Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Editor]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien) — 19.1898

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HIERONYMUS BOSCH

UND DIE DARSTELLUNG DER VIER LETZTEN DINGE
IN DER NIEDERLÄNDISCHEN MALEREI DES XV. UND XVI. JAHRHUNDERTS.

Von

Hermann Dollmayr.

Was uns in alten Büchern und Papieren über den einst
weitberühmten Maler Hieronymus aus Herzogenbusch be-
richtet wird, ist gering und reicht nicht einmal aus, die
Dauer seines Lebens annähernd abzuschätzen, geschweige
denn das für seine Lehrzeit so wichtige Jahr zu bestimmen,
wann er geboren wurde. Die Meinungen gehen darüber
noch immer auseinander und, wenn sich die Verfasser der
neueren Galleriekataloge und Kunstgeschichten im Allge-
meinen rund für das Jahr 1460 entschieden haben, weil
Meister Hieronymus 1484 schon als Mitglied der Illustre
Lieve-Vrouwe broederschap seiner Heimatsstadt erwähnt
wird, er also damals nicht weniger als 25 Jahre gezählt haben
dürfte, so glaubt C. Justi,1 er müsse noch viel früher das
Licht der Welt erblickt haben; denn der Mann, der uns auf
dem bekannten Bildnisse2 durch die Verse des Lampsonius
als Hieronymus Bosch vorgestellt wird, ist augenscheinlich
älter, als es unser Künstler nach der allgemeinen Annahme
selbst in seinem Todesjahre, 1516, gewesen sein konnte.
Doch das mag Alles Täuschung sein.
Gegenüber einer so wichtigen Frage will es uns fast geringfügig erscheinen, dass es ferner nicht
auszumachen ist, ob die Bezeichnung Aquens., Aquen, Van Aken, Van Aeken, die er in den Urkunden
führt,3 thatsächlich, wie man will, auf die Abstammung seiner Familie aus Aachen deute; ob der 1468
als Bürger von Herzogenbusch aufgenommene Laurens van Aken4 sein Vater ist und ob er selbst, da
sich nirgends vermerkt findet, dass er in jener Stadt sein Bürgerrecht erlangt hätte, in ihren Mauern
auch geboren wurde.5

Der Umstand, dass sich die Mehrzahl seiner Werke in Spanien befindet, hat ältere Autoren auf
den Gedanken gebracht, dass er eine Zeitlang dort gelebt und geschaffen, ja sogar den Grund zu der
eigenthümlichen Art seiner Kunst gelegt hätte, eine Meinung, der A. Pinchart6 mit den schriftlichen

1 Die Werke des Hieronymus Bosch in Spanien, Jahrbuch der königl. preuss. Kunstsammlungen X, S. 122.

2 In der 1572 von der Witwe des Hier. Cock besorgten Ausgabe der Porträtsammlung: Pictorum aliquot celebrium
Germaniae inferioris effigies. (Siehe Fig. I.)

3 Pinchart A., Archives des Arts, Sciences et Lettres, Documents inedits, t. I, p. 267 ff.

4 Ebenda, p. 270.

5 Ebenda, p. 270.

6 Ebenda, p. 269.

Fig. I. Bildniss des H. Bosch.
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