Morgenblatt für gebildete Stände / Kunstblatt — 22.1841

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Kunstblatt.

Dienstag, -en 20. April 1841

Nom, 4. März 1841.

Seitz aus München, ein Schüler von Cornelius,
hat in seinem Studium einen Carton ausgestellt, welcher
eben so sehr durch die Neuheit des Gegenstandes, als
durch die gewissenhafte, sorgfältige und kräftige Behand-
lung das Interesse der Freunde ernster Kunst in An-
spruch nimmt. Wir sehen in demselben den Messias
dargestellt in dem Augenblick, wo er inmitten der
Patriarchen glorreich durchzieht, nachdem er dieselben
ans dem Limbus befreit. Lucifer liegt im Vordergrund
unter einem Felsstück begraben. Die Erzväter sind als
die Repräsentanten der verschiedenen Stände sinnig ver-
theilt. — Zu den sehr gelungenen Composikionen desselben
Künstlers gehört die Darstellung der schönen Legende,
der zufolge Engel in sternenheller Nacht den Leichnam
der heiligen Katharina von Siena über's Meer tragen.

Der Kupferstecher Ludwig Grüner ist vor seiner
Abreise nach England mit einem sehr schönen und für
die Popularisirung religiöser Kunst wichtigen Auftrag
beehrt worden. Die Aufgabe war dahin gestellt, die
biblischen Geschichten durch klassische Compositionen so
zu veranschaulichen, daß dieselben nicht bloß in der Nähe
einen Kunstgenuß gewähren, sondern auch in einer ge-
wissen Entfernung eine Wirkung Hervorbringen sollten.
Zu solchem Zweck hat der einsichtsvolle Künstler den
farbigen Holzschnitt vorgeschlagen, der bekanntlich jenen
doppelten Anforderungen genügt. Die Probe, welche
der Kürze der Zeit wegen in Lithographien ausgeführt
worden war, wurde äußerst befriedigend gefunden. Man
hatte zu solchem Zweck die schöne Compositivn aus den
Logen des Raffael gewählt, in welcher Abraham vor den
drei Engeln knieet.

Der Bildhauer Troschel hat zwei Modelle zu
weiblichen Figuren beendigt, welche allgemein sich eines
sehr großen Beifalls erfreuen. Das eine stellt ein
junges Mädchen dar, welches beim Spinnen eiugeschlafen
und in den Lehnstuhl zurückgesunken ist. Man lobt

an dieser Arbeit mit Recht eine sehr liebevolle Beob-
achtung der Natur, Sorgfalt der Ausführung und
Schönheitssinn. — Die andere Figur zeigt ein betendes
Mädchen, welches bereits halbentkleidet dasteht und das
eben im Begriff ist, sich ganz zn enthüllen. — Die Büste
des Grafen von Brühl, welche man daselbst im Thon-
modell erblickt, ist ebenfalls ein sehr gelungenes Werk
der Porträtkunst.

Der Bildhauer Lot sch aus Baden, dessen anmu-
thige Compositivn für den Fronten des Brunnenhauses
in Wiesbaden hier großen Beifall eingeerntet hakte,
hat jetzt so eben ein Relief in Marmor beendigt, dar-
stellend den heiligen Georg wie er den Lindwurm er-
sticht. Auch diese Arbeit bezeugt das schöne Talent des
Künstlers für romantische Compositionen und findet
auch von Seiten der Marmorausführung gerechte An-
erkennung.

Eine für den König von Preußen angekaufte Zeich-
nung Raffael's, darstellend „PetriFischzug," findet
bei hiesigen Kunstkennern viel Bewunderung. Als be-
merkenswerth wird dabei hervorgehoben, daß sich in
derselben bedeutende Abweichungen von dem weltberühm-
ten Carton in England zeigen.

Gramzow, ein preußischer Bildhauer, hat auf
der heurigen Kunstausstellung zwei Gypsmodelle, welche
für des Künstlers Talent und ernstes Studium ein
ehrenvolles Zeugniß ablegen. Das eine stellt einen nea-
politanischen Schifferjungen vor, der, auf sein Ruder
gestützt, eine Flasche gegen den Mund führt, nach deren
erquickendem Stoff er lechzet. — Das andere zeigt ein
Mädchen, welches sich auf eine Säule niedergelassen
hat und ihre Haarflechten ordnet. Zu Füßen lehnt ein
Tambvurin. Beide Figuren haben viel Leben und Styl.

Unter den Landschaften macht sich auch diesmal
Elsasser's reiches Talent geltend. Ein schönes, an
täuschenden Lichteffecten reiches Oelbild stellt einen süd-
lichen Urwald dar. Der sinnige Naturbeobachter wird
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