Hartlaub, Gustav Friedrich ; Poensgen, Georg [Honoree]
Georg Poensgens Wirken als Leiter des Kurpfälzischen Museums: eine Würdigung zu seinem 60. Geburtstag — Heidelberg, 1958

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lockte ihn damals weniger - folgten: in Dresden dann in Ber-
lin, wo der junge Gelehrte noch etwas vom Wirken des großen
Wilhelm Bode miterleben durfte; zuletzt war Poensgen unter
dem (jüngst verstorbenen) Ernst Gall bei der Verwaltung der
Schlösser und Gärten tätig, die ihm die museale Einrichtung
des Jagdschlosses Grunewald als Aufgabe zuwies - sein mu-
seales Probestück. Doch auch die literarisch=wissenschaftliche
Arbeit hat er damals nicht vernachlässigt: Studien über die
Bauten Friedrich Wilhelms IV. und über die Pfaueninsel ent-
standen, Vorarbeiten zu einer grundlegenden Publikation über
Antoine Pesne, Friedrichs des Großen Hofmaler, für welchen
er noch heute eine Vorliebe bewahrt. Im Kriege war Poensgen
dem Kunstschutz zugeteilt, hat in dieser Eigenschaft auch
ferne Länder, Rußland und Japan, gesehen. Nach völliger Aus-
bombung seines Berliner Heims fand er sich schließlich mit
seiner Gattin nach Wien verschlagen, von wo er sich 1945 nach
Überlingen am Bodensee »abzusetzen« vermochte. Auch hier
blieb er, trotz der noch so drückenden Verhältnisse, nicht un-
tätig. Als Privatmann, nur aus uneigennützigem Interesse an
solchen Aufgaben, hat er das dortige Museum wieder einge-
richtet. Veröffentlichungen über die Madonnen am Bodensee,
den Überlinger Rathaussaal oder über das Konstanzer Heilige
Grab zeigen, wie rasch er als Kunstforscher in seiner neuen
Wahlheimat heimisch wurde. Auch damit scheint sich in jenen
Jahren seine Aktivität nicht erschöpft zu haben. Seine kunst-
wissenschaftlichen Schriften sind in einer beinahe unzünftigen,
gelegentlich ans Dichterische grenzenden Diktion gehalten -
was noch auf eine andere Schicht der in diesem Mann angeleg-
ten Möglichkeiten hinzuweisen scheint und uns ahnen läßt, daß
man einem Georg Poensgen nicht voll gerecht wird, wenn man
in ihm nur den »Fachmann« würdigen will.

III.

Das waren die Lehrjahre, mit deren Ertrag sich der Anwärter
den Stadtvätern von Heidelberg vorstellte und die ihn für die
ausgeschriebene Stelle empfahlen. Wie er in dem inzwischen
verflossenen Jahrzehnt - bis zu seinem 60. Geburtstag also -

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