Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 66.1915-1916

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Hütten- und Salz werke, welche ihre Erzeugnisse von Amberg,
Bergen, Bodenwöhr, Obereichstätt und Sonthofen zur Ver-
fügung stellten. Bayerische Privathüttenwerke, als G. L. Rex-
roth in Lohr a. ZIT., und Gebr. Gienanth-Lisenberg in der
Rheinpfalz, F. S. Kustermann in ZNünchen und auswärtige
Hüttenwerke, wie das Kgl. Hüttenamt Wasseralfingen in
Württemberg, das Kgl. Preuß. Hüttenamt Gleiwitz in Schle-
sien und die A.-G. Lauchhammer in Lauchhammer, Provinz
Sachsen, haben eine erkleckliche Anzahl ihrer Kunstgüsse ge-
liefert. Ebenso hat uns eine Reihe Privater ihre vollstän-
digen Sammlungen überlassen: Simon ZlTacha in Beuthen,
Richard L. F. Schulz in Berlin, Bernhard wenig in ZNünchen;
einzelne Stücke: Reinhold Kirsch, Karl Kiefer, Siegfried
Lämmle, Zulius und Wilhelm Böhler, L. Bernhcimer,
G. Hering, Professor von Hauberrisser und viele andere, die
mit größter Bereitwilligkeit dazu beigetragen haben, unsere
Ausstellung zu vervollständigen. Herr Kunstschlossermeister
Sixtus Schmid hat aus seiner mehr als 3000 Stück umfas-

senden Sammlung alter Grabkreuze einige 80 Stück für
unseren Friedhof im Kirchengärtchen beigesteuert, das Herr
Präses und erzbischöfl. Archivar vr. Hartig in so entgegen-
kommender weise für unsere Ausstellungszwecke zur Verfü-
gung gestellt hat.

Nicht zuletzt gebührt Dank den treuen ZlTitarbeitern bei Zu-
standekommen und Anordnung der Ausstellung: Herrn Ge-
werbeschuldirektor Senf, Herrn Professor Schmidt, Herrn
Bildhauer Pezold, Herrn Direktor des Bayerischen National-
museums Professor vr. Halm, Herrn Professor Fritz von
Miller, Herrn Kunstschlossermeister Kiefer, Herrn Bildhauer
Wilhelm und allen jenen getreuen Helfern, die manche Stunde
kostbarer Zeit dem Unternehmen geopfert haben.

Allen sei der herzlichste Dank des Bayerischen Kunstgewerbe-
vereins entgegengebracht dafür, daß sie in schwerer Zeit den
Sinn für friedliche Arbeit bewahrt haben und so Gelegen-
heit gaben, dem Gedanken an ein unbeirrbares wirtschaftliches
Durchhalten rein praktischen Ausdruck zu verleihen.

Eisenkunft

Zur Sonöerausstellung im öapertschen Runf*0*t»*tbmccin1)

von Dr. Hans Karlinger

Als Gebrauchsmetall ist das Eisen seit der Epoche
vorgeschichtlicher Kultur, die wissenschaftlich den
Namen Latönezeit trägt, des Menschen vertrauter
Genoß. Line Lisenkugel gilt in der homerischen
Ilias bei den Kampfspielen zur Leichenfeier des
Patroklus als ein besonders begehrenswertes Ge-
schenk, und Sparta kennt Lisenstäbe als Münze.
In noch mancherlei ähnlichen halb legendären Be-
richten dieser Art kündet sich die Zeit, wo das
Eisen in die Reihe der Nutzmetalle im Haushalt
und Leben eintritt. Zuerst als primitive, beim
Lagerfeuer geschmiedete ZVare, wie sie der zentral-
afrikanische Dorfschmied noch vor einem halben
Jahrhundert herstellte. Gewonnen im Tagbau aus
eisenreichen Gesteinen. Erst im Vorjahre sind der-
artige älteste Proben latönezeitlicher Eisengruben
in unserer näheren Umgebung — im paintener
Forst bei Regensburg — von der Wissenschaft ent-
deckt worden?)

Die Verarbeitung schmiedbaren Eisens erreicht zu-
erst im Grient bei den Semiten und gleichzeitig
in den taurischen Ländern hohe Blüte; sie geht
dort gut in das zweite vorchristliche Jahrtausend
Zurück. Griechen und Römer haben gegenüber der
vorderasiatischen Schmiedekunst kaum erhebliche

x) Literatur: Beck, Geschichte des Eisens, (891—99, passim.
~~ ZNartius, Zur Geschichte der Eisengießerei, insbesondere
^er Bildgießerei, Karstens Archiv für Bergbau und Hütten-
wesen, IX (Berlin 1826), ,91 ff. — K. Bimler, Deutscher
Eisenguß, Kunst und Handwerk 19(3/1,, 5. 92 ff.

2) vgl. den Bericht von P. Reiue cke im Römisch-Germani-
schen Korresxondenzblatt (9(5.

Fortschritte erzielt. Bei den Germanen war der
Schmied eine hochgefeierte Persönlichkeit, das be-
zeugt seine Stellung im germanischen Helden-
gedicht. Das Schwert des Helden ist neben dem
Goldschatz dort das ständige Motiv. Leider ist nur
wenig künstlerisch Bedeutungsvolles an lvehr und
Gewaffen unserer Vorfahren auf uns gekommen
außer den tauschierten Platten und Riemenzungen
der Völkerwanderungszeit.

In kunstgewerblicher Verarbeitung kennen Altertum
und Mittelalter nur das Schmiedeeisen und den
Stahl. Die technische Scheidung zwischen Bearbei-
tung von Eisen und Stahl vollzieht sich in deutlich
verfolgbarer Trennung der Gewerbe und in maß-
gebender Rückwirkung auf die künstlerische Seite
derselben bei uns erst in hochgeschichtlicher Zeit.
Das Arbeitsfeld des Schmiedes schlechthin bleibt
die Herstellung von Beschläg für Tür und Möbel —
im höheren Mittelalter eine wesentliche Unterstützung
für das noch mangelhaft entwickelte Schreinerhand-
werk —, ferner Gitter, Feuerböcke und Kesselhaken,
Leuchter u. a. Der Stahl- oder Klingenschmied liefert
Messer und Pflugschar, Schwert und lvaffen und —
seit dem Jahrhundert in eigener Zunftorgani-
sation als Plattner oder Harnischmacher — die
Rüstung.

Die Schmiedekunst ist ihrem lvesen nach vorwiegend
plastischer Natur. Die Blütezeit im Mittelalter ist
an Motiven gegenüber dem Schmiedehandwerk des
,7. und (8. Jahrhunderts arm, dagegen in der
Stilgeschlossenheit ihrer Arbeiten verkörpert sie eine
der rassestärksten Epochen des Kunsthandwerks über-
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