Kladderadatsch: Humoristisch-satirisches Wochenblatt — 40.1887

Page: 540
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fürs Kleingewerbe.

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Gross. Darleline;

„Mit nnbeüinnicm Erfolge." töt!]. u.
krankh, Schwäche, ipec. olle, anigcb. Zölle, c
Trog. Staini>a,n,>. Berlin. Alcranbcrnr.

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I »erlin, Lcipzigerstr. 91, heilt alle Arten von Unterleib»,, geheimen und Hauttraukhrllc
^ sowie echwächczuftändcu, ieibfi in den bartnäckigst. Zallen arllndi. u. schnell. «n»w. brie

Berlin. K. M.: Freunden des Briesmarken-
sporlS wird die Mllthcilung willkvinincn sein, das;
von, Januar >888 ab eine neue Zeitschrift unter
dem Titel „Jllnstrirte Briefmarken-Zeitung" im
Berlage van Ernst Heitmann in Leipzig er-
scheinen wird.

Borna. Alter Abonnent: Nicht sehr glück-
lich abgesagt ist die im „Tageblatt für Borna,
Lausigk, Grithain, Frohbnrg, Negis, Rötha, Kohren
und Umgegend" (Nr. 276) veröffentlichte poetische
Einladung des Herrn T. znin großen Schweine-
schlachte» und Wurstessen. Sie beginnt mit den
Versen:

Dnim lad' ich meine Frr.„

3» diesem Schlachtfest ein."

Ein Schtvem auszuessen, das nach langent und
schwerem Leiden gestorben ist, dazu gehört viel Mulh.

Brannschiveig. Minna: Die Damen spielen
jetzt eine große Rolle in unserer Literatur. Sie
schreiben die meisten Gedichte und verfassen säst
alle Romane und Novellen. So mag denn auch
etwas Wahres an dem Gerücht sein, daß eine
alte Dame die Lcilarlikel der „Kreuzzeiiung" schreibt.
Diejenigen der „Vossischcn Zeitung" braucht man
niir auf den Siil anzuschen, um sofort die weib-
liche Feder zu erkennen.

Buiizln». A.: Das klingt hübsch, aber ein
anonymes „Eingesandt" gewährt keine Bürgschaft
für die Wahrheit seines Inhaltes.

Crcfcld. H.: Im „General-Anzeiger für
Creseld und Umgegend" (Nr. 297) veröffentlicht
Wilhelm Peschkes: „Für die gute und sorg-
same Behandlung meiner lieben Frau bei ihrer
Niederknnst (Geburt des Hunderllausendsten) sehe
ich mich veranlaßt, der Frau Bei sch old, Hcbeamme,
öffentlich meinen Dank auszufprechen." — Ein
solcher Kindersegen ist wohl »och nie vorher da-
gewesen.

Dresden. H. D.: Hochpoelisch bcginnl der
„Finanzielle Wochenbericht" des „Leipziger Tage-
blalts" (Nr 35,4): „Hui! Wie der Slnrm saust
und alles, ivas sich ihm entgegenstcllt, nicderwehen
zil wollen scheint. — — Hoch über dem Graus
des Wogengetüininels, des verderbenbringenden
Kampfes der Elemente sitzt der Wärter des Lencht-
thurms. Weithin strahlen feine ivegweiscnden
Lichter." — Der Leuchlthürmer ist natürlich der
Börscnberichlcrstatter selbst, der seinen Beruf ver-
fehlt bat. Er ist zum Dichter geboren.

Türen. P. S.: Die „Dürener Bolkszeilung"
(Nr. 99) schreibt: „Das Jahr 1888 ist ein Schali-
jalir: cs rainnit in diesem Jahre der seltene Fall
vor, daß cs nicht nur 5,3 Sonnlage, soiidern auch
5,3 Monate bringt." — Demnach haben wir em
sehr langes Jahr zu erwarten.

