Deutsches Archäologisches Institut [Editor]; Archäologisches Institut des Deutschen Reiches [Editor]
Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts: JdI — 8.1893

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Michaelis, Der Schöpfer der attalischen Kampfgruppen.

gische Motiv des grofsen Pathosmalers, der seinem Zeitgenossen Skopas, wie es für
den Maler natürlich ist, in der Schilderung starker Effecte noch vorauseilte77, ist in
der Gruppe des Epigonoi stark herabgestimmt, die Wechselwirkung zwischen dem
dürstenden Kinde und der auch im Tode noch um dessen Leben besorgten Mutter ist
in das rührende Motiv des Kindes verwandelt, das weinend die bereits todtc Mutter
liebkost. Aber die Verwandtschaft der Stimmung und des Motivs ist unverkennbar,
und es ist auch nicht ohne Bedeutung dafs ein malerisches Motiv die Plastik beein-
flufst hat, dafs, wie so oft, wieder einmal die Malerei der Plastik den Weg gezeigt
hat. Ich möchte glauben, dafs in ähnlicher Weise die belebten Kampfgruppen der
pergamenischen Bildhauer in einer, wenn auch nur allgemeinen Abhängigkeit von
den Schlachtenbildern stehen, die in der Malerei des vierten Jahrhunderts beliebt
wurden78. Ich erinnere an die Perserschlacht des schon genannten Aristeides von
Theben, die. ich gar keinen Grund sehe grade für eine Alexanderschlacht zu halten
- das würde wohl bestimmt gesagt sein79 —, an Androkydes später auf das Ge-
fecht bei Platää vor der Schlacht bei Leuktra umgetaufte Reiterschlacht80, an Pam-
philos Schlacht bei Phlius81, an Euphranors lebensprühendes Gemälde des Reiter-
treffens bei Mantineia83, an Philoxenos Alexanderschlacht, vielleicht das Vorbild des
pompeianischen Mosaiks83. Diese malerischen Anregungen wirkten schon in Wer-
ken, wie der lysippischen Granikosgruppe in Dion oder der Alexanderschlacht des
sidonischen Sarkophags nach; im Verein mit der auf Skopas Grundlage weiter-
entwickelten pathetischen Plastik und mit dem durch Silanion, Demetrios und die
lysippische Schule ausgebildeten scharf realistischen Sinn führten sie dann dahin,
zu geeigneter Zeit in Pergamon denjenigen Stil zur Reife zu bringen, als deren
Hauptträger uns nunmehr Epigonos erscheint.
Strafsburg. Ad. Michaelis.

77) Man sieht, dafs ich in der vielbesprochenen
Streitfrage im Ganzen auf Seiten Brunns, Kleins,
Ohmichens stehe und den Grofsvater Aristeides
für den bedeutenderen Maler halte.
7S) Auch in Pergamon gab es gewifs mehr als eine
Ypacpyj tÖ Ipyov to ~pö; tou? PaXdTas ’iyowa.
(Paus. /, 4, 6).
79) Plin. SSt gg. Will man nicht auf die Perser-
schlachten des fünften Jahrhunderts zurückgehen,
so kann man ja beispielsweise an Agesilaos Sieg
am Paktolos denken.

80) Plut. Pelop. 25.
81) Plin. SS> 76 proelium ad Phliuntem ac victoria
Atheniensmm.
8‘2) Plin. SS> 129. Plut. de glor. Athen. 2 tyjv sv
Mavnvsi'a rrpo; T-ap.stvtovoccv tTtTropcr/tczv mit aus-
führlicher Charakteristik.
83) Plin. SSt 110 tabula millis posferenda . . . A/exandri
proelium cum Dario. Warum sollte dies so ge-
rühmte Bild seine Ansprüche aufgeben müssen
zu Gunsten der angeblichen Ägyptierin Plelena
des Erzlügners Ptolemaios Chennos?
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