Kladderadatsch: Humoristisch-satirisches Wochenblatt — 40.1887

Page: 494
DOI issue: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kla1887/0494
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Wcrs schenke ich wem?

Vorfestliche Aathschläge.

Weihnachten naht, und es ist die höchste Zeit, darüber nachzudenken, was
'»an diesem und jenem, dem man geschenkpslichtig ist, unter den Weihnachts-
baum stellen soll. Auch die Post wünscht, das, man sich bald entscheidet und
alsdann bald abschickt. Für jrische Fleischwaare», die erst am Weihnachts-
abend gegessen werden sollen, ist es aber jetzt noch zu früh.

Mit Geldgeschenken sei man vorsichtig, sie werden nicht immer gut aus-
genommen.

Ein Student z. B. fühlt sich häufig durch ein Geschenk in baarem
Geldc gekränkt, Bücher oder eine Sammlung von getrockneten Pfianzen oder
Gipsbüsten großer Gelehrten sind ihm i» der Regel lieber. In Rußland,
ivo man überhaupt über viele Vorurtheile erhaben ist, nimmt niemand an
einen, Geldgeschenk Anstöß. Selbst Vorgesetzte erwarten ein solches zu Weih-
nachten von ihren Untergebenen, ja sie rechnen sogar daraus.

Schwer ist zu sagen, was man einem Eremiten schenken soll, da bekannt-
lich ein Eremit oder Klausner im höchsten Grade bedürfiiißlos ist. Vielleicht
aber ist der Schädel, mit dem er spielt, schon etwas abgenutzt und kann durch
einen neuen ersetzt werden. Oder man läßt ihm seine» Kirchenvater neu
binden oder die Klause srisch tapezieren. Das Billigste ist schon, ihn waschen
zu lassen, aber das mag er nicht. In der libyschen Wüste, gleich rechts am
Eingänge, sitzt ein Klausner, der auch Bier annimmt.

Afrikanische Könige geben sehr wenig auf Gummibäume, Palmen oder
andere Blattpflanzen. Rum in größeren Gebinden ist ihnen lieber.

Nicht jede alte Tante ist hoch erfreut über einen Beilchentopf. Manche
ziehen Likör vor.

Der Papst erhält Weihnachtsgeschenke der verschiedensten Art, nicht leicht
aber eine Spickgans, da die Gegenden, in welchen dieser Delicateßvogel

gedeiht, fast ohne Ausnahme von Ketzern bewohnt tverden. Darin liegt

Manche Söhne glauben, ihre Väter oder Erbonkel besonders reich zu
beschenken, ivenn sie denselben einen selbst geschriebenen Band Gedichte dediciren.
Das läuft manchmal gut ab, aber nicht immer. Ein junger Dichter, der es so
gemacht hatte, begegnete uns einen Tag daraus mit verbundenem Kopf. Ihm
toar etwas dagegen geflogen, klagte er.

Einen Millionär zu beschenken, ist fast eben so schwer, wie einen
Eremiten. Ztvar ist er nicht bedürfiiißlos, aber er hat alles, was er sich
wünschen kann. Ist man im Besitz künstlerischer Anlagen, so Hilst man sich
dadurch, daß man ihm etwas malt, haut oder pfeift. Ist man Nichtkünstler,
so bleibt einem nur Eines übrig: man schenkt ihm sein Vertrauen, pumpt
ihn an und erklärt ihn für einen Ehrengreis.

Nicht jedem macht man eine Freude durch Schenkung eines lebenden
Thieres, und nicht jedes Thier ist für jeden geeignet. Wer z. B. eine Keller-
wohnung hat, kann eine Giraffe nicht gut lassen. In diesem Falle paßt ein
niedriges Thier besser, z. B. eine Seezunge oder eine Flunder.

Ehe man einer Respectsperson einen sprechenden Kakadu schenkt, ver-
sichere man sich, daß derselbe sich keine respectwidrigen Redensarten angewöhnt
hat. Wir hören von einem Fall, in dem ein Herr, welcher wegen seines
großen Vermögens und seiner einflußreichen Stellung als ungemein ver-
ehrungswürdig galt, zu Weihnachten einen Kakadu bekam. Das erste Wort,
das der Vogel zu seinem neuen Besitzer sagte, lautete: „Schaute!" Unrecht
hatte das arme Thier nicht, aber es war doch inopportun und bekam ihm
schlecht. An demselben Abend noch wurde es ausgenommen.

(Fortsetzung folgt.)

Freisinnige ZUeielieit.

Die „Breslauer Zeitung" jammert laut darüber, daß jeder Arbeiter
jährlich 12 Mark ersparen soll, die ihm nicht früher zurückgezahll werden, als
bis er arbeitsunfähig geivorden ist. „Wer vierzig Jahr alt ist," sagt daS
Blatt, „und 500 Mark erspart hat, kann unter Umständen schwer darunter
leiden, daß diese 500 Mark ihm nicht zugänglich gemacht werden dürfen, bis
er elend geworden ist."

