Kunstmarkt: Wochenschrift für Kenner u. Sammler — 8.1911

Page: 30
DOI issue: DOI article: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kunstmarkt_ws1911/0038
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
30

DER KUNSTMARKT

»Le boudeur« (Bronzebüste [500 Fr.]). — Medaillen und
Plaketten: Hans Frei-Basel, »Der Schmerz« (300 Fr.). —
Werke dekorativer Kunst: Paul Beyer-Lacroix-Genf, »Vier
Vasen« (165 Fr.); Jean Dunand-Paris, »Vase cuivre jaune«
(380 Fr.); Ernst Musper-Biel, »Teller: Katze und Mäuse«
(Schmelzarbeit [120 Fr.]). — Als ferneres, nicht auf der
nationalen Kunstausstellung figurierendes Werk bringt die
Kunstkommission zur Erwerbung in Vorschlag: ein Öl-
gemälde von Gustave Jeanneret, »Lever du Rideau«
(5000 Fr.). Totalwert 38025 Fr.
Wie man in Italien mit wertvollen Altertümern
umgeht. Graf Malaguzzi Valeri, der Leiter des berühmten
Brera-Museums in Mailand, erzählt in der »Lombardia«
wunderbare Dinge von der Verschleuderung wertvoller
Kirchenschätze aus dem Besitze italienischer Dorfgemein-
den. In den Tälern des Berglandes Bergamasca, Val Seri-
ana und Val Brembana, sowie im Veltlin sind innerhalb
eines Zeitraumes von 40 Jahren die Kirchen um go°/0 ihrer
Schätze gebracht worden.
»Auf meinen Wanderungen«, schreibt er, »konstatierte
ich, daß Kelche, Reliquienschreine und andere Kunstgegen-
stände in unglaublichen Mengen zu einem bekannten Anti-
quitätenhändler gewandert sind. Der Mann wurde reich
davon und baute sich von dem Gelde, das ihm das Kirchen-
gut einbrachte, ein vornehmes Haus mit einem prächtigen
Garten; rings um das Haus ist ein wunderbares schmiede-
eisernes Gitter aus dem 17. Jahrhundert gezogen, ein Gitter,
das einst den Hauptaltar einer großen Kirche zierte. Ich
weiß von einem Pfarrer, der die aus dem 16. Jahrhundert
stammenden Wandmalereien seiner Kirche, um ihnen »ein

freundlicheres Aussehen zu geben«, restaurieren und über-
malen ließ, und zwar von einem Koch! In einem anderen
Orte entdeckte ich eines Tages in der Kirche unter dem
Mauerbewurf Malereien, die wahrscheinlich aus dem 15.
Jahrhundert stammten. Der Dorfgeistliche war von dieser
Entdeckung so entzückt, daß er, um die Malereien freizu-
legen, die Wand mit einem Maurerhammer bearbeitete;
als dann die von mir unterrichtete zuständige Kunstkom-
mission eintraf, um sich die Sache anzusehen, waren die
Wandmalereien nur noch elende Trümmer. Und was soll
ich erst von jenem Erzpriester einer großen lombardischen
Ortschaft sagen, zu dem ich mich in amtlicher Eigenschaft
begab, um nachzusehen, wie es um ein im Besitze der dor-
tigen Kirche befindliches Bild von Gaudenzio Ferrari bestellt
war! Ich fand das wertvolle Gemälde im Pfarrhause, wo es
auf zwei Holzböcken lag und als Eßtisch diente! Recht
originell, aber ein bißchen sehr naiv war auch ein anderer
Landgeistlicher, der eines schönen Tages heiter und guter
Dinge im Brera-Museum erschien, um uns ein Geschäft
vorzuschlagen: er wollte uns ein wunderbares Kirchenbild
verkaufen, schien aber ganz vergessen zu haben, daß wir
selbst dieses selbe Bild einige Jahre vorher seiner Kirche
anvertraut hatten, damit es ihr zum Schmuck diene! Hohes
Lob verdient dagegen der Pfarrer Ferdinande Manzini von
Roccamalatina bei Modena, der, trotz der feindseligen
Haltung der Bevölkerung und der Vorgesetzten Tag und
Nacht mit dem Hammer und mit seinen Fingernägeln
arbeitete, um die entsetzliche Tünche, die die Mauern seiner
mittelalterlichen Kirche bedeckte, wieder zu entfernen.
Dank seiner Mühe ist die Kirche jetzt eines der schönsten
Monumente der ganzen Gegend!«

Kunstsalon Albert Rlegner


In München.
Infolge Ablebens des kgl. bayer. Hofkunsthändlers u. gerichtl.
vereideten Sachverständigen in Buch- u. Kunstsachen Albert
Riegner gelangt dessen Gemälde-Kollektion sowohl, wie eine
ihm s. Zt. zur Auktion übergebene kleine Gemälde-Sammlung aus
- Münchener Besitz —
am Mittwoch, 2. Houemher 1910, norm. 10 Uhr
in den bisherigen Ausstellungs-Lokalitäten des Verewigten
S! Residenzstrasse 25, Entresol Zä
- - 1 zur =====================-
öffentlichen Versteigerung.
Beide Kollektionen enthalten beste Werke unserer hervor-
ragendsten Münchener und auswärtiger Meister.
Zur Besichtigung sind die Gemälde Samstag, den 29. Oktober 1910, von 10—1 und
3—5 Uhr, Sonntag, den 30. Okt. 1910, von 10-12 Uhr, Montag, den 31. Okt. 1910,
von 10-1 u, 3—5 Uhr und Dienstag, den 1. November 1910, von 10—12 Uhr in den
bishergen Ausstellungsräumen Residenzstraße 25, Entresol, ausgestellt.
Der reichillustrierte Katalog ist bereits erschienen. Preis Mark 2;—.
Auskünfte jeder Art erteilt

Adolf Alt, :: :: der Hofkunsthandlung :: Albert Riegner.


Versteigerung
der zur Sterbemasse des Geheimen Kon-
ferenzrat F. V. F. Rosenstand gehören-
den Sammlung von
antikem Silber, Möbeln mit Einlagen,
Emaillen, altem Kopenhag. u. ausländ.
Porzellan, Bronzen u. Uhren u. a. m.
Dienstag, den 25. Oktoberd.Js.
II Uhr vormittags u. folg. Tage wird die
obige Sammlung von Kunstsachen im
■ Dänischen Kunstindustriemuseum ■
Vestre Boulevard 22 ■ Kopenhagen
meistbietend versteigert.
BESICHTIGUNG: Donnerstag, den 20.,
Freitag, d. 21., Sonnabend, d. 22. Okt.
von 11—3 Uhr und 7—9 Uhr abends,
sowie auch Montag, den 24. Oktober
von 11—2 Uhr.
Zahlung erfolgt an Auktionator Ohr.
Hee’s Eftf. (I. Winslöw), Niels Juels-
gade 6, Kopenhagen, Fernsprecher 3581.
Kataloge sind daselbst zu haben oder
können auf Wunsch zugestellt werden.
Als Testamentsvollstrecker:
Otto Liebe, Höchstengerichtsanwalt.

fln- und Verkäufe von
Gemfiden, Kunstgegenstdnden
usw. vermittelt am besten die
Anzeige im Zfunstmarkt
loading ...