Kromayer, Johannes [Editor]; Veith, Georg [Editor]
Schlachten-Atlas zur antiken Kriegsgeschichte: 120 Karten auf 34 Tafeln ; mit begleitendem Text (2. Lieferung, Römische Abteilung 2): Von Cannae bis Numantia — Leipzig, 1922

Page: 45
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Rom. Abt. Blatt 10.

nach denen die Schlacht auf dem Südufer des Hermos
dicht bei Magnesia geschlagen wäre, in den Schlacht-
feldern a. a. ()., S. 168 besprochen. Sie scheitern daran,
daß die Schlacht als Schlacht am Phrygiosflusse be-
zeichnet wird, der eben der Kum ist und nicht der
Gedis, wie Leake vermutet hatte.

Gegen die Auffassung vom Gange der Schlacht selber
spricht sicli Delbrück aus, der unsere Quellenberichte
als phantastisch und die vorgetragene Ansicht für absurd
erklärt, da eine vierfach stärkere und keineswegs minder-
wertige Kavallerie, wie die des Antiochos, nicht durch
einen Stoß der römischen Reiterei habe überwältigt
werden können. Aber unsere Quellenberichte gehen auf
den besten griechischen Militärschriftsteller, den wir für
diese Zeit besitzen, auf Polybios zurück, und Antiochos
hatte auf dem Südflügel nur etwa 7000 Mann Reiterei
(s. Schlacht! II 183j. welche durch den Stoß von 3000
Reitern der Römer getroffen wurden. Es ist dasselbe
Manöver, welches Cäsar bei Pharsalos und Napoleon bei
Austerlitz mit so großem Erfolge gegen zahlenmäßig
überlegene Kräfte angewandt haben und eine direkte
Nachahmung der Taktik, welche Alexander besonders
bei Gaugamela befolgt hat (s. griech. Abt. Bl. Alexander).

Delbrück hält ferner eine Aufstellung der Phalanx
mit Elefanten zwischen den Regimentern und der An-
weisung zur Defensive für eine Unmöglichkeit. Die
Römer hätten die Elefanten nur herauszulocken und in

die Lücken der Phalanx einzudringen brauchen, um sie
zu vernichten.

Diese Auffassung ist ebenso irrig. Einen Angriff
der Römer konnte eine Phalanx „im Stehen" mit
ihren langen Sarassen, und die Elefanten infolge der
zahlreichen bei ihnen befindlichen Leichtbewaffneten
(vgl. Schlachtf. II 183, 2), die von den Elefanten aus
wirken konnten, lange Zeit aushalten, ohne dadurch er-
schüttert oder zum Vorgehen veranläßt zu werden. Und
selbst wenn eines der Tiere einmal vorbrechen sollte,
so war eine dadurch entstehende Lücke bei einer
stehenden Phalanx von 32 Mann Tiefe, wie sie sie bei
Magnesia hatte (Liv. a. a. O. 40, 2), keineswegs gefährlich.
Die 32 Mann brauchten nur links- oder rechtsum zu
machen und ihre Lanzen zu fällen, so war die Flanke
gedeckt. Delbrück hat infolge seiner falschen Ansichten
über die Gefährlichkeit der Intervalle in der antiken
Schlacht (vgl. Schlachtfelder III 347 ff., bes. 357 f.) von
der ganzen makedonischen Phalanx eine verkehrte An-
schauung: die einzelnen Regimenter derselben waren bei
Magnesia fast quadratische Schlachthaufen von 50 Mann
Front und 32 Mann Tiefe, wie die der Schweizer Ge-
vierthaufen und, besonders im Stehen, von allen Seiten
her geschützt, weil sie überall von Lanzen starrten.

Man vergleiche über die ganze Frage Schlachtf. II
S. 212—219: „Die Schlachtberichte und ihre Kritik."

Kromayer.

Der dritte Makedonische Krieg 171-168 v. Chr.
Die Eroberung Istriens 178-177 v. Chr, Lissos 213 v, Chr.

