Deutsches Archäologisches Institut [Editor]; Archäologisches Institut des Deutschen Reiches [Editor]
Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts: JdI — 8.1893

Page: 230
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DIE SÄULE DES ARKADIUS IN
KONSTANTINOPEL

Das alte Byzanz am bosphorischen Gestade, durch Septimius Severus in
gröfserem Umfange neu gebaut, wurde im Jahre 330 zur Residenz des Ostens ge-
weiht. Konstantin schob die Mauern der Stadt damals um 15 Stadien hinaus. Da-
durch kamen nach der Propontis zu zwei neue Hügelmassen zum Stadtgebiete,
welche durch die Kaiser der theodosianischen Familie ihren Hauptschmuck erhielten.
Theodosius d. Gr. selbst errichtete zwei Denkmäler, die beide der Verherrlichung
seiner Taten dienen sollten, die Säule auf dem Tauros 1 am dritten Hügel nahe dem
alten Forum des Konstantin, und das goldene Thor3, ursprünglich ein Triumphbogen,
welcher, auf dem Wege vom Hebdomon-Palaste nach dem Stadtthore gelegen, die
auf dem Kampos, dem Marsfelde der neuen Roma, geordneten Triumphzüge be-
grüfsen sollte. Von da aus bewegten sich diese Festzüge durch das Stadtthor, vor
dem sich das Exokionion ausbreitete, auf dem siebenten Flügel weiter über das ge-
wöhnlich Xerolophos genannte Forum und hinab in das Lykosthal; dann auf der
andern Seite desselben weiter an der Säule des Theodosius und der des Konstantin
vorüber nach dem kaiserlichen Palast auf dem zweiten Flügel.
Auch Arkadius wählte zur Aufstellung seines Wahrzeichens, ebenfalls einer
Säule, einen Platz an dieser Feststrafse, den oben erwähnten Xerolophos auf dem
siebenten Hügel. Um zu verstehen wie seine Wahl gerade auf diesen so fern vom
Centrum der Stadt gelegenen Ort fallen konnte, müssen wir unsere Blicke zurück
auf das alte Byzanz richten.
Die von Megarern angeblich im Jahre 658 v. Chr. gegründete Colonie um-
schlofs wol nur die spätere Akropolis, d. i. den Hügel an der äufsersten Landspitze
der vom goldenen Horne gebildeten Halbinsel, welcher heute gekrönt wird vom
Serai, dessen Mauern ungefähr dem Verlauf der vorrömischen entsprechen dürften.
Westlich von dieser ältesten Stadt breitete sich ein hügeliges Hochplateau aus, wahr-
scheinlich mit üppiger Vegetation bedeckt, denn es ist sonst nicht zu begreifen, wie
anders der jenseits des Lykosthales sich erhebende Hügel, später der siebente der
Stadt, zu dem Namen Xerolophos gekommen sein sollte, als eben dadurch, dafs er
im Gegensatz zu der umgebenden Landschaft trocken und öde war. Auf diesem
Flügel nun stand seit uralter Zeit ein Apolloheiligtum, in dem sich unter anderm
ein Dreifufs mit einer altäolischen Inschrift befand3. Septimius Severus scheint die-
sem. heiligen Bezirke besondere Verehrung entgegengebracht zu haben; er, dem
’) Unger im Repertorium für Kunstwissenschaft II 2) Jahrbuch d. Inst. 1893, S. 1 ff.
(1879) S. ii8ff. Vgl. auch was unten S. 242fr. :1) Nach Gyllius, De topographia Const. 1, IV c. VIII
Über diese Säule gesagt wird. (ed. 1632 p. 312),
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