Kunstmarkt: Wochenschrift für Kenner u. Sammler — 8.1911

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DER KUNSTMARKT

BEVORSTEHENDE AUKTIONEN

Dezemb.
7-
8.
Anfang
Mitte
Dezemb.
Dezemb.
Jan. 1911
9-

Frankfurt a. N..*Frankf. Kunstverein. Sml. Jac.
Klein-Hoff. Blätter alt. u. neuerer Meister.
Frankfurt a. N\..*Frankf. Kunstverein. Sml. Fr.
Schierholz. Blätter v. Meistern meistd.19.Jh.
Köln. /. M. Heberte (H. Lempertz' Söhne).
Bücherauktion aus verschied. Besitz.
Köln. J.M. Heberte (H. Lempertz’ Söhne). Ge-
mälde-Auktion aus verschied. Besitz.
München. *Oalerie Helbing. Sml. v. Möbeln,
Einrichtungsgegenst., Porzellan, Gemälden
alter u. mod. Meister; Miniaturen usw.
aus bekanntem alten Adelsbesitz.
München. *Galerie Helbing. Sml. f Friedrich
Oertel-München, Möbel, Gemälde mod.
Meister, Monacensia.
Frankfurt a. M. Ad. Heß Nachf. Universal-
Samml. Erbstein, TeilV: Münzen u. Me-
daillen der Städte u. überseeischen Länder
sowie Privatpersonen usw.

April 1911

Jan.1911
Ende

Febr. 1911
27.

Köln. Math. Lempertz' Buchh. u. Antiquariat
(P. Hanstein). Umfangreiche Münzsamml.
und numismatische Bibliothek des Herrn
f Dr. Hugo Meyer-Köln: Griechische, röm.,
mittelalterliche u. neuzeitliche Münzen.
Frankfurt a. M. Ad. Heß Nachf. Sammlung
Horsky, Teil II: Österreichische geistliche
und weltliche Herren, Städte und Privat-
personen.
Wien. Gilhofer&Ranschburg. Aus dem Nach-
lasse Lanna: 1. Die Sammlung von z. T.
mit Miniaturen und Bildern geschmückten
Handschriften des 13.—17. Jahrhunderts.
2. Die Samml. v. kostb. alten Einbänden.
3. Die Samml. v. Büchern d. 15. —18. Jahr-
hunderts, dar. Seltenheiten ersten Ranges.
4. Die Samml. von Kunstpublikationen,
illustrierten Werken des 19. Jahrhunderts.

NEUIGKEITEN VOM KUNSTMARKTE

Berlin. Die zweite wichtige Antiquitätenversteigerung
dieses Herbstes bei Rud. Lepke ist die Sammlung Hans
Schwarz-Wien (8. und 9. November 1910), die Werke
der bildenden Kunst und des Kunstgewerbes des 13. bis
18. Jahrhunderts umfaßt. Der vornehme und reich aus-
gestattete Katalog zeigt auch denjenigen, die die Samm-
lung bisher nicht kannten, daß es sich hier um hohe
Qualität handelt.
Der Wiener Kunsthändler Hans Schwarz hat, als er
vor Jahresfrist dahingerafft wurde, was in diesem Kataloge
sorgfältig verzeichnet steht, zurückgelassen. M.J. Fried-
länder hat zu dem Katalog der Auktion seiner Sammlung
einige Zeilen verfaßt, die wir hier auszugsweise wieder-
geben: Hans Schwarz war Händler und Sammler. Er
hielt auf reinliche Scheidung zwischen geschäftlichem Beruf
und häuslicher Passion. Wie er als Händler im Kreise
der Berliner Kunstfreunde heimisch war, da er oft herkam,
stets gern gesehen wurde und manches Gute unserm Privat-
besitze zuführte, — als Sammler war er minder bekannt,
da er mit fast scheuer Zurückhaltung seiner Neigung lebte.
Durch das väterliche Geschäft mit den besten Tradi-
tionen des Wiener Kunsthandels verknüpft, betätigte sich
Hans Schwarz wie sein Vater Friedrich Schwarz haupt-
sächlich auf dem Gebiete der niederländischen Malerei
des 17. Jahrhunderts, einkaufend mit Besonnenheit und
Geschmack, verkaufend auf gerade Weise und ohne viel
Worte zu machen. Seinen Kunden konnte er ein er-
fahrener und zuverlässiger Berater sein. Als »Kenner«
produzierte er sich nicht. Zu klug, Sicherheit stets zu
fühlen, und nicht eitel genug, Unfehlbarkeit zu heucheln
brachte er die Überlegenheitsgeste nicht auf und schwieg
oft, wenn minder Befugte redeten. In den letzten Jahren
sah er mit Unruhe einen neuen Stil im Kunsthandel —
den amerikanischen Stil — aufkommen, und die Sorge be-
schlich ihn, ob für rechtliche Art Raum und Erfolgs-
möglichkeit bleiben würde.
Hans Schwarz wendete seine Neigung Gebieten zu,
auf denen er als Händler nicht interessiert war. Er hat
viel in Möbeln, Geräten, Olasgemälden und Waffen zur
Ausstattung seiner Häuslichkeit zusammengebracht. In
Wien und auf Reisen, besonders in Paris, in den Nieder-
landen und in München war er, wie die Umstände es
irgend gestatteten, ein eifriger Käufer. Er beschränkte

