Kladderadatsch: Humoristisch-satirisches Wochenblatt — 56.1903

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Batet 7000 Photographien verkauft. So viel
wir wissen ist eS nicht wahr, daß König
Ludwig II.. von Bagern Photographien
verkaufte, ebensowenig soll sei» Vater
Maximilian II. dies gcthan haben. Beide
hatten c-Z nicht nöthig. - P.: Im Briefkasten
der „Blätter für Volksgesnndhcitsvflege"
<21. Heft) erhält ein Anfragender in Iserlohn
folgende Antwort: „Solange Sie täglich in
genügender Menge Milch, Butter und weiße»
Käse genießen, wird Ihre sonst vegetarische Er-
nährung durchaus genügen, Sie bei Kräften zu
erhalten, und Sic haben keineswegs eine Unter-
ernährung zu befürchten. Diese Furcht trifft
um so weniger zu, als Sie auch wohl Eier und
andere Käscartcn nicht von Ihren Mahlzeiten
ansschließcn werden." Dieser lebte Satz enthält
einen Jrrthnm. DaS Ei gehört nicht zu de»
Käscartcn, sondern wird von, Hnhn gelegt.

Neunkirchen. M. S.: In der „Sicgener
Zeitung" vom 18. Nov. ist angezeigt zu finden:
„Kölner Skadttheater. Spielplan. Neues
Theater, Freitag: C h ri st ia n un d Js o ld e." Gibt
es nicht eine Oper von Richard Wagner, die
so ähnlich heißt, aber nicht ganz so?

Nürnberg. W. N.: Im „Unterhaltungsblatt
des Fränkischen Kuriers (Nr. 92) ist zu lesen:

Ä Berlage von Carl Schnnemann, Bremen,
leben ei» interessantes Büchlein erschienen:
„Die Frau in der modernen Literatur." Plau-
dereien von I. Wiegand. Der Verfasser entwickelt
darin die geistige Bewegung der Frau, soweit
sie ihren Nicrenschlag in der „euere,, Literatur
gefunden hat." Mit Recht nehmen Sie an
„Nierenschlag" Anstoß. Nieren und Herz werden
von den Dichtern ja häufig zusammen genannt,
aber nur das Herz schlägt, während den Nieren
andere wichtige Fnnctione» obliegen.

Oberkassel. C. M.: Die „Rheinisch-Westfä-
lische Zeitung" (Nr. 97S) enthält folgendes Tele-
gramm : „B er lin, 17. Nov. Wie die „Germania"
miltheilt, gilt der Wahlkreis Bcnthcn-Katto-
witz für das Centrum noch nicht verloren, da
ein Thcil des Gcgcncandidatc» doch für das
Centrum stimme» werde." Das klingt allerdings
wunderlich. Am Ende haben Sie mit Ihrer
Vermuthung in Betreff des Theiles, der gemeint
>st, ins Schwarze getroffen.

Oberndorf. O.: Von den, bekannten Schinder-
hannes wird im „Unterhaltungsblatt des
Schwarzwälder Boten" <Nr. 315) ». a. erzählt:
„Sein Proceß dauerte vom Juni 1802 bis No-

vember 1903." Welch ein Glück für den armen
Schinderhannes, daß er das Ende seines
Proccsses, das doch wohl seine Hinrichtung
herbeigeführt haben würde, nicht mehr erlebt hat.

Peterhausen. L.: Der „Schlierach - Bote"
(Nr. 139) schreibt: „China zählt gegenwär-
tig 119 Millionen Einwohner, also erheb-
lich weniger, als bisher angenommen, aber doch
über fünfmal so viel als das Deutsche Reich."
Wenn der „Schlicrach-Bote" in beiden Ländern
noch einmal genau nachzählt, so Ivird c,
ganz anderen Zahlen kommen.

Pilsen. W: Das „Pilsner Tagblatt"(Nr. 313)
berichtet aus Brünn: „Heute vormittags fand
die feierliche Beerdigung de§ Bürgermeisters
l)r. Ritter von Wiesec statt. Statthalter Graf
Zieroli» beglückwünschte den Bürger,neister zur
kaijcrl. Bestätigung der »»»mehr zum vicrtcnmal
erfolgten Wahl u. s. w." Da hat man also z»m
Glück de» wohl irrthümlicher Weise beerdigten
Bürgermeister noch eben zur rechten Zeit wieder

Plauen. G.: Im „Vogtläudischen Anzeiger
»nd Tageblatt" (Nr. 271) liest man: „Saub.
Schulmädchen zum Versorgen eines Rindes
sofort gesucht. FrauFriedrich, Lessingktr. 19,3."
Möge das saubere Mädchen sich auch im Stalle
seine Sauberkeit bewahren,

