Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Editor]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien) — 20.1899

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Fig. i. Orpheus,
aus einem Stiche des Marc Anton.

BEITRÄGE ZUR GESCHICHTE DER REPRODUCIRENDEN KÜNSTE:
MARCANTONS EINTRITT IN DEN KREIS RÖMISCHER KÜNSTLER.

Von

Franz Wickhoff.

n Untersuchungen und Handbüchern wurden lange die vervielfältigenden Künste
zumeist gesondert von der allgemeinen Entwicklung der Kunst behandelt. Ihre
Ursprünge, ihre Verbreitung, die Wandlungen ihrer Technik wurden untersucht,
die Notizen von den Lebensgeschichten der Meister gesammelt, die sich darin aus-
gezeichnet hatten, ohne dass man sich viel bekümmert hätte, wie sich die Compo-
sitionen, die durch die vervielfältigenden Künste bekannt gemacht wurden, aus-
gebildet hätten oder wie sie gestaltend und umgestaltend auf die Malerschulen
wirkten, unter denen sie sich verbreiteten. Ebenso wurde und wird die Geschichte der Malerei unver-
bunden mit der Geschichte des Holzschnittes und Kupferstiches vorgetragen; bestenfalles hinkt ihr ein
Capitel darüber hinten schwächlich nach.

Die wissenschaftliche Behandlung der vervielfältigenden Künste erfordert so viele Kenntnisse und
Erfahrungen, dass sie nothgedrungen immer als ein selbstständiges Fach wird betrachtet werden müssen.
Doch war es in vielen Fällen nicht möglich, ihren Zusammenhang mit der allgemeinen Kunstentwicklung
zu umgehen. Wie hätte man nur von den grossen deutschen Meistern, von Albrecht Dürer oder Hanns
Holbein, sprechen können, ohne ihrer Kupferstiche oder ihrer Holzschnitte zu gedenken. So haben
auch die diesen Künstlern gewidmeten Monographien schon lange den Weg gewiesen, wie die Ge-
schichte der deutschen Malerei einzig zu schreiben sei. Ich wollte, man möchte wieder auf eine Be-
zeichnung des vortrefflichen Fiorillo zurückkommen, der eine Geschichte der deutschen Zeichen-
kunst schrieb.

Die Erkenntnis, dass die Geschichte der vervielfältigenden Künste in Deutschland mit der der
deutschen Malerei unlöslich verbunden sei, ist überall durchgedrungen und eine Reihe ausgezeichneter
Arbeiten über den deutschen Kupferstich und Holzschnitt im XV. und XVI. Jahrhundert zeigen uns,
nicht mehr eingeschränkt auf blos fachliche Fragen, die vervielfältigende Kunst theils als Resultat,
theils als Stimulus der ganzen breiten, vorausgehenden und kommenden Kunstentwicklung. Ich darf
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