Koepplin, Dieter
Cranachs Ehebildnis des Johannes Cuspinian von 1502: seine christlich-humanistische Bedeutung — 1973

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mit astrologischen Vorstellungen um Saturn und saturnische
Melancholie mit Bestimmtheit weder beweisen, noch kann sie ein-
fach bestritten werden (785 a). Wir mussten uns damit begnügen,
die Eule als Gegenfigur zum Stern, dessen christliche Symbol-
kraft uns wahrscheinlich erscheint, zu sehen und den möglichen
Deutungsbereich {z.B. die positive Einschätzung des angeblich
Negativen, Dämonischen usw. durch die Humanisten) so abzutasten,
dass wir die Gedankenwelt Cuspinians besser kennen lernten und
wenigstens nicht verliessen (786). Der kosmographische Erkennte
nisdrang, dem wir ein generelles Kapitel gewidmet haben, trägt
zum Verständnis des Bildnispaares vielleicht mehr bei als die
auf einzelne Figuren sich konzentrierenden Deutungsversuche,
von denen nur die Interpretation Apollos von ganz zuverlässiger
gegenständlicher und quellenmässiger Grundlage ausgehen konnte.
Beim Stern, an dem offensichtlich viel hängt, schien uns Pru-
dentius ein nicht allzuschlechter Führer zu sein. Der Rest blieb
fast proportional zum Aufwand an Ueberlegungen im Ungewissen ver
strickt.

(785) Es seien noch zwei Bildnisse des frühen 16. Jahrhunderts
hier genannt, bei denen die Eule über dem Kopf des Darge-
stellten sicher bedeutungsvoll signethaft angebracht wurde
ohne dass eine Interpretation begründet werden könnte:
Hans Baidung, Bildnis eines jungen Mannes mit Rosenkranz
15o9, über dem Kopf eine von einem Tagvogel angegriffene
Eule, im Kontrast zum Rosenkranz vermutlich den Kampf des
Guten gegen das Böse symbolisierend (so W. Hugelshofer,
in: Oberrhein. Kunst V, 1932, 2o7 f; Ausst. "H. Baidung
Grien", Karlsruhe 1959, Nr. 9); Wolf T.aut (?), Bildnis
einer Frau 151o, oben links neben dem Kopf eine Eule (W.
Hugelshofer, in: Der Cicerone XXII, 193o, 414; Auast.
"Meister um A. Dürer", Nürnberg 1961, Nr. 358: Kat. Stif-
tung Schloss Rohoncz, Slg. Thyssen, Castagnola/Lugano 1937
Taf. 26 B).

(785 a) Vgl. Anm. 424 a.

(786) Z.B. schien uns die Alchemie, die eine Deutung des Feuers
und des Waschens auch erlaubt hätte, ausserhalb der Gedan-
kenwelt Cuspinians zu liegen (s. Anm. 578).
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