Potsdam. Folgende Neuheiten find uns
zugcgangcn: „Kinderlieder und Geschichten
von Heinrich Seidel. Mit Buchschmuck von
Carl Röhling." Stuttgart, Berlin und Leip-
zig. Union, Deutjche'Verlagsanstalt. —
„vur Joe. 50 Original Drawings by Harry
Furniss. London, William Heinemann." Die-
ses Werk ist dem großen Joe Chamberlain
gewidmet, dessen farbig ausgeführtes Bildnitz
auch das Titelblatt ziert. Auf diesem Bildniß

da-; Wort „Power" angebracht ist, wie cs denn
ja Blumen mit Inschriften (s. Hyacinthe) schon
im Altcrthnn, gegeben hat. „Power“ ist natür-
lich nicht das englische Substantiv, sondern das
in dieser Form in die deutsche Volkssprache über.

so^z!"v^rhöchwn ^ Lands-

leuten, außerdem paßt „Power" nicht ganz auf
ihn, wenigstens nicht in der eigentlich Bedeutung

„Vor ansvcrkauftem Hause su»o gestern abend '
im Rathskellersaale die Aufführung von „Alt
Heidelberg" statt. Alle diejenigen, welche vorige
Woche zum „Veilchenfressen" erschienen waren,
hatte» sich auch gestern Abend wieder einge-
funden." Demnach scheint ihnen der Fraß gut
bekommen zu sein.

Sonnenberg. Frh. Z.: Mit Dank ange-
nommen.

Stockheim. H.: Der „Frankfurter General-
Anzeiger" (Nr. 268) berichtet: „In Kreuznach
veranstaltet der im Frühjahr gegründete
Geflügelznchtvcrein am Sonntag in Heynis
Saalban eine Gefliigelausstellung, zu der
bereits 550 Stück Geflügel, Tauben, Kanarien-
vögel und Kaninchen angemeldet sind." Wissen
Sie denn nicht, daß Kaninchen von alle» Ver-
einen solcher Art zum Geflügel gerechnet
werde» ?

Wiesbaden. M.: In Max von Weißen-
I h u r n s Roman „G e h e i m e S ch u l d" (s. u. „Feier-
stunden, Tägliche Unterhaltungsbeilage des
Wiesbadener General-AnzeigerS", Nr. 27) heißt
es: „Ilm ihre Lippen zuckte es. sie brach den
Satz ab auch Stellas mendru rendri den gid der
gleichen derminerren dendrdendd umwölkte sich."
Auf deutlichere Weise, als es hier mit den Mitteln
der modernen Poesie geschieht, läßt sich nicht
schildern, wie Beatrix — so heißt sie — mit
zuckenden Lippen den Satz abbricht. Lesen Sie
sich den Satz laut vor, und Sie werden so er-
schüttert sein, wie vermuthlich Stella es war.

— W. H.: Mit Dank abgelehnt.

Worms. O.: Der „Wormser Zeitung"

(Nr. 270) wird aus Bensheim geschrieben: „Bei
dem Rathhausnmbau siel heute von beträcht-
licher Höhe ein Beil dem Tüncher Ph. Ritz auf
den Kopf. Bewußtlos nach Hause gebracht, reichte
Dr. Wiegand die erste ärztliche Hilfe." In dem-
selben tadellosen Reporterstil schreibt die in Gif-
horn erscheinende „Aller-Zeitung" (Nr. 136) in
dem Bericht über einen Brand: „Begünstigt durch
einen heftigen Wind, stand alsbald das ganze
HauS in Flammen."

Zürich. E.: Wir können Ihnen nicht dienen,
da derartiges Material nach der Benutzung ver-


n dxS Kladderadatsch

W

«

Der Weihnachts-Anzeiger

: in folgenden Nummern erscheinen:

:mber 1903 — Schluss

!. Dezember 1903

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und Musikalienhandcl angelegentlichst zur Benutzung; bei der überaus grossen Verbreitung und der grossen Beliebtheit des
Kladderadatsch in gebildeten und kauffähigen Kreisen ist gerade in den Wochen vor Weihnachten, in denen das kaufende Publikum
für Winke betreffs der Wahl von Feslgeschenken besonders dankbar ist, allen
Anzeigen höchste Wirksamkeit sicher. Die Inseratenseitcn bilden einen integrierenden
diesem Teil des Blattes selbst und finden deshalb unbedingte Beachtung; Anfragen und

Aufträge erbitten wir durch die Annoncen-Expedition Rudolf Mosse.
Der Insertionspreis beträgt Mk. I,— pro Zeile.

Extra - (fleihnachtsnummer

gewöhnlicher , Ausstattung herausgegeben wird.
Diese Nummer wird einen farbigen Umschlag
erhallen, dessen 2., 3. und 4. Seile für ganz-
seitige Inserate freigehalten werden,

BERLIN SW. 12.

Die Expedition des Kladderadatsch
A. Hofmann & Comp.
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