Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Hrsg.]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien) — 20.1899

Seite: 195
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Fig. i. Stammbaum der Könige von Jerusalem.

DIE CHRONIK VON JERUSALEM.

Eine für Philipp den Guten verfertigte Miniaturhandschrift der Wiener Hofbibliothek.

Von

August Schestag.

n dem reichen Schatze von Handschriften, den die Wiener Hofbibliothek birgt,
befindet sich ein für Philipp den Guten von Burgund verfertigter Miniaturcodex:
»Les croniques de Jherusalem abregies« (Nr. 2533, Rec. 128), dessen Bilderschmuck
von solcher Bedeutung ist, dass er wiederholt zum Gegenstand von Untersuchungen
gemacht worden ist, die jedoch zu keinem Resultate geführt haben, weil man in
dem alten Irrthume befangen war, in den Miniaturen die Hände bedeutender Tafel-
[ maier erkennen zu können. Die zahlreichen Urkundenpublicationen der letzten
Jahre haben uns aber gezeigt, wie viele Namen von hervorragenden Künstlern im Laufe der Zeit der
Vergessenheit anheimgefallen sind, so dass wir uns wohl zufriedengeben müssen, wenn es uns nur
gelingt, die Zeit, den Ort und die Schule festzustellen, wo dieses Kunstwerk der Kleinmalerei ent-
standen ist.

Die Handschrift hat eine Breite von 54 Cm. und eine Höhe von 27-5 Cm. Sie besteht aus
18 Pergamentfolien, die der Breite nach in vier Colonnen getheilt, in französisch-gothischer Minuskel
mit schwarzer Tinte beschrieben und mit Initialen, Randleisten und Bildern geschmückt sind.

Der Codex ist, wie sich aus den folgenden Betrachtungen ergeben wird, um das Jahr 1450 ent-
standen und für Philipp den Guten von Burgund, dessen Devise »Aultre naray« in den Zierleisten
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