Heidelberger Volksblatt — 2.1869

Seite: 36
DOI Heft: DOI Seite: Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/hdvb1869/0038
Lizenz: Public Domain Mark Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
36

Dr Schtichlmaier.

b'ſucht. Heide meege freilich dort anweſend geweßt
ſein, awer jedenfalls warres norr vun denne Heide,
die im Mannemer Adreßkallenner ſchtehn. Un mit
ſo Heide kenne mir Heidlberger gewiß aah uffwarte.
Awer ganz abſchtrachiert vun dem un vun ſellem.
Was hawe dann eigendlich die fromme Herrn gege die
Einfiehrung d'r gemiſchte Schule? Leewe mer dann
nit ſchun lang in de gemiſchteſchte Verhältniſſe, die ich
mer norr denke kann? Unſer Ehe ſinn gemiſcht! Un-
ſer G'ſellſchafte ſinn gemiſcht! Unſer Wein is ge-
miſcht! Unſer Bier is gemiſcht! Unſer Millich is ge-
miſcht! Unſer Brod is gemiſcht! Unſer Geld is ge-
miſcht! Unſer Schulde ſinn gemiſcht! Unſer Bollidick
is gemiſcht! Un unſer Hoſſeknepp ſinn gemiſcht
- wenigſchtens meini. Dann drag ich per Exempl
ſchwarze Hoſſeknepp, un 's reißt emool eener davun
ab, do kann ich druff zähle, daß mer mein guti, liewi
Sawiene en weiße dofor hinnäht. 's kummt'r nit
druff an. Un umgekehrt. Un ſo bin ich 's ganz Johr
unner d'r Weſt ſchwarz-weiß, alſo breißiſch - un
ower d'r Weſt uff d'r Naaſeſchbitz, ſchwarz-roth-gold,
alſo weinfarwig, odder groß deitſch! Un die Doppl-
bollidick, mit der ich unner meine Mitbirger ſo 's ganz
Johr rumlaafe muß, kann mein Fraa emool am jinſchte
Gericht nit verantworte.
Gemiſcht in jeder Beziehung leewe mer alſo ſchun
gar lang recht glicklich mitnanner, Männer - un ich
kann nit einſehe, warum die gemiſcht Schul emool
mehr junge Rinoozeroß erziehge ſollt, als die unge-
miſcht bereits erzoge hott. Kameel bleibt Kameel -
chs bleibt Ochs - un d'r gemiſchte Eeſl is mer ſo
lieb wie d'r ungemiſchte. Alſo dirfe mer, wann die
Abchtimmung iwer die gemiſchte Schule emool in
Heidiberg uff die Dagesordnung kummt, mit gutem
Gewiſſe Ja ſage - mir wolle die gemiſchte Schule!
Selbſcht uff die G'ſahr hin, for unſer Abſchtimmung
- geſchtrohmayert zu werre. Norr nit ängſcht-
lich, Männer! Die Bannſchträhl im 19. Johrhunnert
ſchlage nit mehr ein! Deß bisl Kalvoniumfeier, mit
dem ſe noch kinſchtlich abgepiſcht werre, is gleich ver-
raacht. Die Excommunication dhut heier Keem mehr
weh, un bedeit aah beim Konſchtanzer Burger-
meeſchter Schtrohmayer weiter nix mehr, als - leer
Schtroh gemayert! Okondroleer! D'r Herr Bur-
germeeſchter kann ſich uff ſein Maleer, deß'm kerzlich
baſſiert is, noch was einbilde! Dann ſo e bisl Bann-
ſchtrahl macht ſich gar ſo ſcheen - gar ſo ſcheen -
ſchnedderengdengdeng!
Jch hoff, Männer, daß mer's de Mannemer ball
nooch mache un nit zurickſchtehn. D'r Kampf werd
wie in Mannem am Dunnerſchdag, aah hier ſchweer
werre, awer mir werre ſiege, wie die Mannemer,
wann uns d'r ungemiſchte Eeſl nit ganz aus d'r Wand
g'ſchlage hott! Halte mer Nummero eens emool e
Volksverſammlung iwer die Froog ab un leege uns
die G'ſchicht zurecht. 's Annere find ſich. Mit'm Jakob
werre mer fertig!
D'r Jakob - deß dirft'r jo nit vergeſſe -
Hott bis dato von uns noch keene gfreſſe!

Sonderbar!
Am Dunnerſch-
dag frieh war
in Mannem die
groß ſiegreich
Abſchtimmung
iwer die gemiſch-
te Schule, un
die Nacht druff
war Mondfinſch-
terniß! Es is e
Glick, daß unſer
Aſchtronoome
de Naturerſchei-
nung uff die Mi-
nutt vorausbro-
phezeit hawe,
ſunſcht dhäte ge-
wiſſe fromme
Leit heit ſage:
"Seht, der
Sieg, den die
Mannheimer
Jnden, Anti-
Chriſten und
Heiden am Don-
nerſtag im Kam-
pfe fur die kon-
feſſionsloſe
Schule gewon-
uen, war Gott
llcht getalig -
er ließ zwölf
Stunden dar-
auf am Himmel
Zeichen und Wunder geſchehen und verfinſterte den
Mond! Kehrt um auf dem Wege des ſündigen Fort-
ſchrittes, thut Buße im häärenen Gewande und be-
ſtreut eure Häupter mit der heiligen Aſche der Jn-
quiſition!" - Was die fromme Herrn mit dem "Schwarz-
wild" wolle, noochdem die Mannemer, wie mein Fraa
am Mittwoch aus'm "Badiſche Beowachter" zum Beſchte
gewe, widder Appetit hätte, weeß ich nit. Deß "Schwarz-
wild" ſoll ſich nämlich uff die denkwürdig Mannemer
Kaſinoſchlacht am 23. Februar 1863 beziehe. Jch er-
inner mich awer aah ganz genau, daß die Mannemer
an ſellem Dag heekſchtens en ſchbanniſche Schtier-
g'fecht ſchenkl mit Schwarz worzle mitnanner verzehrt
hawe. Unſer guter Jakob, der an dem Dag in
Mannem war un die Schbeiskart ereffnet hott, dirft
deß am Beſchte wiſſe! - Was die Herrn mit de Heide
wolle, die heit vor acht Dag zu der große Volksver-
ſammlung im Mannemer "Grüne Haus" eingelade
ſolle worre ſein, wie mein Fraa ferner am Mittwoch
aus'm "Badiſche Beowachter" zum Beſchte gibt -
weeß ich widder nit. Jch war zufällig ſelwer an dem
Tag in Mannem drunne un hab die Verſammlung

Druck und Verlag von G. Geiſendörfer.
loading ...