Deutsches Archäologisches Institut [Editor]; Archäologisches Institut des Deutschen Reiches [Editor]
Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts: JdI — 8.1893

Page: 179
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Wolters, Athena des Kephisodot.

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eben bei seinem Abzug vermittelte Rückkehr der flüchtigen Zakynthier den Spar-
tanern sofort Anlafs zu neuen Expeditionen gegen Kerkyra gab, dem dann seiner-
seits Athen zu Hülfe eilen mufste. Das Friedensopfer werden die Athener ja wol
noch im Frieden begangen haben, so mufs dieser kurz vor dem 16. Hekatombaion
374 geschlossen worden sein, also Ol. 101, 2 (oder 3). Dafs an den l'uvotxta auch
schon früher ein, allerdings unblutiges, Opfer an Eirene Statt fand, wird jetzt wol
allgemein angenommen29; dies wird Veranlassung gewesen sein, das neue Opfer auf
denselben Tag zu verlegen. Allerdings kann die Zeit nicht gereicht haben um bis
zu dem Feste auch das Bild der Göttin fertig zu stellen30, aber gelobt kann man
es haben und es steht nichts im Wege anzunehmen, es sei in den folgenden Jahren
auch ausgeführt worden. Alles dies schliefst so gut zusammen, die gefundene Zeit
pafst so gut zur Angabe des Plinius, dafs man sich schwer entschliefsen wird, diese
Combination aufzugeben.
Anders steht es mit dem Datum der Athena Soteira. Konon hat die Be-
festigungen des Piräus wieder hergestellt, dafs er auch Tempel erneuert hätte, wird
nicht berichtet; seine Frömmigkeit that sich darin genug, der kindischen Aphrodite
ein Heiligtum zu weihen. Andererseits war das Heiligtum des Zeus Soter ein so
wichtiges31, dafs wir nicht nach einem besonderen Anlafs zu seiner Ausschmückung
zu suchen brauchen. Und das Datum, welches wir so für Kephisodot gewinnen
würden, ist bedenklich früh32. Seine Schwester war die erste Gattin des Phokion33,
und er wird demnach gleichfalls eher jünger denn älter als Phokion gewesen sein,
der etwa 403 geboren wurde. Es ist also höchst unwahrscheinlich, dafs er bereits
393 im Stande war, gröfsere künstlerische Arbeiten auszuführen. Ich glaube mit-
hin, dafs wir die Athena Soteira nicht mit Konon in Beziehung bringen und sie
vielmehr nicht weit vom Jahre 374 anzusetzen haben.
Noch ein weiteres Werk glaube ich mit Wahrscheinlichkeit auf Kephisodot
zurückführen zu können, den sogenannten Sardanapallos im Vatican31 und seine
Repliken35. Dafs die zu Grunde liegende Statue des bärtigen Dionysos im vierten
Jahrhundert entstanden ist, leuchtet wol ein30, die nahe Verwandtschaft mit der
Eirene und der besprochenen Athena macht die Zusammenstellung des Kopfes auf
S. 177 anschaulich. Ich kann ohne erneute Prüfung der römischen und londoner

■9) Vgl. M. II. E. Meier, Historiae iuris attici libri
duo S. 119. Aus Kydathen S. 120, 36 (Wilamo-
witz). Annuaire de Vassociation des etudes grecques
XVI 1882 S. 106 (Collignon). Für die Realität
des Kalliasfriedens haben sich jetzt auch Köhler,
Hermes 1892 S. 75 und E. Meyer, Forschungen
zur alten Geschichte I S. 156 erklärt.
30) C. I. A. I, 318 nimmt die Herstellung zweier
Erzstatuen fünf Jahre in Anspruch. Vgl. Eranos
Vindoboncnsis S. 21.
3)) Curtius, Stadtgeschichte S. CXI.
3-) Für das früheste gesicherte Datum aus dem
Leben des Kephisodot nimmt es z. B. S. Reinach,

Gazette archeologique 1887 S. 282, und läfst ihn
420 geboren sein.
33) Plutarch, Phokion 19.
3I) Berliner Gipsabgüsse 1284. Helbig, Führer 326.
35) Statue aus Neapel in London: Roscher’s Lexi-
kon I S. 1118. Sybel, Weltgeschichte der Kunst
S. 255. Büste aus Rom in Neapel Nr. 6306 (nur
der Kopf ist antik, die Enden der Locken und
des Bartes sowie die Nase sind neu): Museo
Borbonico III Taf. 39. — Torso in Athen, aus
dem Dionysostheater: Sybel 292.
30) Vgl. Reisch, Weihgeschenke S, 31. Arch. Zei-
tung 1881 S. 165 (Treu).
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