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Akademische Mitteilungen für die Studierenden der Ruprecht-Karls-Universität zu Heidelberg: Winter-Halbjahr 1897/98

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1897/98

Heidelberger Akademische Mitteilungen

Nr. 12

fach genannte Professor Dr. jur. Leo von Savigny hat einen
Kuf als ausserordentlicher Professor an die hiesige Universität
erhalten und angenommen. Professor von Savigny ist ein
Enkel des berülimten Kechtslehrers Friedrich Karl v. Savigny.

Halle. Seinen 80. Geburtstag feierte der bekannte
Entomologe Professor Ernst Taschenberg. In weiten Kreisen
bekannt wurde er besonders durch seine Mitwirkung an
Brehms „Tierleben“. in dem er die seinem Forschungs-
gebiet /.ugehörigen Abteilungen bearbeitet hat.

Karlsruhe. Professor Dr. v. Beck, Chefarzt der chirur-
gischen Abteilung des Krankenhauses wurde zum leitenden
öberarzt des städtischen Krankenhauses ernannt. Die Stelle
eines weiteren Anstaltsarztes soll zur Bewerbung ausge-
schrieben werden.

London. Der frühere langjährige Oberbibliothekar des
Britischen Museums, Sir Edward Augustus Bond, ist im
Alter von 85 Jahren gestorben. Seinem Berufe nacli Paläo-
graph, war er seit 1867 Chef des Urkundendepartements des
Britischen Museums und hat u. A. den klassifizierten Katalog
der gesamten Handschriftensammlung des Museums und ein
Yerzeichnis sämtlicher von 1855 bis 1875 erworbenen Hand-
schriften und Urkunden herausgegeben. — Der Professor der
Physiologie an der Royal Institution, Waller, hat sein Amt
niedergelegt.

München. Prof. Dr. Lassar-Cohn, früher Dozent an der
Universität Königsherg, der hierher berufen worden ist, um
die Leitung des naturwissenschaftlichen Teils der Münchener
volkstümlichen Hochschulkurse zu übernehmen, ist als Privat-
dozent in den Lehrkörper der Universität eingetreten.

Wien. Dr. Johann Adolf v. Tomaschek, Professor des
deutschen Kechtes an dor Wiener Universität i. P. — eines
der Mitglieder des Frankfurter Parlaments i. J. 1849 — ist
nn 76. Lebensjahre gestorben. Im Jahre 1858 habilitierte
er sich als Privatdozent an dieser Universität und wurde
1863 ausserordentlicher Professor für österreichische Rechts-.
geschichte und Reehtsaltertümer, — die erste Professur dieser
Art in Oesterreich. Im Jahre 1893 trat er in den Ruhestand.

Zürich. An Stelle Forels wurde vom Regierungsrat
Dr. Bleuler von der Pflegeanstalt Rheinau zum Professor der
Psychiatrie an der Universität und zum Direktor der Irren-
anstalt Burghölzli gewählt. — In der medizinischen Fakultät
der hiesigen Hochschule hat sich Dr. M. Cloetta fiir das
Fach der Pharmakologie habilitiert.

Sprechsaal.

Olinc Vcrantvvortung dcr Schriftlcitung.

Zuschriften ohnc Namcnsangabe vverden nicht berücksichtigt* Dic Narncn dcr Ein-
sender hält die Schriftleitung natürlich geheim.

In einem ktihlen Grunde
Da geht ein Mühlenrad,

Mein Onkel ist verschwunden,
Der dort gewohnet liat.

So soll der „Urtext“ des bekannten Volksliedes in dem
„deutschen Kommersbuche“ lauten, das der Yerfasser des
vorletzten Artikels über die dunkele Stelle im Gaudeamus
olme jeden Grund mit in den Streit zog. Einerseits war ich
entrüstet über eine solclie Kampfesweise, Dinge anzuführen,
die mit der an sicli rein philologisclien Sache in keinerlei Zu-
sammenhange stehen, andererseits aber wollte icli mich über-
zeugen, ob obiges Volkslied in dem in Rede stehenden Kom-
mersbuche wirklich so laute, und verschaffte mir ein Exem-
plar desselben (6. umgearbeitete Auflage 1892). Icli fand
■zwar das Volkslied in seiner alten Gestalt, merkte aber beim
Durchblättern, dass der Anfang des Liedes nach der ganzen
Tendenz des Kommersbuches ganz gut so liätte lieissen
können. Denn das „deutsche Kommersbuch“, das, wie es in
der Vorrede zur 2. Auflage sagt, „allen studentisehen Kreisen
gerecht werden und ecbt studentischen Goist wecken und

fördern will“, entblödet sich in seinem Streben nach Her-
stellung neuer „Urtexte“ nicht, die schönsten Kommerslieder
auf geradezu naive Weise zu verkiirzen oder zu entstellen.
Ich kann den verehrten Lesern einige Proben nicht vorent-
halten. Zuvor sei bemerkt, dass der Scliluss der 4. Strophe
des Gaudeamus nach dem „Urtexte“ der 6. Auflage wirklich
„vivant nutritores“ lautet. Nun zur Sache. Einer Kritik
meinerseits wird es kaum bedürfen.

