Deutsches Archäologisches Institut [Editor]; Archäologisches Institut des Deutschen Reiches [Editor]
Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts: JdI — 8.1893

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Strzygowski, Das goldene Thor in Konstantinopel.

bezeichnen werden. Innerhalb derselben, d. h. zwischen Vor- und Hauptmauer, steht
man vor dem eigentlichen goldenen Thore, welches, wie die meisten wahrscheinlich
nach diesem Muster erbauten Stadtthore, aus dem mittleren Theile mit drei Durch-
lässen und jenen oben erwähnten riesigen Quaderthürmen an den Seiten besteht, so

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dafs das Ganze das Archetypon der erwähnten n förmigen Grundform der byzantini-
schen Stadtthore liefert. Wir nennen den mittleren Theil den Triumphbogen, die
seitlichen Thürme die Pylonen. Die Durchgänge des Triumphthores sind heute bis
auf einen schmalen Gang im mittleren Bogen vermauert. Hat man diesen durch-
schritten, so öffnet sich ein weiter fünfseitiger Platz, dessen Breitseite im Westen
eben das goldene Thor bildet. Die übrigen vier Mauern setzen hinter den Pylonen
bei den ersten Thürmen der Stadtmauern ein und sind an den Ecken durch riesige
Rundthürme befestigt, so dafs sie mit den beiden Pylonen sieben Thürme ergeben,
wie der türkische Name der Festung Jedi kule besagt. In ihnen befinden sich die
bekannten Verliefse, in denen einst die Staatsgefangenen verwahrt wurden. Wie im
Tower zu London haben sich auch hier einzelne derselben durch Steininschriften
verewigt. Man betritt diesen, durch eine kleine, heute verfallene Moschee belebten
Innenhof durch ein Thor dem Triumphbogen gegenüber in der nordöstlichen Mauer.
Bis vor Kurzem war Jedi kule fast unzugänglich. Daraus erklärt es sich wohl, dafs
das goldene Thor, neben der Sophienkirche der werthvollste byzantinische Bau von
Konstantinopel, bisher völlig unbeachtet geblieben ist. Die hier zur Publication ge-
langenden Aufnahmen sind gemeinschaftlich vom Verfasser und Robert Koldewey
ausgeführt, welch letzterer, auf der Durchreise in Konstantinopel, einer Einladung
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