Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 24.1913

Seite: 179
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KUNSTGEWERBLICHE RUNDSCHAU

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Max Warnatsch, Die Innenausstattung der Kirchen und
Synagogen. 54 Tafeln mit zahlreichen Illustrationen und
Text. Von Architekt Max Warnatsch, Lehrer an der
Kunstgewerbeschule Charlottenburg. Verlag F.A. Günther
& Sohn, Berlin SW. 11. Preis 7.50 M. o
a Das vorliegende Werk behandelt das große Gebiet der
Innenausstattung von Kirchen und Synagogen unter be-
sonderer Berücksichtigung der aus Holz hergestellten
Gegenstände. Da eine derartig geschlossene Abhandlung
nicht existiert, so wird sie den Behörden, Schulen, wie
auch den Architekten, Zeichnern usw. und den verschie-
denen ausführenden Handwerkern, insbesondere dem Tisch-
ler, willkommen sein. Vor allem sollen die Entwürfe in
der klaren geometrischen Darstellung der Praxis dienen.
Aus diesem Grunde sind die verschiedensten Lösungen
im Grund-, Auf- und Seitenrisse noch ergänzt durch einge-
schriebene Maße und Maßstäbe. Perspektivische Bilder sind
möglichst weggelassen worden. Vergrößerte Konstruktions-
schnitte und Details werden dem Praktiker die Benutzung
wesentlich erleichtern. Jeder prunkvolle Reichtum wurde
vermieden. Vornehme, ruhige Formen sind es, unter spar-
samer Verwendung der Schnitzerei, ohne direkte Anlehnung
an vergangene Stilarten. — Von demselben Autor erscheint
demnächst im Verlage von E. A. Seemann in Leipzig ein
Sammelwerk ,,Holzarchitektur und Gartenmöbel“, 32 Blatt
Entwürfe mit Maßangabe, Konstruktion und Details. Max
Warnatsch hat, wie er in seinem Geleitwort sagt, den Haupt-
wert auf die praktische Verwendung der Entwürfe gelegt. Zur
Erreichung dieses Zweckes sind dem Grund-, Auf- und
Seitenrisse noch die Maßstäbe und vergrößerte Details
hinzugefügt worden. Das bessere Verständnis für eine
Bildwirkung und Einfügung in die Umgebung werden die
Perspektiven ermöglichen. »Das Zweckmäßigkeitsprinzip
mit dem Gefühl für Schönheit und Anpassungsfähigkeit
in die Umgebung muß besonders bei allen im Freien
Platz findenden Gegenständen vereint sein.« Wie den
Schulen, Architekten und Zeichnern soll das Werk in
seiner Zusammenstellung den ausführenden Handwerkern,
dem Tischler und Zimmerer, dienen. Diesem Zweck wird
die fleißige und übersichtliche Arbeit des sachverständigen
Autors sicher gut entsprechen. Max Warnatsch hat sich
auch als Architekt mit bemerkenswerten Wettbewerbs-
projekten für die evangelische Kirche in Frankfurt a. O.,
für eine höhere Töchterschule in Magdeburg, für ein
Ledigenheim in Berlin usw. betätigt. □

o Leipzig. Zweiter allgemeiner Kunstgewerbezeichnertag-
Der »Verband der Kunstgewerbezeichner« hatte zu Pfingsten
anläßlich der Internationalen Baufach-Ausstellung einen
»Allgemeinen Kunstgewerbezeichnertag« einberufen, der aus
allen Teilen Deutschlands gut besucht war. Als Gäste
nahmen u. a. an den Verhandlungen teil: Prof. Forkel,
Direktor der Plauener Kunstschule für Textilindustrie, so-
wie die Prof .Schauer und Haller vom gleichen Institut;
ferner Direktor Thiele von der Kunstgewerbeschule Char-
lottenburg, Hugo Hillig, Lehrer an der Hamburger Kunst-
gewerbeschule, und Quint von der Gewerbeschule in Leipzig.
Außerdem die Vertreter einiger Leipziger Korporationen,
c Die Verhandlungen fanden am 12. Mai in der Kongreß-
halle der Ausstellung statt. Als Thema war -»Die künstlerische
Erziehung des Kunstgewerbezeichners« gewählt worden. —
Die Fragen der bestmöglichsten Ausbildung des zeichne-
rischen Nachwuchses muß notwendig recht bald und gut
gelöst werden. Hier herrscht noch ein großes Durchein-
ander. Die Unterschiede in dem Bildungsgänge der Kunst-
gewerbezeichner sind ganz enorm. Nur 50°/o der heute
beschäftigten Zeichner sind ehemalige Vollschüler einer



Max Warnatsch-Charlottenburg, Grundriß und Ansicht der Kanzel einer katholischen Kirche (vgl. obige Besprechung)

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