Küch, Friedrich [Oth.]
Quellen zur Rechtsgeschichte der Stadt Marburg (Band 1): 1918 — Marburg, 1918

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Urkunden und Akten.

Marpurg sin oder von stunt borger doselbs werden und sal sin
hantwerk woil kennen und ine zu irer bruderschaft geben sechs
mark heller Marpurger weirung, die uns und unsern erben halb und
das ander halbteil irer bruderschaft gefallen sollen, auch darzu vier
punt wachs zu iren kerzen an godes dienste und elendigen luden,
und zwei virteil wins.
2. Item ob imand einem meinster ires hantwerks von siner
arbeit icht schuldig, das bekentlich schult were, und ime des nit
gebe, sondern wider sinen willen vorhielde, dem solte der andern
meister keiner arbeiden, der eherste were dan bezalt, als ferre
ime das von demjenen, dem man schuldig, verkondigt were.
3. Was sie auch guter gewonheit oder zemlicher geboit irer
hantwerk antreffende undereinander machen, die wider uns und
unser erben noch auch wider unser staet Marpurgk gewonheit und
heirkomen nit sin, die sollen sie undereinander halten, und wilcher
sich dawider stelte, der solte das verbuessen mit solcher büß, als
sie zemlicher maiß daruf setzten, und solch büß solte halb uns und
unsern erben und der ander halbteil irer bruderschaft gefallen,
und davor solten ine unser ambtlute zu Marpurg helfen pfenden,
als dicke ine des noit geschee.
4. Wer es auch, das einer, der in irer bruderschaft nicht
were, eins meisters dochter neme und ire hantwerk üben wolt, der
solt die bruderschaft halb keufen und das ander halbteil von der
dochter haben. Stürbe auch ein meister und neme sin fraue einen
andern man, der irer bruderschaft nicht hette und das sniderhant-
werk üben wolt, der solt auch die bruderschaft halb keufen und
das ander halbteil von der frauen haben, und was geldes also von
der bruderschaft, die zu keufen, gefiele, das sal halb uns und unsern
erben und das ander halbteil irer bruderschaft gefallen.
5. Ob auch einer, der nicht eelich geborn were, ire hant-
werke zu Marpurg arbeiten und drieben wolt, der soll zuvornt sin
gelt, win und wachs zu der zunft und bruderschaft geben und sich
doch, wan er das getan hette und das hantwerk übte, der zunfte
mit irer geselschaft oder heimlichen Sachen und raide, was die
zunft des undereinander zu tun hette, nicht krudden, noch sie domite
drangen, sust moicht er sin arbeit tun.
6. Es sollen auch die nederschen zu Marpurg dem gmelten
sniderhantwerk und meistern keinen hinder noch intraig tun mit
langen manskiddeln, die nicht ingeleigta) sin, noch auch mit wollen
cleidern zu machen, und wer darwider oder mit einigen andern
Sachen der gnanten zunft und den meistern desselben sniderhantwerks
uberfarung und intraig tete wider dis unser ordenanz und satzunge,
das sich waerlich erfunde, der solte das verbuessen mit einem
pfunde geldes Marpurger weirunge, so digke und viel das geschee.
Solch bueß solt auch halb uns und unsern erben, und die andern
helfte dem hantwerke gefallen, und unser vorgnanten ambtlute ine
auch davor pfenden helfen.

.) In dem Zunftbrief von 1528 (Nr. 29) heißt das Wort: eingelegt.
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