Kladderadatsch: Humoristisch-satirisches Wochenblatt — 40.1887

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'MochenKateiider.

Wonlag, den 7. Kcbrnar.

Heftiger und heftiger tobt der Wahl-
kampf. Sehr betrübende Zeichen von Ver-
wilderung machen sich hie und da be-
merkbar/

Dienstag, den 6. Februar.

Alle Bande der frommen Scheu lösen
sich. Blutsverwandtschaft und Verschwäge-
rung gilt nichts mehr. Hundertjährige
Freundschaften werden aufgekündigt.

Mittwoch, de» !>. Februar.

Ein „freisinniger" Junge nennt seinen
Vater, der für das Sepiennat ist, „Reptil"
und bekommt Haue. Die „Freisinnige"
ist empört darüber.

MochmKakmdee.

Aonuerstag, den 10. Februar.

Ein „freisinniger" Schüler verweigert
dem Klassenlehrer' den „Kadavergehorsam"
und muß nachbleiben. Die Partei erhebt
ihn zum Märtyrer.

Freitag, den 1l. Februar.

Eine freisinnige Jungfrau nennt ihren
Verlobten „Durchfallscandidat". Die Ver-
lobung geht umgehend zurück, mit ihr
»och sechs andere.

Sonnabend, den 12. Februar.

Ein Bruder wird von seiner Schwester
der „reine Eugen Richter" genannt.
Hiermit scheint die Wahlkampfhitze ihren
höchsten Grad erreicht zu haben.

Kladderadatsch.

Humoristisch - satirisches Mocheatit'alt.

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- 0W *e Börse ist die schreckhaftste Person
«E Sg- Auf dieser Welt; wenn sie am holze nagen

Ein Mäuschen hört, knickt sie zusammen schon.

bang' sie ist, das läßt sich gar nicht sagen I
Das Wörtchen Krieg vernehmend zittert sic

Wir aber sind so schreckhaft nicht, uns stört
In unsrer Ruhe nicht ein Zeitungsschrcier,
Der leicht der Börse banges Volk bethört.

Lias Auonajen aneg vcrnepmeno znieri ge
v_./ Wie Espenlaub. Gleich sieht man sie verzagen.

Gleich wird sie bleich, es schlottern ihr die Knie,
Au wilden Aengsten wird sie hingerissen
Oft durch ein Bildwerk nur der Phantasie.

Gin leer Gerücht, das seines Amts beflissen
Gin Zeitungsmann verbreitet, macht sie scheu;
Das kommt daher: sie hat kein gut Gewissen.

Zeus ist es leider völlig einerlei,

Was ihr geschieht und ob die Tourse fallen,
Gr hat vielleicht gar seinen Spaß dabei.

Ihr Dichter l Ruhig könnet ihr die Leier
Schon auf den Frühling stimmen, welcher bald
Erscheinen wird, der Erde ein Befreier.

Es schläft die Flur noch und es träumt der Wald,
Allein es ist ein Stündchen vorm Erwachen,

Nicht lang mehr, und der Amsel Ruf erschallt.

Wir lassen nicht so leicht uns bange machen
Wie die verschreckte Börse, welche schon
Im Traume hört die ersten Schüsse krachen.

Die Wolken, welche mit Gewitter dröhn,
Wie manches Mal zerstreuten sie sich wieder
Und schwanden hin, eh kurze Zeit entflohn.

Er lacht vielleicht in seinen goldnen Hallen,
Wenn er hinabblickt auf die Welt und hört
Der Börsenmänner Wehgeschrci erschallen.

Daruin, ihr Freunde, schlagt die Sorgen nieder!
Was soll der Krieg denn, welcher keinem frommt?
Auf, lacht mit Zeus und denkt an Frühlingslieder!

-fim

Denn Friede bleibt's, falls es nicht anders kommt.

kladderadatsch.

Nr. 7 und 8 erscheinen am 13. Februar.
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