Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Editor]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien) — 18.1897

Page: 262
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DER HOFPLATTNER DES ERZHERZOGS FERDINAND VON TIROL,

JAKOB TOPF UND SEINE WERKE.

Von

Wendelin Boeheim.

on den drei bedeutendsten Plattnerschulen Deutschlands, Nürnberg, Augsburg und
Innsbruck, nimmt die letztere nicht allein in künstlerischer und technischer son-
dern auch in staatsökonomischer Richtung, wie nicht minder durch die Thatsache
unsere volle Aufmerksamkeit in Anspruch, dass sie, eine Schöpfung der Herrscher
Tirols, unter dem steten und unmittelbaren Einfluss derselben gestanden ist.

Der letzte der bedeutenden Meister dieser Schule ist der erzherzogliche Hof-
plattner Jakob Topf. Sein Leben und Wirken ist bisher noch nie zum Gegen-
stande einer Betrachtung gemacht worden; der über ihn vorfindigen Urkunden sind nur wenige und
Werke seiner Hand, um seine Bedeutung zu beweisen, waren bisher völlig unbekannt.

Ein eingehendes Studium hat erwiesen, dass wir in Jakob Topf einen hervorragenden Meister
auf dem Gebiete der Waffenschmiedekunst besitzen; es haben sich ausgezeichnet schöne Arbeiten ge-
funden, welche unzweifelhaft seiner Hand entstammen, und nicht undeutliche Anzeichen weisen darauf
hin, dass der Meister auch im Auslande mit ansehnlichem Erfolge thätig gewesen ist.

In den Urkunden des Statthaltereiarchives zu Innsbruck erscheinen im XVI. Jahrhunderte drei
Plattner des Namens Topf oder Dopf, auch Topff, ziemlich gleichzeitig. Alles deutet darauf hin, dass
dieselben aus Innsbruck oder wenigstens aus Tirol stammen und dass sie Brüder gewesen sind. Jakob
scheint der älteste unter ihnen gewesen zu sein. David der jüngere arbeitete anfänglich als einfacher
Plattner zu Innsbruck selbständig; 157g wurde er in der Rüstkammer des Erzherzogs Ferdinand von
Tirol im Schlosse Ambras bei Innsbruck angestellt. Er starb 1594 und hinterliess nebst vier Kindern
noch eine Witwe, Anna, in nicht sehr guten Verhältnissen. Ein anderer, Namens Simon, erscheint nur
ein einziges Mal in den Acten und verschwindet darauf völlig.1

Bei der Durchsicht der Urkunden, welche über Jakob berichten, ist es zunächst auffällig,
dass dieser erst 1575 auftritt und in der ältesten Urkunde schon Hofplattner genannt wird. Ein so
plötzliches Auftreten in einer hervorragenden und angesehenen Stellung ohne vorhergegangene Be-
ziehungen zum Hofe muss seltsam erscheinen; es gibt diess, wie wir später sehen werden, Veranlassung
zu gegründeten Annahmen.

Jakob entfaltet seit 1575 zu Innsbruck eine rege Thätigkeit. Die frühesten Posten in den
Rechnungsbüchern von 1575 und 1578 betreffen allerdings nur gewöhnliche Waare; doch sind die
ausbezahlten Summen von ansehnlicher Höhe, z. B. 1575 109 Gulden. Am 3o. Juli 1578 erhält er als
Abschlagszahlung für einen dem Erzherzog Maximilian III. (1558—1620) gefertigten Harnisch 25
Gulden.2 Von 1581 an ist Jakob sowohl für den Erzherzog Ferdinand als auch für die tirolische Kammer
am angestrengtesten beschäftigt; denn die angewiesenen Summen steigern sich zu beträchtlicher Höhe.
Im genannten Jahre erklärt sich die landesfürstliche Kammer ausser Stande, ihm die angewiesenen

1 Jahrbuch XIV 2 und XVII 2. Urkunden und Regesten aus dem Statthalterei-Archive zu Innsbruck.

2 Jahrbuch XIV 2, Reg. 10744.
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