Heidelberger Volksblatt — 2.1869

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Nr. 6.

Mittwoch, den 20. Januar 1869.

2. Jahrg.

Erſcheint Mittwoch und Samtag. Preis monatlich 2 kr. Einzelne Nummer à 2 kr. Man abonnirt in der Druckerei, Untereſtr. 9
und bei den Trägern Auswärs bei den Landboten und Poſtanſtalten.

Möwenpriis.

Eine ſchleswig'ſche Geſchichte von Maria v. Roskows ka.

(Fortſetzung.)

Augenſcheinlich beſchäftigten ihn Betrachtungen mehr
noch als Betrachtung, und zwar ernſte ſchmerzliche Be-
trachtungen, wie ſein Antlitz verrieth. Er mußte hier
nicht fremd, und doch ein Fremder ſein. Obwohl ſie
zurückgezogen lebten, fällt eine Perſönlichkeit wie dieſe
doch in einem Ort von wenig mehr als zehntauſend
Einwohnern bald auf, kennt man die meiſten Leute
von Anſehen.
Die Arme übereinander gekreuzt, den Hut in der
Hand, als ſei ihm dnn hliekte er bald
nach Buſtorf hinüb
Der ſtarke dunkelb-
Theil des tiefgebrä
Haupthaar ſchon
ſchnittene Naſe, di
lich die breite, vo
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2



brach er ab und blickte ſie prüfend an. Anſcheinend
bemerkte ſie Beides nicht.
"Jn Wahrheit die ſchönſte Gelegenheit, um unſere
alte Stadt kennen zu lernen, lieb zu gewinnen. - Und
nun lange nicht?"
"Sehr lange nicht!" Die kurze Art ſeiner Ant-
worten konnte für abweiſend gelten.
Sie faßte es ſo auf, erröthete über ihre Jndis-
cretion und wollte ſich nach leichter Verneigung ab-
wenden.
Er knüpfte das Geſpräch wieder an und ſagte nun
ſeinerſeits: "Sollte ich nicht bereits das Vergnügen
gehabt haben, Sie irgendwo zu treffen, mein Fräulein?
Aber nein, Sie ſind viel zu jung. Dennoch erſchienen
Sie mir gleich beim erſten Blick ſo merkwürdig be-
kannt. Es iſt, als ſei mir Jhr Namen nur entfalen."
Sein Blick enthielt die Aufforderung ihn zu nennen.
Eine brennende Röthe flammte in ihrem Geſicht
uf. "Da Sie Schleswig früher gekannt haben, müſſen
Sie es jetzt ſehr verändert ſinden. Jch erinnere mich
der einſtigen beſſern Zeiten freilich nicht mehr, aber
- meine - Verwandten ſind voll ihres Lobes, empfin-
den es mit tiefem Schmerz, daß es nun ſo anders iſt.
1Das haben Jhnen gewiß alle Bekannten geſagt."
"Jch kam mit dem letzten Zuge erſt an und ſprach
noch Niemand, werde überhaupt nicht viele Bekannte
ſmehr finden." Sein Blick verdüſterte ſich.
Sie ſchaute bedeutſam zu ihm auf. "Es haben frei-
lich damals, ich meine nach der Schlacht bei Jdſtedt,
viele wohlhabende Familien, viele auf immer, die
Stadt verlaſſen; hieß es doch, ſie ſollte angezündet
werden. Seitdem die Behörden verlegt wurden, iſt
-Schleswig vollends verödet. Von zwanzig Advokaten
blieben nur drei. Freilich -"
"Wir kennen einander alſo doch wirklich?" fragte
er raſch. "Und ich komme nicht auf Jhren Namen!"
Wieder gerieth ſie in Verlegenheit. "Nein, ich ver-
muthe nur, daß Sie Schleswig ſeit damals nicht wie-
der geſehen haben!"
"Und warum Das?"
"eil auch mir iſt, als müßte ich Sie ſchon ge-
ſehen haben. Und wäre ich damals nicht noch ein
Kind geweſen, ſo würde ich mich Jhrer deutlicher er-
innnern."
Es zog wie eine Wolke über ſeine Stirn und die
raſche Bewegung ſeiner Züge verrieth faſt Erſchrecken.
"Jch glaube gar, Sie halten mich für einen Schleswie-
Holſteiner oder vielmehr, da man ſo ja nicht mehr

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die gute Lebens
Hilda's Geſicht,
artig und warf
hin. Der Klang
lich an, ſie wußt
aber ſie antwort
liebliche Lage Se
"Möwenpriis
blickte auf die J
"As Fremde
ſäumen," rieth
der Jahrmarkt
"Jch weiß,
hätte er mehr ſ



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Die raſe a Wo






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