Und doch ist das Loos derjenigen, die schließlich arbeitsunfähig werden,
noch erträglich, denn sie erhalten doch wenigstens ihre Einlagen zurück. Aber
wie steht es mit denen, die in der Blüthe ihrer Jahre sterben und so niemals
zu einer Jnvalidenversorgung gelangen? Müssen sie sich nicht vor Aerger
im Grabe umdrehen, wenn sie bedenken, was sie alles für die 12 Mark
jährlich hätten haben können? Sind sie nicht durch den Staat um einen
Theil ihres Eigenthums betrogen?

Ganz ähnlich liegt die Sache mit der Unfallversicherung. Mancher ver-
unglückt, indem er vom Gerüst fällt oder in eine Maschine geräth; er braucht
nun nicht mehr zu arbeiten und kann von seiner Rente behaglich leben. Die
Hundertlausende aber, die nicht verunglücken und .von Jahr zu Jahr im
Schweiße ihre? Angesichts »weiter schaffen und wirken müssen, sie sollen nichts
erhalten? O über diese Ungerechtigkeit!

Es hilft nichts, die Jnvalidenversorgung muß abgelehnt und die Unfall-
versicherung muß schleunigst rückgängig gemacht werden!

Von der SülJefJotfer ftoffiRunftausflellung.

Unter dem vielen Interessanten, das die Düsseldorfer Kochkunstausstellung
uns bietet, ragt vor allem hervor:

päpstliche rubiläumstorle. Ein wundervolles in drei Etagen auf-
gebautes Backiverk mit kunstvoller plastischer Verzierung. Letztere ivird ge-
bildet durch die 414 Carolinen, die aus reinem Zucker hergestellt sind. Ganz
oben aus der Spitze die Perle von Meppen ('/& natürlicher Größe) in Kandis.

irische Kartoffelpuffer. Sind mit Dynamit gestillt und müssen heiß
gegessen iverden.

Aörfcngerüchlsplältchen. Ein leichtes Schaumgebäck, welches aus der
Zunge zerfließt, soivie man es in den Mund bringt. Wirken zugleich haar-
sträubend und aus Kahlköpfen Gänsehaut erzeugend.

Sranzöstlche Ivildpastctchen i» la Timoustn. Nur für Liebhaber von
außerordentlich starkem Hautgout.

Der Tugenilpreir.

Die Tugend ist sich selbst genug,

Sie braucht nicht Ehre noch Geld,

So meint der Weise, doch praktischer
Denkt man in Elberfeld.

Dort sucht man den tugendhaftesten Mann
In jedem dritten Jahr;

Ist er gesunden, zahlt man ihm
Zwölfhundert Mark in Baar.

Wer ist es, der in diesem Jahr
Den herrlichen Preis gewann?

Vernehmt es: Robert Böker heißt
Der auserwählte Mann.

Gekrönt steht vor der Welt er da,
Beschämt und stolz zugleich;

Aus Fittichen des Ruhmes fliegt
Sein Name durch das Reich.

Lebt sonst wo zwischen Fels und Meer
Ein solcher Tugendheld?

Heil, tugendhafter Robert, dir!

Heil dir, o Elberfeld!

Ein seltener llnglnchrfall.

Der vr. X. beschäftigt sich eifrig mit der Spaltpilzzucht. Vor kurzem
hatte er in seinem Arbeitszimmer 21 Schüsseln mit Nährgelatine ausgestellt,
auf ivelcher er ebenso viele verschiedene Arten von Bacillen züchtete. Als er
eines schönen Tages nach Hause kam, fand er jämmtliche Schüsseln leer und
rein ausgeleckt. Anfangs dachte er, es wären Katzen gewesen, da siel plötzlich
sein Verdacht auf das Dienstmädchen. Nach längerem Leugnen gestand die
Unglückliche, daß sie die Verzehrerin der Nährgelatine nebst Bacillen sei. Ein-
undzwanzig verschiedene Krankheiten müssen jetzt bei ihr zum Ausbruch kommen,
wenn sie nicht stech genug ist, der Wissenschaft ein Schnippchen zu schlagen.
Sie wird scharf beobachtet. Augenblicklich ist sie noch kerngesund.

Jlirgefers

.2 im einiger Zeit in
siwictjug über die '
~M Salonwagen geh
Unedel i» die Zeitungen,
Zügen gefaht
~ » drei Salonwagen gcj
•=jü dich da jeder bedenkst
- -tnn, wo is der eck

st es ja rin t

■~ jehöiig besinnen, eh
1 =doch den falsch«
;ik%?

j -: sSwabcgen, is er fd

tn behaupten, l

^S'saati janz falsch j

«m’ni

«itmfoio:

siS.'1 '“ww* «

«SS***-

E'tlt und deshalb i
loading ...