn wurde. Von cinem Zusprnchc
Luthers bei dicsem schmerzlichcn Verlnstc vernehmen
wir nichts; er wird nichts desto wenigcr nicht
gefehlt haben.

V.

Bis zum Tode Luthers, 1541 —1546.

Der Tod von Cranachs treuer Gattin mahntc
ihn selbst an das herannahende Cnde. Jin
folgenden Jahrc 1542 trat er bereits in sein
70. Lcbensjahr. Wir habcn aus diesem Jahre
ein Holzschnittportrait, das uns den greisen
Meistcr in seiner damaligen Gestalt darstellt und
mit deutschen Versen versehen ist, in denen neben
dem sächsischen Fürstenhause Luther, Melanchthon
und Cranach gewissermaßen als die drei Männcr
bezeichnet wcrdcn, durch welche Wittenberg groß
geworden. Von wem dcr Holzschnitt stammt,
wird nicht gesagt. Aber es ist anzunehmen, daß
er aus Cranachs eignem Atelier hervorgegangen,
und es scheint sast so, als habe der 70jährige
Geburtstag seinem Sohne oder einem seincr Ge-
hülfen dic Veranlassung gegeben, dem geliebten
Meister diese künstlerische und poctische Huldigung
darzubringen. Das Jubelbild — so dürfen wir
eS wohl nennen — zeigt uns die ernste, würdige
Gestalt des 70jährigen Malers in eincn weiten,
mit Pelz verbrämten und vorn zurückgeschlagenen
Mantel gehüllt. Sein langer Bart fällt in zwei
Spitzen auf die Brnst herab. Die Rechte ruht
auf cinem Tische, zu seiner Linken, in welcher er
die Handschuhe hält, liegen Pinsel und Palette.
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