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vom Blocksberge.

|I|nö diesjährige Walpurgisiiachtsest nahm einen überaus glänzenden
Verlaus. Seil Jahren ist die Betheiligung nicht so gros; gewesen >vie diesmal.
Wie bei alle» Preß- und Künstlersesten war die Börsenwelt stark vertreten,
doch fehlte auch die Diplomatie nicht. An Parlainrntsgröße» >var kein Mangel,
und >vic immer waren auch einige Herren von der Geistlichkeit erschienen.
Von Fürstlichkeiten war der Beherrscher Monacos, Karl der Spieler,
anwesend.

Jedermann kennt das Local. Kein anderes eignet sich wohl so sehr wie
dieses zu dergleichen Festlichkeiten. Es ist geräumiger als der Wintergarten,
kühler als die Philharmonie und fast ebenso leicht zu erreichen wie Kroll.
In der Garderobe, die in das Schneeloch verlegt war, wurde von de»
300 Waldteufeln, welche dort den Dienst hatten, musterhafte Ordnung gehalten.
Keine Gabel wurde verwechselt, kein Besen kam fort, selbst ein Herr, der es
sich so bequem gemacht hatte, seinen Kopf abzugeben, erhielt denselben bei
Vorzeigung seiner Marke richtig wieder.

Es ging außerordentlich lustig zu. Nachdem der Herr des Hauses,
Meister Urian, die Gäste willkommen geheißen und dem neuen Jesuiten-
general die Hand geschüttelt hatte, eröffnete er die Feier durch einen Vortrag
über den Antrag Hammerstein, welcher zündend wirkte. Dann führte ein
gewisser Eugen die „Reptile" vor, was zum Kreischen war. Selbst die
Großmutter des Hausherrn schüttelte sich vor Lachen, als die lange Reihe von
Pappdrachen, der norddeutsch allgemeine Pindter voran, an ihr vorbeizog.
Als das letzte Scheusal vorüber war, erschien Windthorst auf dem Cultur-
kampfroße, welches nur »och aus bloßen Knochen bestand, und führte ans
demselben eine Reihe der drolligsten Exercitien aus. Die Verleihung des
CharacterS als Contrcpapst belohnte ihn für die ansgewendete Mühe.

Gegen Mitternacht ivurde durch inehr als lausend gehörnte Radauiungen
— man nennt sie ans dem Blocksberg „Pech-Engel" oder „Schwefel-

Putten" eine „Nachtausgabe" verbreitet, welche ungeheure Heiterkeit
erregte.

Dann begann der Tanz. Derselbe ivurde eröffnet durch ei» Menuett
welches der Hausherr und Wirth mit der „Tante Boß", als der ältesten
Hexe, der „Doyenne" der Gabelreiterinnen, ivie sie im Scherz genannt
ivurde, tanzte.

Kurz vor dem ersten Hahnenschrei, als man eben anfing Melinitbonbons
abzuknallen, verließen wir das Local, weil eine andere Verpflichtung es uns
unerläßlich machte, auch noch aus dem Hexentanzplatz senkrecht über Thale
zu erscheinen. Wir machten den Umweg über Harzburg, um nachzusehe», ob
auch die Canossasäule imnier noch da oben stände. Nachdem wir uns davon
überzeugt hatten, daß sie noch da war, riefen wir dem wackeren alten Berg-
wirth aus dem Burgberge, der gewiß noch im aiigenehinsteil Morqeiqchln»»»^
lag, an den Fenstern seines Schlasgemaches vorbeifliegend, ein Ircnherzigrs
„Grüß Gott!" zu und nahmen unseren Cnrs nach den Felsen des Bodethales.
Als auch auf dem Hexentanzplatz alles zu Ende war, flogen wir in das Thal
hinunter. Dort gaben wir einem Werwolf, der so srenndlich gewesen war,
uns zu begleiten, unser „Roß" zum Halten, bis wir zurückkämen. Vielleicht
steht er noch da und wartet. Wir wenigstens bekümmerten uns nicht weiter
um ihn, sondern eilten dem Waldkater zu Nicht ganz leicht ward es uns,
den Wirth aus dem Schlaf zu klopfen. Endlich öffnete er uns die Thür.
Ansangs war er erstaunt, dann sich besinnend sagte er: „Ach so, heut ist ja
der erste Mai. Kommen die anderen auch noch?" Als die Sonne aufging,
verzehrten wir schon ein realistisches Beefsteack, das uns sehr wohl that. Wir
wollen gegen die Speisen, die es in der Walpurgisnacht da oben gibt, gar
nichts sagen, wenn uns auch die Knnstbutter, in der dort die beste» Ding!,
wie Tausendsüße, Drachenkämme und Haselwürmer, gebraten werden, nicht
ganz zusagt. Aber eine» Fehler haben sie doch: sie sättigen nicht.

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Der K ij p n o t e n ft a in p f.

In einer der kleineren Provinzialstädtc Mitteldeutschlands trasen an
demselben Tage zwei der beliebtesten Hypnotiseure ein.

Hokus ans Jnnsbnick und PokuS aus Königsberg.

Da beide das Geschäft wissenschaftlich betrieben und jeden Abend ihre
Vorstellungen gaben, konnte cs nicht fehlen, daß sich das Interesse des ge-
bildeten Publicums theiltc, und keiner von beiden ein volles Haus erzielte.

