Deutsches Archäologisches Institut [Editor]; Archäologisches Institut des Deutschen Reiches [Editor]
Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts: JdI — 8.1893

Page: 119
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DER SCHÖPFER DER ATTALTSCHEN
KAMPFGRUPPEN

I. DIE NEAPLER AMAZONE.
Das älteste Zeugnis über die Auffindung der unterlebensgrofsen Statuen,
deren Zugehörigkeit zu dem grofsen athenischen Weihgeschenk König Attalos I
Brunn scharfsinnig erkannt hat, findet sich bekanntlich in einem Briefe, den der
junge Filippo Strozzi im September 1514 von Rom nach Florenz an einen Freund,
Giovanni di Poppi, gerichtet hat. Er bittet diesen dem Fürsten Lorenzo de’ Me-
dici, dem Schwager des Briefstellers, zu sagen, che sua madre e la piu fortunata
donna mai fusse, che li danari che la da per dio li fruttono piu per che sc li prestassi
a usura; et questo per che inurando a certe monache una cantina vi hanno trovate
sino a questo dl circa a 5 figure si helle quanto ne sian altre in Roma. Sono di
marmo, di statura mancho che naturale, e sono tutti chi morti et chi feriti, pure
separati. Evi che tiene che sian la historia delli Horatii et Curiatii; non ne scrivo pih
particulari, per che in breve spero el Magnißco li abbia a vederc, e li piaceranno'.
Die Mutter Lorenzos und Clarices, der Gemahlin Strozzis, war Alfonsina Orsini,
die Wittwe Pieros de’ Medici (f 1503), die damals in dem von ihrem Schwager,
dem Papste Leo X, prächtig eingerichteten Palast Medici wohnte2; es ist der später
umgebaute Palazzo Madama, der jetzige Senatspalast. Der Bericht rührt, da erst
von fünf Statuen die Rede ist, aus dem Anfang der erfolgreichen Ausgrabung her.
Weiter lehrt er, dafs der Fund nichts mit den alexandrinischen Thermen zu thun hat,
in deren Bereich der Palazzo Madama liegt3; die Stelle Aldrovandis4, auf die diese
Annahme sich stützt, besagt auch garnicht, dafs die Statuen dort gefunden seien, son-
dern nur, dafs sie dort aufbewahrt würden: sono nel luogo, dove gia fnrono le
Therme di Alessandro, come vi si veggono i vestigij. Der Fundort war vielmehr
der Keller eines Nonnenklosters, zu dem Madonna Alfonsina, sei es als geborene
Orsina sei es als verwittwete Mediceerin, in einem Gönnerverhältnis gestanden
haben mag. Leider ist es auch den besten römischen Kennern dieser Dinge, die
ich darum befragt habe, nicht möglich gewesen das Kloster anzugeben, daher wir
einstweilen über den Fundort im Unklaren bleiben. Dafs nicht alle zusammen-
gehörigen Statuen in Alfonsinas Besitz gelangten, sondern z. B. der eifrige Sammler

d Gaye, Carteggio II, 139 n. 84. Müntz hat in der
Reviie archeol. 1882,1, 35 Anm. 1 zuerst auf diesen
Brief hingewiesen.
2) Klügmann, Arch. Zeit. 1876 S. 36. Einiges über
diese hochmüthige und herschsüchtige Frau,
4) Aldrovandi,
Jahrbuch des archäologischen Instituts VIII.

eine echte Orsina, die Grofsmutter der Caterina
de’ Medici, s. bei Reumont, Gesch. d. Stadt Rom
III, II, 64 f. 105 f.
3) So Klügmann (Anm. 2) und ihm folgend Andere.
Vgl. Reinach, Rev. arch. 1889, XIII, 20.
Status S. 1S9.
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