Hartlaub, Gustav Friedrich ; Poensgen, Georg [Honoree]
Georg Poensgens Wirken als Leiter des Kurpfälzischen Museums: eine Würdigung zu seinem 60. Geburtstag — Heidelberg, 1958

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zuführen,, ihm womöglich zu seiner alten Bedeutung zu verhel-
fen. Eine ungeheuer schwierige Aufgabe und eine fast ver-
wegene Hoffnung in jener Zeit!

II.

Georg Poensgen, am 7. Dezember 1898 in Düsseldorf geboren,
kam als Sohn eines bekannten Industriellen aus einem typisch
großbürgerlichen Milieu mit einem Lebensstil und einer Ge-
sinnung, die das materiell Fortschrittliche mit einer kulturell
eher konservativen Haltung verbinden. In einer solchen Um-
weit mit ihren gehobenen Lebensansprüchen sind oft - meist in
der zweiten oder dritten (halb genießenden, halb schon oppo-
sitionellen) Generation - kultivierte Kunstfreunde, unterneh-
mende Sammler erwachsen, sei es, daß sie diese Fähigkeit und
Kennerschaft nur für den eigenen Gewinn, sei es, daß sie bei-
des für das allgemeine Wohl nutzbar machen. Mit seinen früh-
erwachten ästhetischen Instinkten sah sich der heranwachsende
Rheinländer zunächst, was sichtbare Werte angeht, auf die vor
der Tür liegenden Niederlande mit ihrer alten, in bürgerlicher
Wirtschaftsblüte gereiften Malerei und Baukunst verwiesen. Die
schon als Kind empfangenen Eindrücke von Belgien und Hol-
land wurden für Poensgen grundlegend, blieben bei ihm sogar
immer besonders gefühlsbetont - ohne ihn doch auf einen alt-
meisterlichen Geschmack festzulegen: er gehört nicht zu den
»Eingleisigen«, bejaht und bewundert vielmehr in voller Auf-
geschlossenheit auch die neue, wagende Kunst, wie sie zuerst
die französischen Impressionisten eingeleitet haben; gerade in
diesem Jahr, da wir sein Jubiläum feiern, hat er (in Gemein-
schaft mit Leopold Zahn) ein lang vorbereitetes großes Bilder-
werk zur sogenannten abstrakten, das heißt gegenstandslosen
Malerei erscheinen lassen!

Bald nach dem ersten Weltkriege begann der junge Mann
denn auch (anstatt sich, wie der Vater es wünschen mußte,
der Rechtsgelehrsamkeit zu verschreiben) mit dem Studium
der neueren Kunstgeschichte, welches er erfolgreich mit der
Erwerbung des Doktortitels bei Prof. Jantzen abschloß. Jahre
praktischer Museumsarbeit - die akademische Lehrtätigkeit

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