Essen. :>>.: Tie „Straßburger Volkszeitung"
beschäftigt sich schon durch drei Nummern mit der
„Befühlung des Pulses. Eikniidiing des „Wie"
im Athmungsgeschäste und llniersuchnng der
Lebenslust auf ihren Ersprießlichkeitsgrao bezüglich
ihrer Zusamniengesetzlheil an und iit dem Knllur-
staats-Körper des 19. Jahrhunderis." Wie flach
erscheinen diescii, Tieisi»» gegenüber die AnS-
sühningen des Abg. Gehlert!

kür Nervenleiden!


Glogaii. £. X.: Wir heben es zur Be-
nutzung arif.

Görlit;. §.: In dem durch die Slaats-
anwallschafl in den „Görlitzer Nachrichten" ver-
össentlichlen Signalement einer bei Siebcnhufen
anfgesiindenen Leiche heißt es u. a.: „Sprache:
deutsch." — Wenn die Leiche schon einmal sprach,
so konnte sic wohl auch selbst Uber sich Ans-
kiinft geben.

Greifswald. R.: G. Thiele, Markstr. 4,
einpfiehlt „zur Weihnachts-Saison sei» reich sor-
iirles Lager von Brillen, Pincencz, Lorgnclleii,
Operngläsern, Thermvineter», Barometern, allen
Arte» Bandagen, Binden, Spritzen, Glasinstrn-
menten und Apparaten in solider und großer
Auswahl." Gibt es einen reizenderen Schmuck
für den Weihnachtstisch, als ein elegantes Bruch-
band oder eine zierliche Magenpumpe'?

Hannover. C. C.: Die Geschichte „Eine
sonderbare Person" von A. v. GerSdorss in der
„Täglichen Rundschau" (Nr. 295) beginnt mit den
Worten: „Draußen lag ein goldklarer, himmel-
blauer, schneeweißer Wunertag." — Das sängt
bunt an. — Karlchen: Sie sangen Ihren Brief
an mit de» Worten: „Indem ich kein Dichter bin
und auch keiner werden ivill." Diese Worte hat
Ihnen ein guter Genius eingcgcben, die lropdem
daraus solgende» Gedichte aber ein etlicher.

Höxter. Alter Abonnent: Durch Inserat
in den „Fliegenden Blättern" verheißen
Laurzenl u. Ev. in Zürich, die Erfinder des
„Pater V ii us'schen Alpe» - Kräuter - CrKnies",
5,09 Fr. Beloliiinng dcmfeiugen. welcher „Ge-
brauchsanweisung befolgt ohne Erfolg oder schädlich
ist." — Man sollte es doch nicht den schädlichen
i Mensche» so leicht machen, sich Geld zu verdienen.

Karlsruhe. A. K.: „Sähe ein Berliner oder
| Wiener Parlamentsberichterstatler die Jouriialisten-
j lribüne der badischeit ersten .Kammer an, er würde
! sich auf den Kops stellen." So zu lesen in der
| „Badischen Landeszeiiung" (Nr. 279). Grund
| genug für Berliner oder Wiener ParlamenIS-
berichterstalter, zumal wenn sic corpulcnt und nicht
! mehr ganz jung sind, sich die Journalistenlribüne
l der badischen ersten Kammer nicht anzusehen!

> Königsberg i. Pr. !li.: Im „Allensteiner
1 Tageblatt" (Nr. 178) schreibt jemand an den Er-
| sinder der „weltberühmten American cousjliing
j eure": „Ich bitte Sie, mir noch eine Flasche zu

. senden und glaube ich mit Bestimmtheit mein
Lebe» damit zu beseitigen". — Eine nette

> Empsehlung für ei» Hustenheilmillel. Wird aber

> ivohl stimmen.

' Kiel. St.: In der „Politischen Uebersichl"

der „Nord-Ostjee-Zeitiing" (Nr. 142) heißt es:
j „Am Dienstag wird die zweite Aesung der Ge-
^ Ireidczollvurlage im Plenum des Reichstages aus
die Tagesordnung gesetzt werden." — Versager
| des Artikels scheint ein Waidmann zu sei».

Lüiicbiirg. M. L.: In der „Jeetzel-Zeitung"
(Nr. 149) empfiehlt Dnwer seine Schuhe und
Stiesel und fügt hinzu: „Nicht passende werden
ans Wunsch nach Maaß angeferligt." — Denkt
er wirklich, daß jemand sich nicht passende Schuhe
oder Stiesel ivünschen kann?

