Küch, Friedrich [Oth.]
Quellen zur Rechtsgeschichte der Stadt Marburg (Band 1): 1918 — Marburg, 1918

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Urkunden und Akten.

147. 1494 Aug. 20.
Entscheidung der landgräflichen Kanslei bu Marburg in
einem Rechtsstreite unter Auferlegung des Eides für eine Partei,
bu leisten vor dem Gerichte am Kumpf bu Marburg.
Zu wissen, als Contz Kursener, burger zu Ciegenhain, in unsers
gnedigen hern canzli zu Marpurg durch Elsen Hirts von Cziegenhain
beschuldigt worden ist, wie sie ime vor vergangner zit vierzehin
gülden zu halden getan und nach der hant soliche gülden von ime
wider gefordert, die er ir aber nicht widergegeben habe, und begert,
ine mit recht daran zu wisen, ir die vierzehin gülden nachmals zu
geben. Daruf hait der gnante Contz geantwort, er gestehe ir nicht,
das sie ime solich gelt ader icht zu halden habe getain, und getruet zum
rechten, sie sulle ine deshalben rede erlaissen mit bekerunge sins
gelidden kosten und Schadens. Nach sulcher schulde, antwort und
verhorunge, witer beider teil infurunge und anstellunge, auch nach
notturftiger erfarunge haben wir nachbenanten, nemlich Hans von
Dorinberg, hofmeister, Johan Swirtzel, hushofmeister, Johan von
Breidenbach, amptman zu Epstein, Apel von Greußen, Gotschalk
von Liederbach, Johans Flecke, camerschriber, Herman Weiffenbach,
schultheis, und Gile Kremer, burgermeister zu Marpurg, alle rete
und diener obgenants unsers gnedigen hern, von siner gnaden wegen
zuschen gedachten partien zu recht erkant und gesprochen. So sich
der vorgedacht Cuntz zu Marpurg an unsers gnedigen hern gericht
uf dem komp benimmet mit dem eide uf die heiligen, als recht
und zum rechten gnug ist, das ime die vorgnant Else kein gelt
zu halden getan habe, alsdan sal er sulcher furderunge von ir ent-
prochen und sie ime sinen zimlichen, mogelichen kosten und schaden
deshalben erlidden, den wir uf zimlicheit zu taxiren und zu messigen
uns furbehalten, zu bekeren pflichtig sin, es were dan, das sie ime
solich nein und beneinunge widerlegen und vorbrechen mucht, als
auch recht und zum rechten gnug were. Und nachdem sulchs
von wegen vorgemelts unsers gnedigen hern gescheen, so ist
des zu urkunde siner gnaden ingesiegel zu ruck hir ufgedruckt.
Geben und gescheen am mitwochen nach unser lieben frauen tag
assumptionis anno domini millesimo quadringentesimo nonogesimo
quarto.
Abschrift im Rezeßbuche Wilhelms III. im Samtarchive.
148. 1494 Sept. 6.
Landgraf Wilhelm III. gibt den Schuhmachern bu Marburg
einen neuen Zunftbrief.
Wir Wilhelm von gotis gnaden landgrave zu Hessen, grave
zu Katzenelnbogen, zu Dietz, zu Cziegenhain und zu Nidde, be-
kennen vor uns und unser erben öffentlich mit diesem briefe und
dun kunt allermenglich, das wir umb sunderlicher gunst und dinstes
willen, als uns unser lieben getruwen, die schumechermeister zu
Marpurg, getan hain und noch kuntftiglich dun sollen und mögen,
angesehin und darumb und auch von besundern gunsten und gnaden,
so wir zu denselbigen meistern des schumecherhantwerks gehabt,
getragen und noch, so haben wir ine ein zunft und bruderschaft,
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