Kladderadatsch: Humoristisch-satirisches Wochenblatt — 35.1882

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3?r. 20. Berlin, btn 4. Juni 188a. XXXV. 3tiljtgang.

Worfjeiifeafcnflei.

Montag, den 5. Juni.

Stuf! ihr aus,leuchten Glieder!

Rüstet euch sh Hieb und Stoß!

Morgen kommt der Reichstag wieder,
lind der Kampf geht wieder los,

Dienstag, den st. Juni.

In die Schranken! LdiwerterbliKe
Zucken nieder lichtcrlob.

Aus erhabne», Nichlersihe
Würdig thront Herr Levchow.

Mittwoch, den 7. Juni.

Seht! es schaaren dicht und dichter
Sich die Ritter edlen Stamms,
lind im Harnisch groUt Herr Richter,

Doch Herr W i n d t h o r st glüht im WammS-

TUodjeiiftaCenÖer.

Donnerstag, den 8. Juni.

,,'L ist doch nicht der Kampf. der echte!'

.Nichts als Schein. und Wortgefechte!
Weiß doch Keiner recht, warum!"

Freitag, den st. Juni.

Ewig nach dein alte» Schema
Wird geregelt das Turnier.

Ewig um dasselbe Thema
Streiten sich die Ritter hier.

Sonnabend, den Ist. Inni.

lind den Groben wie den Kleine»

Ist der Wablfprnch wohlbekannt;

Wenn wir nur z» ,p,cle» scheine» -
,'S ist doch stets fürs Vaterland.'

Kladderadatsch.

Humoristisch - satirisches Mocheulilult.

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»zzMsck,« Wtrr»». d

«■

^.ann nicht eine kleine Weile 'mal Europa Ruhe haben?
Kann es nicht einmal behaglich sich am schönen Len) erlaben?
Kann der allgemeine Friede nicht ein Augenblickchen mähren?
Muh es stets in irgend einer Elke brennen oder gähren?
O Aegypten, unerträglich für die Menschheit auf die Länge,
Daß der Nil, der dich geschaffen hat, dich wiederum verschlänge!
Solches, wahrlich, wär am beßten,

Denn so lange du vorhanden bist, kommt nicht MrRuh'derWelten.

Sehr verworren ist die Sache, für den Bürger schiver begreiflich,
Der, für wen Partei er soll ergreifen, überlegt sich reiflich.
Tewfik Pascha und Araby Bey stehen dort sich gegenüber —
Welcher von denBeiden — sag' es, lieber Leser! — ist dir lieber?
Oder scheint dir, wer von Beiden vor^iyieh'n sei, problematisch?
Ich, wenn man mich fragt, erwidre, dah mir Beide unsympathisch.
Beide können mir gestohlen

Werden, meinetwegen kann sie ungesäumt der Kukuk holen.

Und nun kommt in die Verwirrung als verwirrendes dazwischen,
Nah auch England sich und Frankreich in den bösen Handel mischen.
Sagt, was haben sie jit suchen in dem Land der Pharaonen?
Haben sie genug ju schaffen nicht im Lande, ivo sie ivohnen?
Haben sie vor ihrer eignen Thüre nicht genug ;u fegen,

Daß sie noch in fremder Leute Angelegenheit sich legen?

Und wer weih, ob nicht ?um Schluffe sder Russe.

Roch manch Andrer in den Streit sich einmischt! Auf schon horcht

Ist der Sultan nicht das Oberhaupt Aegyptens? Ja, er ist es!
Und dah er ein guter Landesvater ist — gewih, ihr wiht es.
Also ist mein Vorschlag dieser, der gewih zu gutem Ziele
Führt: Nicht weiter, grohe Mächte, mischt euch inden Zank am Nile.
Wenn ihr selber nicht einander in die Haare wollt gerathen,
Kümmert, statt um fremderLeuteLänder, euch um eure Staate» !
In Aegypten, jur Vermeidung

Alles Unheils, überlaht dem weisen Sultan die Entscheidung.

_ KlnLdemdntsck.
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