Koepplin, Dieter
Cranachs Ehebildnis des Johannes Cuspinian von 1502: seine christlich-humanistische Bedeutung — 1973

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III. DER MALER : NACHRICHTEN UEBER CRANACHS

WIENER TAETIGKEIT UND UEBER SEINE HERKUNFT.

Die Werke Cranachs, die nachweislich in Wien entstanden sind,
tragen, soweit datiert, die Jahreszahlen 15o2 und 15o3: der Ste-
phanus-Holzschnitt mit dem Datum 15o2, den der Wiener Buchdrucker
Winterburger in einem Messbuch von 15o3 verwendet hat, sowie die
Bildnisse "Reuss" mit Frau und Tedenhamer (Tettenhamer) von 15o3
(72). Das Ehebildnis des Wiener Universitätsdozenten Cuspinian
muss zur Zeit seiner Vermählung Ende 15o2 oder anfangs 15o3 gemalt
worden sein. Frühere Werke von Cranach aus vorwienerischer Zeit
sind bis heute nicht aufgetaucht oder nicht erkannt worden (73).

(72) Das 15o3 datierte Ehebildnis stellt nicht Stephan Reuss und
seine Gattin dar (s. Anhang), dürfte aber doch eine Wiener
Provenienz haben. - Die Inschrift auf dem neuerdings bekannt
gewordenen und vom Wiener Museum erworbenen, von Friedländer
Cranach zugeschriebenen, von mir als Kopie nach Cranach (15o3)
betrachteten Bildnis des Hieronymus Tedenhamer, "Im jar 15o3
ist zu wienn abkunnderfecht worden Jeronimus Tedenhamer", ist
samt dem Wappen etwas jünger als 15o3, also spSter hinzugesetzt.
Der Name Tedenhamer kommt in den Wiener Dokumenten nicht vor,
übrigens auch nicht im Celtis-Briefwechsel (Rupprich 1934).
Die Inschrift deutet darauf hin, dass der Porträtierte nur
während einer gewissen Zeit in Wien geweilt hat und sich bei
dieser Gelegenheit porträtieren liess. Der Porträtierte ist,
was bisher nicht bemerkt wurde, nach Ausweis des Einhornwap-
pens, offenbar identisch mit dem 1543 verstorbenen "Hieronimus
Tettenhamer, gewessen Firstlicher Ratt Zu Ingelstatt", der
sich und seiner Frau Barbara Heberkoffer durch Loy Hering
wohl vor seinem Tod ein reiches Epitaph ausführen liess für
die Minoritenkirche (Franziskanerkirche) in Ingolstadt. Die
Porträtzüge auf dem Epitaph vertragen sich gut mit denjenigen
. des Bildnisses von 15o3. Bedeutet das Treuhandemblem auf der
Brust Verlobung-Verheiratung? Zum Epitaph: Felix Mader, Loy
Hering, München 19o5, 96 und Abb. S. lo9; Hugo Kögerl, Die
Epitaphien der Garnisonskirche (ehemals Minoritenkirche) in
Ingolstadt, Ingolstadt 19o7, 54-56 (auch hier nichts zur Bio-
graphie des H.T.); Peter Reindl, Studien zu Loy Hering, Diss.
Nürnberg (masch'sehr.) 1971, Anm. 38o (typologische Einord-
nung); zur Geschichte des Typus vgl. auch P. Reindl, in: Nie-
derdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte X, 1971 und D. Koepp-
lin, in: Du, XXXIII, Zürich 1973, Juni-Heft, 456 f. (frdl.
Auskkünfte verdanke ich Dr. P. Reindl und Archivdir. Dr. Hoff-
mann, Ingolstadt). Zum Bildnis 15o3: E. Schaffran, in: Die
Kunst und das schöne Heim LV, 1957, 2o6 mit Abb. 2o5; Kat.

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