sich nicht auf diese oder jene Spezialität. Die Kenner
werden jetzt, da sein Nachlaß der Kritik preisgegeben ist,
bestätigen, daß er mit sicherem Instinkte für das Echte
auf dem weiten Felde des Kunstgewerblichen gewählt hat.
Seine innigste Liebe gehörte den deutschen Bildwerken
des 15. und 16. Jahrhunderts. Heute, da sich die Mode
diesen Dingen zugewandt hat und der Wettstreit der
deutschen Museen sich hier betätigt, wird nichts in der
reichen Sammlung lebhaftere Beachtung finden als die
Skulpturen. Unter dem berühmten Namen »Riemen-
schneider« sind nicht weniger als drei Werke verzeichnet,
dabei die »mater dolorosa« (56) aus der Hefner-Alteneck-
Sammlung, die 1904 auf der Versteigerung 10 100 Mark
brachte, während das viel schlechtere Gegenstück, der
Johannes, um 3060 Mark für das Städtische Museum in
Frankfurt a. M. gekauft wurde. Namenlos, wie die aller-
meisten Schöpfungen der deutschen Holzschnitzerei, ist die
weibliche Heilige (63), die wundervoll leuchtet in ihrer
originalen Vergoldung und eine feierliche Monumentalität
besitzt wie wenige deutsche Bildwerke. Das Steinrelief
mit der Anbetung der Könige (70) ist um 1450 wohl in
Mitteldeutschland entstanden und hatte ursprünglich wahr-
scheinlich seinen Platz am Sockel einer Madonnenstatue
wie ein stilistisch verwandtes Relief in der Andreaskirche
zu Halberstadt. Den großen tirolischen Altar (73) und
das verwandte Fragment einer Geburt Christi (55) 'hat
Hans Semper dem historischen Zusammenhang einzufügen
versucht, als diese Stücke auf einer Leihausstellung in
Innsbruck erschienen.
Noch einige Bemerkungen über die Gemälde. Vor
der Madonna in Halbfigur mit feingliedriger, gemalter
Architektur (22) wird von den Spezialkennern des italieni-
schen Quattrocentos die Benennung Giovanni Boccatis
wohl anerkannt werden. Von diesem Umbrier gibt es
sehr wenige Arbeiten. Die hübsche, kleine Madonna auf
der Mondsichel (20) zeigt den früheren Stil Barthel Bruyns.
Die Darstellung Christi mit der Ehebrecherin (27) hebt
sich durch die Signatur HK (aneinandergefügt) 1530 —
der ungeordneten Masse des Cranachschen Schulgutes
heraus und wird, namentlich wenn es gelingen sollte, die
Wappen zu deuten, zur historischen Aufklärung beitragen.
Vielleicht hat der zu Leipzig tätige Hans Krell, der
»Fürstenmaler«, diese Tafel geschaffen. Eine stilistisch
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