Morgenblatt für gebildete Stände / Kunstblatt — 22.1841

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Kunstblatt.

Vienstag- den 26. März 2841.

Aunstgefchichte.

Pommersche Kunstgeschichte. Nach den erhaltenen
Monumenten dargcstcllt von vr. Fr. Kugler,
Prof. d. k. Akademie der Künste zu Berlin,
Mitglied der Gesellschaft" für Pommersche Ge-
schichte und Alterthumskunde und anderer histo-
rischer Vereine. Stettin, 1840. Auf Kosten
und im Verlage der Gesellschaft für pommersche
Geschichte und Alterthumskunde. In Commission
der Buchhandlung Becker und Altcndorff. 8.
S. XXIV u. 266.

Diesem Buch darf ein dreifaches Verdienst zuge-
sprochen werden, für deutsche Alterthumsforschung über-
haupt, für die provinzielle des Landes, dem cs gewidmet
ist, insbesondere, und für die Methode kunstgeschicht-
licher Darstellung. Der Herr Verfasser nennt in der
Vorrede sein Werk das Resultat einer Reise, welche er
im Sommer 1839 durch Pommern gemacht habe. „Diese
Reise geschah im Interesse und auf Veranlassung der
Gesellschaft für pommersche Geschichte und Alterthums-
kunde, deren Mitglied zu scyn ich die Ehre habe; der
größere Theil der dazu nvthigen Mittel war, ans den
Antrag der genannten Gesellschaft, durch jdie Gnade
Sr. Majestät, des hochseligen Königs, huldreichst b-
willigt worden. Bereits seit längerer Zeit war es nämlich
zur Sprache gekommen, wie es in mehr als Einer Be-
ziehung höchst wünschenswert!) scy, von den in Pommern
vorhandenen Kunstmonumenten eine nähere Kunde zu
besitzen; wie man, wenn eine solche vvrliege, um so
genügender für die Erhaltung und für die Bekannt-
machung der Monumente werde wirksam seyn können,
und wie hiedurch die Culturgeschichte des Vaterlandes
ein vielleicht nicht unbedeutendes Material gewinnen
dürfte." — So iss denn einmal auf höchst erfreuliche
Weise ein tüchtiger Anfang gemacht mit gründlicher

Untersuchung und Beschreibung der Kunsidenkmäler einer
ansehnlichen Provinz des deutschen Vaterlandes — Kunst-
denkmäler, die in ihrer Gesammtheit „als ein kolossales
Museum von eigenthümlichster und großartigster Bedeu-
tung zu betrachten sind und für den Entwickelungsgang
der Culturgeschichte so überaus mannichfaltige und noch
so wenig benützte Anknüpfungspunkte darbieten." Wie
rühmlich die Darstellung der Persönlichkeit und Werke
einzelner Künstler und ihrer Schulen, einzelner Städte
und ihrer Kunstblüthe scyn mag; so gibr sie sich doch
immer nur als Bild einer mehr oder weniger eng be-
grenzten Besonderheit zu erkennen, welche nur erst als
Glied eines größeren Entwickelungszuges ihren vollen
Werth bekommt, und welche deßhalb die Forderung um-
fassenderer Behandlungen der Kunstgeschichte in sich
schließt. Eines bedingt das Andere. Ohne Monogra-
phien kommt eine gründliche Bearbeitung von Massen
und Gebieten nicht zu Stande. Ohne provinzielle For-
schungen bleibt eine übersichtliche Kenntnis! des Gesammt-
vaterlandes unmöglich. Und nicht minder wirkt das
Zusammensaffen der besondcrn Studien und Resultate
zu einer größeren Darstellung hinwiederum beleuchtend
und berichtigend auf das Vcrständniß der speciellcn Par-
tiecn der Geschichte zurück. Cs ist daher dem kunst-
sinnigen Alterthumsvercine in Pommern, der das vor-
liegende Werk angeregt hat, wodurch die Reihe der zur
deutschen Kunstgeschichte nothwcndigen Vermittelungs-
glieder einmal eröffnet ist; es ist dem hochherzigen
Fürsten, der das Unternehmen großmüthigst unterstützt;
es ist dem Gelehrten und Künstler, welcher die erste
und eine treffliche Arbeit dieser Art zur Ausführung
gebracht hat, ein vielstimmiges Macte zuzurufcn; und
mögen nur andere Thcile des Vaterlandes mit demselben
Eifer und mit derselben Einsicht und Gewandtheit, wo-
mit der Anfang geschehen, die Fortsetzung folgen lassen.

Zur besvnderu Freude gereicht cs aber zudem bei
diesem Werke, daß cs einem bis daher ganz unbekannt
gebliebenen Felde gilt. Der Verfasser selbst gesteht,
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