Küch, Friedrich [Oth.]
Quellen zur Rechtsgeschichte der Stadt Marburg (Band 1): 1918 — Marburg, 1918

Page: 319
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1538 Jan. 10—(1538 Mai).

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sei burger, burgerskind, Student und handwerksgeselle, zuvor
öffentlich warnen, das er sich des nachts on liecht und mit geweren
uf der gasse nicht finde(n) lasse, auch gegen die scharwechter nicht
trotzlich stelle. Wilcher aber darüber sein mutwillen brauchen und
deshalb geschlagen wurde, der muge sein ebenteur stehen. Nach-
dem es auch ergerlich und bürgerlicher zucht zuwider ist, das man
under der predig oder so man in der kirchen singt, uf dem kirchoif
müßig stehet und andern Sachen claffet, so wollet dasselbig bei
voriger ufgesatzter pene ganz und gar verbieten, das niemands uf
dem kirchoif stehe, wan man in der kirchen singt oder prediget,
sonst auch alle und iede Ordnung, wie obgemelt, veste und strenge
und dermossen haltet, wie ir das geigen got und hochgedachtem
unsern gnedigen fürsten und hern schuldig seit uud zu verantworten
gedenket. . . . Datum Marpurg am sontage Judica anno etc. XXXVIII.
Wollet auch under der glocken verbieten, das niemands messer
und reuting bei sich trage, er sei burger, Student oder baur, nie-
mands dan meins g. h. diener und ratsperson usgenomen, bei Ver-
lust der where und ungnediger strafe.
Gleichzeitige Abschrift im Stadtarchiv, Verordnungen. — Im folgenden
Jahre, 1539 dinstags nach Francisci, teilte der Statthalter den Lokalbeamten
und der Stadt den Inhalt einer landgräflichen Verfügung mit, das sein fürst-
lich gnade in glaubwirdige erfarunge komen, wie hie oben im furstentumb an
der Loine und sunderlich in eurem ampte vil und mancherlei ungeschickte und
unchristliche stuck mit spielen, kugelscheiben umb hoistuch und barchet, auch
denze under der predige durch erleibung der amptleut am sontage gepraucht
werden sullen, unbedacht, das die predicanten uf der ca(n)zeln verpieten, und
das durch solichs ungeschickte werk der almechtige got höchlich erzürnet werde
und uns mit mancherlei straifen draue, wie dan das verschienen jare mit der
teurunge und anderm uffentlich gespurt worden, und hett sein fürstlich gnade
woil Ursachen, die unfleissigen amptleut dermaissen zu straifen, das- sich die
andern doran spiegelten und exempel nemen, seiner fürstlichen gnaden ordenung
vleissiger und statlicher zu handhaben, mit ernstem bevelch, allenthalben in
meiner amptsverwaltunge hie oben an der Loine dorin zu sehen, das soliche
spiele und tenze, und vor allen dingen das ubermessige, unchristliche und mher
dan unvernunftiglich a) vihisch saufen des sontags abgestelt, allein gottes ehre
und verkundunge seins worts gesucht werde. Der Statthalter knüpft daran
den Befehl, das ire allenthalben in euern ampt iederman darauf sehet, es sei
burger oder baur, das sie des sontags kein spielen, es sei mit schiessen, kugel-
scheiben, volsaufen, tanzen oder anders unter der predige furnemen noch ge-
brauchen, sonder zu ieder stunde der predige ein ieder da seie . . ., auch sunsten
die ordenung der hochzeit, kindtaufen und andern vestlich haltet, handhabet und
die niemands, er sei reich oder arme, hoch oder nider, übertreten laisset.
Gleichzeitige Abschrift ebenda.

239. (1538 Mai).
Die Wollenweb er sunft su Marburg an den Landgrafen
Philipp.
Verhinderung der Wollenausfuhr.
. . . Gnediger her und landsfurst. Wiewol e. f. g. in der-
selben reformation und ordenung der wollen halben nemlich haben
ausgehen lassen, dass durch etzlich verordente und geschworne die

a) Vorl. unvernunftiglichisch.
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