Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 6.1895

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Aus dem „Bauernkrieg". Gezeichnet von Josef Sattler.

SCHRIFT UND ZEICHNUNG IM BUCHGEWERBE.

VON E. ÜOEPLEB d. j.

CHB1FT und Zeichnung sind
im Buchgewerbe kaum von
einander zu trennen. Zwar
werden die meisten Bücher
ohne Blustrationen gedruckt,
aber auch bei diesen fehlt
i selten die Zeichnung ganz,
sei es durch Ausschmückung
mit reicheren Buchstaben (Initialen) oder Hinzu-
fügung eines Drucker- und Verlagssignets.

Wann und auf welche Weise ist die Zeichnung
in den Druck hineingekommen? Die Handschriften
des späteren Mittelalters sind fast ohne Ausnahme
mit Ausschmückungen versehen, sie wurden mit ge-
malten Anfangsbuchstaben verziert, um Abschnitte
im Text zu schaffen, um einzelne Teile zu kenn-
zeichnen. So zeigen diese Handschriften an unge-
zählten Beispielen, wie Schrift und Zeichnung zu
verbinden sind. Die Schreiber hatten es damals
nicht leicht; ihnen fehlten Vorbilder, sie mussten
aus sich selber die Fertigkeit gewinnen, die Zeich-
nung in Einklang zu bringen mit der Schrift.
Aber gerade dieses giebt allen Schöpfungen jener
Zeiten den einheitlichen Charakter. Alles stammt
aus einem Kopf, aus einer Hand; dieser Grundsatz
met das Thema für unsere heutigen Ziele. Ver-

Kunstgewerbeblatt. N. F.

VI. H. 2.

(Nachdruck verboten.)

folgt man an der Hand der alten Handschriften die
überreiche Fülle und Schönheit der einzelnen For-
men, so staunt man bei der Wahrnehmung, wie
weit es viele der Schreiber in ihrem Handwerk
gebracht, wie sehr diese Arbeiten noch heute als
Vorbilder maßgebend sind. Schon früh scheiden
sich die Schrift und malerische Ausstattung der
Handschriften in Initialen, Titelzeilen und Band-
leisten (die sich zumeist aus den Initialen als seit-
liche Fortsetzungen entwickeln), Kopfleisten, Schluss-
stücke, Vollbilder, Textbilder, Vignetten und Signete.
Es sind dies dieselben Mittel, mit denen heute
ein illustrirtes Werk ausgestattet wird. Natürlich
wurden nach Erfindung der Buchdruckerkunst die
geläufigen Motive in die neue Ausdrucksweise hin-
übergenommen — man malte in den Incunabeln des
15. Jahrhunderts die Initialen, Bandleisten und son-
stigen Zierstücke mit der Hand ein und schuf so
den llluministen der Handschriften weitere Thätig-
keit. Daneben erscheinen gleichzeitig Holzschnitte
als Voll- und Textbilder. Nachdem der Buchdruck
sich weiterentwickelt hatte und für alle Zwecke
zugänglich geworden war, traten an Stelle der Hand-
malereien Initialen, Band- und Kopfleisten, Bordüren
und Schlussstücke in Holzschnitt, deren kräftige Be-
handlung den Drucken aus dem Anfang des 16. Jahr-

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