Schauenburgs allgeineines
Deutsches Kommersbucli.

Nr. 125. Str. 6:

Du aber bllih’ und schalle noch,
Leb’ alter Schlägerboden hoch;

In dir, du treues Ehrenhaus,
Verfechte sich noch mancher

Strauss.

Deutscbes Kommersbuch.

Nr. 76 a. Zum Ersatz für Str. G:
Und hast du (das Liebchen) mich
vergessen schon,

So wünsch’ ich dir nicht bösen
Lohn,

Such’ dir nun einen andern neu,
Doch sei er flott gleich mir und treu.

Nr. 156. Str. 1:

Ich klirrte mit Sporen,

Ich schwang das Rapier.

Nr. 249 b. Str. 4:

.Dann nenne sie keiner

Studeutenbraut mehr, sonst möcht
er die Klinge verspüren.

Nr. 112:

Ich klirrte mit Bechern,

Ich schwang das Panier.

Nr. 142. Str. 4:

., sonst möcht’

er den Zorn wohl verspüren.

Nr. 177. Str. 10:

Sing’, bet’ und geh’ auf rechten
Wegen,

Und tliu’ das Deine nur getreu.
lvommt dir ein schönes Kind ent-

gegen,

Lass es nicht ungeküsst vorbei.

Nr. 146. Ersatz für Str. 10:
Ist nun vorbei das Burschen-
leben,

So iängt die goldene Praxis an:
Sie muss mit Zinsen wiedergeben,
Was wir als Burschen einst ver-
than.

Nr. 219. Str. 2:

Wer am meisten trinken kann,
ist König, Bischof, wer die moisten
Mädchen küsst.

Nr. 183. Str. 2:

., Kanzler, wer die meisten

Mädchen küsst.

Nr. 623. Str. 2:
Manches feiste Pfäffelein,
Ladet ihn zum Frühstiick ein.

Nr. 178. Str. 2:

Denn so manch’ fideles Haus,
Hilft dem Burschen gerne aus.

Str. 4:

Bayrisch Bier und Leberwurst,
Und ein Kind mit runder Brust.

Nr. 4:

Bayriscli Bier und Leberwurst,
Und ein Lied aus volier Brust.

Nr. 207. Str. 2:

.Der Schläger ward des

Rostes Raub,

Erblichen ist sein Schimmer,
Vcrklungen der Kommersgesang,
Verhallt Rapier- und Sporenklang.

Nr. 176. Str. 2:

.Die Freiheit ward des

li.ostcs Kaub,

Erblichen ist ihr Schimmer,
Verklungen der Kommersgesang,
Verhallt der stolze Becherklang:

0 jerum! o jerum! o jerum! o jerum!

Lieder, bei denen Strophen ausgelassen sind, sind es zu
viele, als dass ich sie aufzählen könnte. Ob obige Proben
aus dem „deutschen Kommersbuch“ aucli die „älteste nacli-
weisbare Fassung“ bieten? Das „deutsche Kommersbuch“,
das „Liedern ganz die Aufnabmen versagte, welche nur die-
jenigen verstehen, die sich mit Heine im „„Kote““ fanden“,*)
das aber nichtsdestoweniger in merkwürdiger Konsequenz einige
Lieder des in dieser Weise geehrten Dichters teils mit, teils
oline Angabe des Autors aufgenommen hat, verdient wie obige
Proben klar beweisen, mit vollem Rechte den wirklich origi-
nellen, allerdings etwas beschämenden und wahrsclieinlich
auch beschämend sein sollenden Namen „Kastrierter Kommers-
prügel“. Kein Wunder, dass die katholischen Studentenver-
bindungen diesem Buche den Eingang in ihre Kreise ver-
sagten.**) — r.

*) So lieisst es im Vorwort zur ersten Auflage.

**) Nachdem in Sachen der „Dunklen Stelle“ nunmehr die ver-
schiedensten Meinungen geäussert und wohl alle Punkte zur Aussprache
gekommen sind, dürfen wir die Angelegenheit wohl als für unser Blatt
erledigt ansehen und schliessen hiermit die Erörterung.

Schriftleitung.
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