Dabei leistete jeder das Menschenmögliche.

Unter diese» mißlichen Umständen traten die beiden Künstler zu einer
Besprechung zusammc», deren Resultat am anderen' Morgen die Bevölkerung
in die höchste Ausregung verfehle. An den Straßenecken klebten handgroße
Zettel, aus denen schriftlich unter dem Titel „Kampf um das Dasein" zu lesen
war, daß die Herren Hokus und Pokus eine gemeinschaftliche Vorstellung
geben würde», in welcher endgiltig festgestellt werden sollte, welcher von beiden
dem andern überlegen sei.

Sofort waren sämmtliche Billets vergriffen.

Am Abend war der kleine Saal gedrängt voll. An 25 Personen füllten
den Raum, wobei allerdings 6 Fremde waren, welche in Folge des Umwerfens
des Slcllwagcns ans dem schlechten Landwege die Nacht im Orte zu bleiben
gezwungen waren.

Der Vorhang ging in die Höhe. Athemlose Spannung. Aus ei» Klingel-
zeichen traten die Künstler aus gegenüber liegenden Thüren ans die Bühne,
und »ach einer kurzen Verbeugung begann der Kamps.

Es ist nicht zu beschreiben, was für glühende Blicke sich die Gegner
zuwarfc», wie sie mit den Augen in einander bohrte» und durch fachgemäße
Handbewcgnngcn die einschläseriide Wirkung zu erhöhen suchten. ES half
aber alles nichts, keiner siegte, keiner wich. Endlich fiel jeder von beide»
erschöpft auf einen Stuhl und entschlief sofort.

Der rasende Applaus des Publicums brachte sie bald wieder zu sich,
iind keineswegs durch das tobte Rennen entmuthigt stürzten sic sofort wieder
in den Kampf.

Dieser wogte heftiger als das erste Mal und dauerte länger, aber das
Resultat war dasselbe. Als die Ringer wieder ans ihren Stühlen im tiefen
Schlaf lagen, enlsaniien sie sich der Rüben, Kartoffeln und Tannenzapfen,
mit welchen sie die Taschen gefiillt hatten, um sie dcni besiegten Gegner als
etwas ganz Delicates auszunöthigen. Sie zogen dieselben fchlastrunken hervor.
Hokus aß die Mohrrüben als Klopse und rühmte schmähend an ihnen, daß
sie von frischem Fleisch seien, während Pokus seine Kartoffeln als Morcheln

verzehrte und sich nur über allzu viel Sand beklagte, was allerdings bei
Morcheln vorzukommen pflegt.

Von neuem durch den Jubel der Anwesende» erweckt, traten sie Hmd
in Hand an die Lampen, erklärten, daß keiner dein andern über sei und sie
nun gemeinschaftlich ihre Kunst an Personen aus dem Publicum beioeije»
wollten.

Diesen Moment benuhte Pokus, überschüttete den ahnungslosen Hokus
förmlich mit seinen bezaubernden Blicken und drückte ihm die Hand dabei so
hypnotisirend, daß dieser, ohne zum Bewußtsein der Hinterlist zu kommen, in
Starrheit versank. Nun spritzte Pokus einige Tropfen Wasser a«f die Diele
und redete ihm ei», er befinde sich mitten auf dem atlantischen Ocean ohne
Schiff, in der Gefahr zu ertrinken. Hokus warf sich auf den Bode», machte
verzweifelte Schwimmbewegungen, spuckte Wasser und schrie um Hilfe. Ter
Sieger hielt ihm einen Strohhalm hin, den zener für eine wüste Insel hielt,
auf welche er sich rettete. Nun sah er ein Lama, Fußspuren von Wilden,
machte sich aus der Tischdecke einen Paletot, kurz sing an, Robinson Crusoe
zu spielen.

Darauf legte ihn der Sieger mit dem Kopse und den Hacke» ans zwei
Stühle und setzte sich auf seinen Leib. Er redete ihm vor, daß sie durch die
Welt reiste», und gab ihm den Nest seiner Kartosseln, die jener »ach den
Gegenden, welche sie durchstreiften, für Feigen, Bananen und Pninpelmnsen
mit sichtbarem Vergnügen hinunter würgte.

Als er schließlich einen Tannenzapsen als Kunstbullcr z>i kosten bekam,
lobte er den reinen Geschniack, tadelte aber die hinimelblau« Farbe und sprach

energisch gegen jede Färbung aus. Nach einigem Ueberlege» äußerte er,
denn doch gefärbt sein solle, dann müsse auch die Naturbnltcr, um
der Gerechtigkeit willen eine Farbe erhalten. Er schlug vor, die Regenbogen-
farben so zu vertheilc», daß für Kunstbutter von Blau bis ltttraviolet und
für Knhbntler von Gelb bis Purpur bestimmt würde.

Als er so verständig sprach, merkte Pokus, daß er am Erwachen war,
sprang ab, machte eine Verbeugung, nahm die Casse mit und verließ das
Städtchen.

Hokus kam zu sich, verneigte sich, zog sich unter dem frciielische» Jubel
der Anwesenden hinter die Coulissen zurück und erfuhr erst vom Cassirer,
wie vollständig er hypnotisirt war.
 
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