Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 78.1928

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ihn leitet die Frage, wie er das Gekaufte
wieder weiter verkaufen kann, er vertritt fo-
rmt die Gefamtwünfche feiner vorausficht-
lichen Abnehmer. Auch das darf aber nicht
fo verftanden werden, als ob hier Dienft am
niedrigen Maffengefchmack getrieben würde,
im Gegenteil fteht auch der Einkäufer der
kunftgewerblichen Meffe auf einer weit hö-
heren Stufe, als fich dies der Uneingeweihte
vorftellt. Es kaufen hier Gefchäfte des In- und
Auslandes, die qualitativ zweifellos unferen
heften Werkftätten die Hand reichen können,
daneben kommen noch Architekten mit Auf-
trägen, Fachleute der Mufeen und Samm-
lungen unterrichten lieh über den Stand der
Produktion und Veranftalter von Auftei-
lungen treffen hier ihre Dispofitionen.

Gleichwohl wundern fich namentlich die
Künftler über die angeblich »fchaudcrhafte«
Aufmachung, vergeffen dabei aber folgendes:
Der Ausfteller, welcher für einen Stand in
fünf Tagen die Monatsmiete einer befferen
Sieben-Zimmerwohnung nebft reichlichen
fonftigen Spefen aufzubringen hat, kann nicht
durch weitfehichtige Aufftellung jeden ein-
zelnen Gegenftand äfthetifch voll zur Wir-
kung kommen laffen, im Verlauf des Meffe-
geichäftes wird auch die fchönft gegliederte
Gruppierung rafch und gründlich zerftört
werden, Eile und Zufammendrängung find
unvermeidliche Uebel, aber anderfeits ift der
Käufer Fadimann, ihm braucht man die Ware
nichtdurchbefondereMittelderAufmachung,
mit denen er felber arbeitet, fchmackhaft zu
machen, er weiß ohnedem fachlich zu urteilen
und findet mit überrafchend ficherer Hand
das heraus, was er fucht oder brauchen kann.
Und das deckt fich nun leider nicht immer
mit dem Angebot, weil auch auf Seite der

Leipziger Meffe / J. u. K. Lci'pfingcr / Keramik

Kunftgewerbler viele irrige Anfchauungen
über die Meffe beftehen, namentlich bei fol-
chen, die die Meffe nicht felbft befuchen. Wir
haben verflicht, einige von den Arbeiten hier
zu veröffentlichen, die auf der heurigen Früh-
jahrsmeffe befonders rege Nachfrage gefun-
den haben. Sie mögen vor allem die Vorftel-
lung zurückdrängen, daß Zugeftändniffe qua-
litativer Art etwa den Schlüffel für den Meffe-
Erfolg bilden könnten. Auch die Jagd nach
dem »Schlager« bringt ihn nicht, die blitz-
artige abfeits liegende Idee, die irgend etwas
ganz Abfonderliches zutage fördert. Sondern
einfach eine Arbeit, die in einer gehobenen
Käuferlchicht abfetzbar — und nicht über-
mäßig teuer ift, doch davon fpäter. Der Ein-
käufer handelt, wie bereits erwähnt, für eine
Gefamtheit von Kunden, er kann fich fchon
deshalb nichtauf allzu individuell zugefpitzte

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