Deutsches Archäologisches Institut [Editor]; Archäologisches Institut des Deutschen Reiches [Editor]
Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts: JdI — 8.1893

Page: 113
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Gercke, Vulneratus deficiens.

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sicher deuten zu können glaubte, ferngehalten, um der Sache nicht zu schaden;
auf einem so unsicheren und auf Grund zahlreicher Erfahrungen mit Recht so übel
beleumdeten Boden wird die erste sichere Stelle willkommen sein, so klein sie auch
sein möge. Ich habe daher die zahlreichen Darstellungen heroisirter Toten, die
sich zum Teil auch auf den Rückseiten von Unterweltsvasen finden, einstweilen bei
Seite gelassen; nur eine umfassende Sammlung und Verarbeitung verspricht sichere
Ergebnisse auf einem Gebiete, auf dem literarische und inschriftliche Quellen fast
vollständig mangeln. Aber auch Nekyien wie E. VI, 1 und 5 habe ich auf Grund
der Erfahrungen bei der Vase aus Altamura ferngehalten. Hier müssen die antiken
Bestandteile erst sicher festgestellt werden; wir laufen sonst Gefahr, demselben
Schicksal anheimzufallen wie Interpreten jenes Vasengemäldes, die ein zartes Weib
auf einem gefleckten Seepferd zu seligen Gefilden getragen werden lassen.
Marburg. Ernst Kuhnert.

VULNERATUS DEFICIENS
Als im Jahre 1839 auf der Burg von Athen eine Basis gefunden war mit
der Inschrift 'EppSkuxos Aisixpecpous dixocpyrp. Kp7]öiXoG irJrrpzv, gab dies den Anlafs
zu verschiedenen Kombinationen aber auch zu Bedenken dagegen, worüber man
sich am besten orientiert bei Löwy, Inschriften griech. Bildhauer No. 46. Beson-
ders hat man die Inschrift kombiniert mit zwei Statuen, die von Plinius 34, 74 und
Pausanias I 23, 3 angeführt werden. Das Material hat kürzlich Six vervollständigt
und umfassende Kombinationen in deduktiver Form vorgetragen Jahrbuch VII S. 185 ff.
Sehr ansprechend ist die Vermutung, dafs eine Nachbildung des von Pausanias I
23, 3 erwähnten Auxpecpou? yaXxouk dvopuzc öicrxoR ßeßXvjpivo? erhalten sei in dem Jahr-
buch VII S. 185 nach Luynes, Vases Tafel 16 abgebildeten Vasengemälde, das einen
von zwei Pfeilen getroffenen aber zurückweichend mit der Lanze sich weiter ver-
theidigenden Krieger darstellt. Pliermit verbindet Six eine zweite Pausaniasstelle
(I 23, 10 'EppoXuxov xov -aYxpcmaaxTjv) und die Erwähnung einer Heldenthat des Pan-
kratiasten Hermolykos, Sohnes des Euthoinos (Herodot 9, 105), Kombinationen,
deren Stichhaltigkeit oder Beweisbarkeit ich nicht prüfen will, ferner die oben er-
wähnte Inschrift des Kresilas und endlich die von Plinius, NH 34, 74 gebrachte
Notiz: Cresilas (fecif) vulneratum deficientem, in quo possit intellegi, quantum restet
animae.
Diese Pliniusstelle hat man, wie gesagt, schon früher mit jener Inschrift und
der Pausaniasnotiz I 23, 3 verbunden, ohne dafs sich bisher etwas Sicheres pro oder
contra sagen liefs: aber gerade durch das von Six herangezogene Monument wird
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