Kladderadatsch: Humoristisch-satirisches Wochenblatt — 56.1903

Page: 476
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Ofc* /^r\nfirmrfHr\rfcn/rllfl empfehlen wir das vor kureem erlchlenene
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Friedrich der Srohe

! Ein Bild [eines Lebens und [einer Zeit von Dr. Berman von Petersdorff, Kgl. Archivar.

j £in Prachtwerk, 36 Bogen Hark, mit 277 aus der friedericianilchen Zeit stammenden,

darunter lehr seltenen Bildern, 27 kaclimilirten Schriftstücken, Beilagen und Plänen.

preis in künstlerischem Einbande: 16 Mark.

Ueber dieses Werk schreibt Dr. Lory
in der „Deutschen Zeitung":

Ein Prachtband in Gross-Octav, mehr
als ein halbes Tausend Seilen; aufs
Reichhaltigste und Vielseitigste illustrirt,
auch sonst glänzend ausgestattet: so tritt
uns das Buch auch äusserlich schon in
durchaus würdigem Gewand entgegen.

Derlnhalt entsprichtden Erwartungen,
die das Aeussere erweckt. Vor Allem
charakteristisch für die Arbeitsweise des
Verfassers erscheint es mir, dass er in
ausgiebigster Weise seine Quellen und
Beläge zu Wort kommen lässt. Zahllos
sind die eingestreuten Zitate, vor Allem
natürlich dem schriftlichen Nachlass des
grossenHeldenkönigs selbst entnommen.
Aufs Glücklichste scheint mir dadurch
der Zweck des Buches erreicht: den
weiteren Kreisen ein unmittelbares,
lebensfrisches Bild der gesammten Zeit
überhaupt zu geben. Natürlich wird
dadurch in erster Linie Friedrichs Gestalt
beleuchtet. Was er sprach und schrieb,
ist die schlichteste, wahrste und darum
ergreifendste Lobrede auf seine Grösse.

Und gerade das lässt das schöne
Buch geeignet erscheinen, ein Volks-
buch im vornehmen Sinne des Wortes
zu werden: es vermeidet alle Auf-
dringlichkeit. Um so nachhaltiger dürfte
der Eindruck der Lektüre des Buches
sein. Mit der gleichen Hingebung
werden Friedrichs kriegerische und
Friedrichs innerpolitischeThaten erzählt;
wir erfahren von seiner Familie soviel
wie von seinen Freunden, von seiner
schriftstellerischen Thätigkeit soviel-wie
von seinen Kunstsammlungen. So ist
der literarische und künstlerische Werth
des Buches gross genug, das neue Werk
dringend empfehlenswert erscheinen zu
lassen. Aber der Stoff? Kann es für uns
eine Zeit geben, die für uns lehrreicher,
als die Periode des grossen Friedrich?
Allen Kreisen unseres Volksthums wäre es gut, wenn sie beim alten Fritz lernen wollten, wie man die Gunst des
Augenblicks ausnützen, durch Thalkraft auch das Schlimmste überwinden, über dem Wichtigeren das Unwesentliche
vergessen soll; ich glaube, ein ehrlicher und vernünftiger Deutscher wird das Buch nicht aus der Hand legen können,
ohne sich gegenüber den Manen des grossen Todten für unsere Zeit bitterlich zu schämen.

Zu beziehen durch alle
Buchhandlungen ....

Verlag von H. Hofmann L Comp, in Berlin S.W. 12.
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