(Rom. Abt. Blatt 10.)

I. Der dritte Makedonische Krieg 171—168 v. Chr.

Die Jahre 171 — 169.
Kärtchen 1 und 2.

1. Quellen und Literatur.

Hauptquelle: Livius XLII 50—67; XLIII 18—23
(für 171 und 170); XLIV 1—13 (für 169 v. Chr.).

Nebenquellen: Polybios, Fragm. v. Buch 27 und 28.
Plutarch Aemilius Paul. 9. Diodor XXX lOf. Zo-
naras IX 22. Justin XXXIII 1.

Literatur: Schlachtf. II 231—294 die eingehende
quellenmäßige und topographisch begründete Darstellung
der Vorgänge, auf der das Folgende beruht. Daselbst
ältere Literatur S. 270. Neueres ist mir nicht bekannt
geworden.

Die Karten beruhen auf der Karte des österreichischen
militärgeographischen Instituts von Mitteleuropa 1:200000
und einer unveröffentlichten Aufnahme der griechisch-
türkischen Grenze von 1898, von der mir das betreffende
Stück vom militär-geographischen Institut zur Verfügung
gestellt wurde.

2. Hergang der Ereignisse.

Perseus ist bei Eröffnung des Kriegs im Jahre 171
über den Paß von Portaes in Thessalien einmarschiert,
hat die Pässe nach Makedonien bes. auch Tempe für sich
gesichert und dann Stellung, zuerst bei Sykurion am Ossa,
darauf bei Larissa genommen (s. Kärtchen 1: .,Einmarsch,
erstes und zweites Standlager des Perseus"). Hier trat ihm
das römische Heer entgegen („erstes Lager der Rom er') und
es kam zu einem großen, für die Römer unglücklichen
Reitergetecht, infolgedessen die Römer auf das linke
Ufer des Peneus östlich von Phalanna zurückgingen
(„zweites Lager der Römer"), Perseus folgte auf dem
rechten („drittes Standlager des Perseus"), und es kam hier
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zu einem zweiten, für Perseus unglücklichen Treffen,
das den König veranlaßte, sich aus Thessalien hinter die
Olymplinie zurückzuziehen und nur die Pässe in der
Hand zu behalten.

Das folgende Jahr 170 v. Chr. beginnt mit Ver-
suchen des neuen Konsuls, die Olymppässe zu erzwingen,
die aber fehlschlugen. Das Hauptquartier wird nach
Pharsalus zurückverlegt.

Im Jahre 169 bricht der neue Konsul Marcius Phi-
lippus von Pharsalus auf und erreicht die Gegend nörd-
lich von Oloosson, jetzt Elassona, wo sich die "VVeg-
scheide verschiedener Pässe befindet (siehe Kärtchen 1;
Marschroute: „die Römer 169 v. Chr."). Man konnte von
hier entweder nördlich über den Paß von Portaes
(919 m) oder nordwestlich über den von Pythion-Petra
(805 m) oder endlich östlich über den Paß am Nezero-
see (Ascaris der Alten [900 m]) Makedonien zu erreichen
suchen. Die Römer wählten die letzte Richtung (s.
Kärtchen 2: Olympübergang der Römer, Ausgangspunkt:
„Erstes Lager"), fanden aber auf der Höhe am See eine
12000 Mann starke Abteilung Makedonier, die den
dortigen engen Übergang mit Hartnäckigkeit verteidigte
(„zweites Lager der Römer"), so daß dem Konsul nichts
übrigblieb, als mit einer den Gegner täuschenden Rück-
und Umgehungsbewegung über die jetzigen Klöster A.
Athanasios und Kanalia den halsbrecherischen, für un-
gangbar gehaltenen Abstieg durch den Urwald des
Libethron, das heutige Zilianatal, zu wagen.

Unbemerkt vom Feinde, der ihn auf dem Rückzug
glaubte, erreichte der Konsul in viertägigem mühseligem
Abstiege die Strandebene nördlich der Stadt Herakleion,
des heutigen Platamona (drittes Lager).

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