Küch, Friedrich [Oth.]
Quellen zur Rechtsgeschichte der Stadt Marburg (Band 1): 1918 — Marburg, 1918

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Urkunden und Akten.

wolle aufgebunden und besichtigt werden solle1), welchem bisher
noch nicht gelebt worden. Zudem so wirt — unangesehen e. f. g.
gedachte reformation — die wolle so gar aus dem land gefurt,
das wir deshalb nit geringe beschwerung entpfinden. Auf das nun
dieselb reformation dest heftiger gehandhabt, in bestendigen ge-
brauch mog bracht werden, so ist e. f. g. unser undertenig bitt,
sie wollen in derselben furstentumben nidern und obern verschaffen,
durch verordente geschworne und verstendige personen die wolle
mog besichtigt, auch so es e. f. g. in genedigem wolgefallen were,
weiter verschaffen, das von einem ieden kleuder ein sonderlicher
zoll durch die auslendischen must geben werden. Dardurch hetten
e. f. g., ane das es derselben zu merglichem nutzen reichen mocht,
gnedig zu vernemen, wie ein sehr trefflich sum iedes jars aus dem
land gefurt wirt, derselben land und leuten zu grossem nachteil.
Dan wir versehen uns des genzlich, das der grosser teil wollen-
keufer mehr mit der auslendischen, dan irem eigen gelt handeln,
derhalben e. f. g. furstlichs einsehens tun wollen, damit e. f. g.
wir armen undertanen uns unsers handwergs dest bas gebrauchen
und daran erhalten mögen. . . .2)
Ausfert. Ortsrepos. Marburg; Papier. — Die Zeitbestimmung des un-
datierten Schriftstücks ergibt sich aus folgendem Eintrag im Ratsprotokoll
von 1538 donnerstags post misericordias domini (Mai 9) : Die wolnweber haben
furgetragen ire beschwerung. Erstlich das die wolln nit ufgebunden lut meins
hem ord(n)ung zu margt bracht werde. Zum andern das vorkeufer und wolnwogen
uf den dorfern umb Marpurg gelitten werde.

240, 1538 Aug. 1, 15.
Stadtratsverhandlungen wegen des Marktmeisters und der
Fel d schilts en.
1538 donnerstags nach Jacobi apostoli (Aug. 1).
Es ist von burgermeister und scheffen den vierern furgehalten,
wie zunft und gemeine den margtmeister und feltschutzen, welche
nach ordenung und reformation meins gnedigen hern gemeiner stat
zum besten mit irer aller verwilligung und eintrechtlich angenomen
sein, hinter inen on iren wissen beurlaubt und abgesetzt haben, und
hetten doch ehir und zuvor ire beschwerung anzeigen etc. Das-
selbig widerumb zunft und gemein, sich eins bessern zu bedenken,
anbrengen.
1538 donnerstags assumptionis Marie (Aug. 15).
Der margtmeister, nachdem er hievor nach ordenung unsers
g. hern durch Schultheiß, burgermeister, rat, zunft und gemein an-
genomen, und man ime kein schult zu geben weiß, sol er noch ein
jar angenomen werden, und der burgermeister mit ime der belonung
halben reden, das er dero eins teils nachlassen wolle.
Ratsprotokoll.

1) Vgl. die Reformationsordnung vom J. 1534 (Landesordnungen I
S. 62) und Nr. 217.
2) Vgl. o Nr. 186, Nr. 227 § 9 und die erneuerte Wollenordnung von 1545
(Landesordnungen I S. 144).
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