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Bildwerke.

Statuen waren in geringer Anzahl eingeliefcrt, und
mnter diesen waren immer noch wenige, welche etwas
bedeuteten. Man muß freudig gestehen, daß die Arbeiten
der Deutschen durch Einfachheit und Wahrheit vor der
Manier der andern Künstler sich auszeichneten, und daß
nur wenige Arbeiten da waren, welche mit ihnen einen
Vergleich anshalten konnten. Zu diesen rechne ich l) ei-
nen jungen Hirten von,dem Schottländer Skouler;
er hat eben die Pfeife geblasen, und blickt in sitzender
Stellung mit seinem frischen, kecken Kopfe auf die Seite,
als höre er einem Zweiten zu. — 2) Einen ähnlichen
Gegenstand hat der Preuße Wolf in einem Fischer be-
handelt, der einen Fisch in der Hand hat, und in sitzen-
der Lage, welche das- eine Bein nachlaßig herabhangen
läßt, freilich auf seinen Fang blickt, übrigens jedoch mit
.ganz andern Gedanken beschäftigt scheint. Das Nackte
des jugendlichen Körpers'ist mit Liebe und Sorgfalt
behandelt; ich glaube aber, daß der Hirte von Skouler
leichter in seiner eigenthümlichen Natur erkannt wird,
als dieser Fischer, obgleich er auch noch zur näheren Be-
zeichnung eine große, blinkende Angel in der Hand hält;
jener ist in einem kurzen Gewände, dieser ganz nackt
vorgestellt, s) Noch weniger dürfte man eine Schnitterin
von dem Preußen Matthias als solche erkennen, wenn
nicht die Aehre, auf welcher sie ruht, sie in gewisser
Beziehung bezeichncte. Alle drei Figuren fand in natür-
licher Größe in Gpps ausgesührt. 4) Jn.'Mamvr gear-
beitcr war ein Kind, die gefalteten Hände .und den Blick
gen Himmel erhebend, vom Engländer Gott, und zarter
als dieses, ebenfalls in Marmor, 5) ein zweiter Gegen-
staud von Wolf,, wie das Kind, der Sage nach, von
dem Reh gesaugt wird. Das Thier muß des-sitzenden
Kindes wegen dgs Bein bis über den Kopf desselben er-
heben, blickt dabei noch nach demselben zurück, Po daß
seine Stellung etwas gefährlich erscheinen dürfte. 6) Lob
verdient endlich noch vor allen Thorwaldsenö Büste
von dem Dänen Bissen, indem sie uichr weniger durch
große Treue, als durch zarte und doch zugleich freie
Behandlung sich auszcichnct.

Zu Ostern ist auch .das Denkmal Pius VII. von
Thorwaldsen dem schaulustigen Publikum enthüllt
worden. Der Platz in der Peterskirche ist so vortrefflich,
wie eia so bedeutendes Werk es nur immer für sich in
Anspruch nehmen kann. In einer geschmackvoll geordneten
Nische sizt auf einem prächtigen Sessel die ehrwürdige
Gestalt des Papstes, über Lebensgröße. Er ist, mit der
gewöhnlichen Papsitracht, dem starken Untergcwande, und
einem glänzend geschmückten, unendlich sorgfältig und

schön gearbeiteten Mantel bekleidet, so eben im Begriff
das Volk zu segnen, und mit der Rechten die dazu üb-
liche Bewegung zu machen. Die Linke ruht im Schooße,
die Füße sind auf leichte Weise übereinandcrgelegt, das
Haupt bedeckt der dreikronige Schmuck. Unter dem hohen
Piedcstal sind zwei Thüren auf die Weise angebracht,
wie wir es bei neueren Monumenten der Art zu sehen
gewohnt sind; über demselben bezeichnet die Inschrift den
Cardinal Consalvi, von Pius VII. zum Cardinal ernannt,
als Stifter des Denkmals. — Zu beiden Seiten des
päpstlichen Hauptes, aber niedriger als dasselbe, schein-
bar aber auf demselben Marmor, sitzen zwei Genien;
der eine rechts blickt auf seinen Helden zurück, und läßt
die Hand mit dem Stifte auf dem schon geschlossenen
Buche ruhen. Die Thaten sind verzeichnet und der
Nachwelt aufbewahrt; der andere links hebt das Stun-
denglas empor, und -sieht ebenfalls auf den Papst zurück.
Unter diesen, zu Seiten des Papstes, jede auf einem
besonder» Piedcstal, stehen die religiöse Stärke und die
Religion. Jener fällt das Lammfell vom Haupt herun-
ter, auf die Brust zusammengeknotet herabhangend; die
Hände sind ans der Brust kreuzweis zusammengelegt, der
Blick gen Himmel gerichtet. Die Religion auf der lin-
ken Seite der Porträtstatue, hat die Bibel in der Hand,
in dessen Inhalt sie denkend verloren scheint. Die Rechte
bewegt sie deshalb an das Kinn und zu ihre» Füßen
steht die Eule der Minerva, lieber dem Untergcwand
hat sie einen breiten-Ueberwurf der vo» der rechten Schul-
ter unter dem linken Arm durch geht, und dann ausge-
nommen wird; ein schöner Kranz schmückt die herab-
häugenden Loken. — Wer die Werke Thorwaldsenö
mir Aufmerksamkeit und Unbefangenheit betrachtet hat,,
wird bald fühlen, daß man bei diesem Werke nicht allein
auf dem Boden Thorwaldsen'scher Erfindung siebt, und
daß die zwei Genien nur durch äussere Veranlassung bin-
zugekommen. Scheint, es mir doch nocb fraglich, ob di?
zwei andern Figuren nicht mehr für die zweckmäßige
Benutzung des Platzes, als für die Porträtstatue selber
nothwendig waren; erklären sie diese auch, so werden sie
doch zu abhängig von derselben., nud lassen den Wunsch
-rege werden, .daß das für diese Sphäre gehörende Relief
seinen eigenthümlichen Platz eimiehmcn möge.

.05-

Nekrolog.

Am 19. Mai starb in Berlin der als ausgezeichneter
Landschaftmaler sehr geachtete Professor an der königl.
Akademie der Künste, Hr. P. L. Lütke, im 72sten
Jahre seines Alters.
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