Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Editor]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien) — 3.1885

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ROMISCHE MEDAILLONS.

Von

Dr. Friedrich Kenner.

(Fortsetzung.)

Maximinus und Maximus.

97. Taf. II, Fig. 97.

MAXIMINVS ET MAXIMVS AVGVSTI unten GERMANICI Die gegen einander gekehrten Brustbilder beider
Kaiser, das des Vaters von rechts, mit dem Lorbeerkranz, das des Sohnes von links, ohne Kranz, beide in
Rüstung und Mantel, unter welchem die Achselkappen des Panzers sichtbar werden.

Rev. PM TR P IUI COS PP Ein Opfer der beiden Kaiser. Der Vater, durch eine höhere Gestalt und
den Lorbeerkranz auf dem Haupte charakterisirt, steht von rechts gesehen vor der runden Ära, die mit
Opferflamme und Gehängen ausgestattet ist, und hält die Rechte über sie, mit einer Geberde, als wollte er
Körner in die Flamme streuen. Ihm gegenüber, von links gesehen, steht der Sohn, ohne Lorbeerkranz
und kleiner an Gestalt; er ist wie der Vater in voller Kriegsrüstung (ohne Helm) und giesst mit der Rechten
eine Schale über der Flamme aus; im linken Arme hält er schräge das Scepter.

Hinter dem Vater steht Hercules (von rechts), kleiner als der Kaiser; er hält einen Lorbeerkranz
über das Haupt des Letzteren; mit der Linken schultert er die Keule, das Löwenfell hängt von der linken
Schulter herab. Hinter dem Sohne steht Apollo (von links) mit der Chlamys, im linken Arme den Bogen,
das Attribut der Rechten (Leier) durch die vor ihm stehende Figur verdeckt.

In der Mitte des Hintergrundes wird Minerva' sichtbar; sie erscheint (von vorne) zwischen beiden
Kaisern über dem Opferaltare. Sie hat den Helm mit hoher Crista und aufgerichteten Backenklappen auf
dem Haupte, die Aegis um die Brust und hält mit beiden Händen eine grosse Kugel vor sich hin. Zu beiden
Seiten der Minerva ragen Feldzeichen auf, jenes zu ihrer Rechten mit einem Kranze, das zur ihrer Linken
mit einem Adler besteckt; ein drittes Feldzeichen ohne Emblem ist neben dem letzteren sichtbar; es
erscheint zwischen Apollo und Maximus.

Perlenrand auf beiden Seiten. Röthliche Bronze mit Messingrand; 36 Mm. Durchmesser, 6 Mm.
dick, 53-65 Gr.

Aus der Sammlung der Karthäuser in Rom. Numism. aer. m. m. coenob. Carthus., tab. 60. —
Cimel. Austr., P. II, Tafel bezeichnet mit: p. 72, II. — Eckhel, Catalogus Mus. Caes., III, 33i, 5g.
Arneth, Synopsis, p. 149, 20.

Vgl. Cohen, IV, 201, 2, nach dem Wiener Exemplar. — Grueber und Froehner führen dieses
Stück nicht auf.

Der seltene, nur in dem einen, eben beschriebenen Exemplar vorhandene Medaillon ist in den ersten
zwei Monaten des Jahres 238 geschlagen worden. Mit diesem begann der vierte Tribunat des Kaisers.
Aber schon um den Beginn des März erfolgte die Erhebung der Gordiane in Afrika, welche der Senat
sofort anerkannte, indem er zugleich den Maximinus als Feind des Vaterlandes erklärte und seine Statuen
und Büsten umstürzen Hess. Von diesem Zeitpunkte also, d. i. von Anfang März ist an eine Geldpräge mit

' Cohen bezeichnet diese Figur als radiee, Arneth als Vesta. Durch Helm und Aegis ist sie als Minerva bestimmt.
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