Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Editor]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien) — 28.1909-1910

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FÄLSCHUNGEN AUF DÜRERS NAMEN AUS DER SAMMLUNG
ERZHERZOG LEOPOLD WILHELMS.

Von

Gustav Glück.

Das Fälschen von Kunstwerken ist wohl
fast so alt wie das Sammeln selbst. Denn so-
bald einmal eine starke, nicht leicht zu befriedi-
gende Nachfrage nach bestimmten Kunstwer-
ken vorliegt, wird sich die Produktion mit aller
Macht auf die Nachahmung dieser Dinge stür-
zen, je nach den verschiedenen Zeiten mit wirk-
samen oder auch mit unzulänglichen Mitteln.
Es ist nicht unwahrscheinlich, daß auch das
Altertum schon das Fälschen von Kunstwerken
gekannt habe. Die alten Griechen, die mit Vor-
liebe Urkunden, Bücher, Briefe, ja auch Grab-
hügel gefälscht haben und die Burckhardt des-
halb einmal ein Volk von Fälschern genannt
hat, werden sich auf dem Gebiete der Kunst
kaum ganz von dieser Neigung freigehalten
haben. Bei den nicht seltenen Erzeugnissen der
archaistischen oder archaisierenden Richtung
der griechischen Plastik mag wohl zum Teile
neben retrospektiven Strömungen eine eigent-
liche Absicht der Fälschung zugrunde liegen;
man könnte wenigstens denken, daß die schlauen
Griechen die großen römischen Sammler der
Kaiserzeit mit solchen Nachahmungen bedient
haben mögen, wenn der Nachfrage nach Wer-
ken der altgriechischen Plastik das Angebot nicht zu genügen schien.

Wie dem auch sei, zweifellos nachweisbare Fälschungen begegnen uns erst im Mittelalter: es sind
natürlich Fälschungen nach der Antike und sie hängen zusammen mit jener allgemeinen Sehnsucht
nach der Kultur des Altertums, die schließlich als ein wesentlicher Teil der großen Bewegung der Re-
naissance ihren mächtigsten Ausdruck fand. Die ältesten Fälschungen nach der Antike hat Julius von
Schlosser1 in einigen Porträtmedaillen nachgewiesen, die ohne Zweifel von niederländischen Künstlern
in der Umgebung des Herzogs Jean de Berry um die Wende des XIV. und des XV. Jahrhunderts ge-
schaffen und offenbar eigens für diesen großen Sammler berechnet worden waren. In der Blütezeit der

Alberti Dureri Effigies,

Ediu tx ligmi TäiuU st coicm A. JHDXXm. incifi , <put Vmäuloruc in Aug,
Bibhothz:a Caei. Reg. ajiervatur.
MDCCLXXXl.

Fig. I.

1 Die ältesten Medaillen und die Antike, in diesem Jahrbuch XVIII, 1897, s- 64, und Die Kunst- und Wunderkam-
mern der Spätrenaissance, Leipzig 1908, S. 27.

XXVIII.
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