München. H.: Dem verstorbenen Hosrath
Joseph Ritter von Schels singt Franz Bonn
im „Bayerischen Kurier" (Nr. 345) nach:

.Wclschlcn, bi» zun, licfstc» Grunde
War fein Herz."

Potsdam. R.: In der bekannte» hübschen Aus-
stattung ist im Hosverlag von R. von Griimbkvw
in Dresden soeben der „Genealogische Alinanach"
der regierenden Fürstenhäuser Europas für das
Jahr 1888 erschienen. Ferdinand ist dri» und
somit die bulgarische Frage erledigt. — R.: Aus
dem Verlag von Neinhold Weither erhielten
wir: „Wilde Rosen", Vorträge und lyrische Ge-
dichte von Wilhelm Hüttmann." Wir geben
dem Verfasser den dringenden Rath, das Dichten
zu lassen.

Riga. H. in P.: Wir machen nieinand aus
seiner Frömmigkeit einen Vorwurf, das Verball-
bornisiren guter deutscher Gedichte ist aber nicht
fromm, svnvern gottlos. — M. B.: Es heißt:
„Ich bcflehe auf uieinem Rechte."

St. PctcrSburg. B.: lieber das Berhältniß
von dem Gehalt eines Bcainten z» der Achtung,
welche er genießt, drückt sich in seinem gelehrten
Werke „Psychologie, llntcrsuchung besonderer Er-
scheinungen des Seelenlebens" der gegenlväriige
Rector der Petersburger Universität, Professor
Wladislew, ebenso reizend wie russisch aus.
Die prägnanteste Stelle lautet in deutscher Ueber-
setzung: „In der Gage, welche jedem Range be-
stimmt ist, spricht der Staat ans, welches Maß
von Respect in ökonomischer Hinsicht der Unter-
gebenen vor dem Höhergestellte» sühle» müsse.
Bei einer Vergleichung der Lage des Ministers
z. B. der Vollsausklärung mit allen andern Be-
amte» des Minislerinms scheu mir, daß er durch
die Höhe seiner Gage 2mal höher als sein
Gehilfe und säst 3'/? mal höher als der Deparlc-
meuisdireclor steht. Schon nach der ökonomischen
Lage zu urlhcilcn, muß letzterer vor dem Minister
Achtung, welche an Bewunderung grenzt, hegen.
Der Departemenldireclor ist hinsichtlich des Vice-
direciorS so gestellt, daß er */. mal höher als
dieser steht: den Geschäslssührer 5. Classe über-
ragt er 2 >/, mal. Im Vergleich mit dem jüngeren
Geschäslssührer steht der Direktor 7 mal höher,
folglich muß ihm jener daS Gefühl der Bewunde-
rung mit hohen Graden der Achtung entgcgen-
briiigen und umgekehrl der Direclor auf ihn wie
auf eine» kleinen Menschen blicken." — O du
heiliges Rußland!

Wann. R. II. B.: Wir könne» Ihnen nicht
Helsen. Tie Fahrpläne mecklenburgischer Bahnen
gehöre» »nn einmal zu den unbegreiflichsten Dinge».
Fährt denn nicht mehr eine Postkulsche, die sie
benntzen köiuile», von ihrem Ort nach Schwerin
oder Rostock?

WilhelNiShafc». L. A.: Die „Aboiinemenls-
Einladung" des „Wilhelmshavcner Tageblattes"
(Nr. 297) enthält folgenden etwas dunkel klingenden
Satz: „Das Wilhcimsh. Tageblatt erscheint vom
l. Januar ab ohne Preisausschlag in vergrößertem
Forniate, wodurch es in den Siand gesetzt wird,
mehr 'Lesestoff bieten und das Blatt besser redigiren
zu können." — Welches Blatt?

Verantiv. Redacleur: I. Trojan üi Berlin. — Verlag von A. Hofmann & Co. in Berlin, Kronenstr. 20. — Druck v

Briefkasten. ^2<5>
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