Kunstnachrichten — 2.1912-1913

Page: 47
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kunstnachrichten1912_1913/0048
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Stadtwinkel, architektonische Intimitäten und weiß
prächtige Licht- und Schattenwirkungen zu erzielen.
Ferner sind Graphiken des Dresdeners Georg
Jahn, Skulpturen des Berliners Lewin - Funcke,
Porträts von Hugo Vogel-Berlin und dekorative
Landschaften von Heinrich Zschille- München
ausgestellt.

Mannheim. Der Kunstverein zeigte eine
Wanderausstellung der Dresdner Kunstge-
nossenschaft, die viel beachtet wurde. Am
besten war Hans Unger vertreten, dessen male-
rische und zeichnerische Phantasien immer wie-
der bestricken. Der Münchener Rudolf Gönnes
gibt allzu grell gesehene Freilichtmalereien, die
freilich viel Persönliches haben.

München. Die Ausstellung der Neuen Ver-
einigung Münchener Künstlerinnen im
Kunstverein macht mit einer Reihe tüchtiger Ta-
lente bekannt, unter denen besonders die Land-
schafterin Tony Elster, Martha Budach und
M. v. Brockhausen mit ihren koloristisch feinen
Stilleben hervorzuheben sind. Auch die Tier-
plastiken von Vera v. Bartels verdienen viel Be-
achtuno;. — Außerdem sind Landschaften von
Ludwig Voss und Andrian Stockes ausgestellt.

Stuttgart. Im Württembergischen Kunstverein
ist, wie der „Staatsanz. f. Württ." schreibt, H.
Altherr, ein in Karlsruhe lebender Schweizer
eingezogen, der seine eigenen Wege geht und in
seinem Ringen nach künstlerischer Vereinfachung
und Monumentalität schon jetzt Bedeutendes er-
reicht hat. Wenn das Porträt seines Vaters,
eines überaus charaktervoll aussehenden alten
Herrn, noch ein starkes Wertlegen auf liebevollf
Einzelausführung verrät, so tritt bei den andern
Einzelbildnissen schon deutlich das Streben nach
Zusammenfassung und Vereinheitlichung in Farbe
und Bildniswirkung deutlich hervor. Wie leben-
dig in ihren grauen und weißlichen Tönen ist

o o

die feine alte Dame gegeben, deren persönliche
Eigenart mit den Farbentönen so zart in Über-
einstimmung gebracht ist. Wie wuchtig ist die
Silhouette des Dichters Albert Geiger, mit dem
wie in Holz geschnitzten Gesicht, der in reiner
Profilstellung mit Schlapphut und schwarzem
Havelock vom gelben Hintergrund sich abhebt.
Wie pikant wirkt die junge Dame mit dem grünen
Shawl auf dem weißen Sweater und wie über-
zeugend ist der schwarze Herr an der Rückwand
des Saales in seiner durchgeistigten Wesensart
erfaßt. Von besonderer Feinheit ist endlich das
als „Resignation" bezeichnete Bildnis einer in
einen weißen Umschlag gehüllten Frau mit der
vornehmen ernsten Einfachheit der Farbenzu-
sammenstellung, die den geistigen Gehalt des
herben Gesichts so wirksam herausarbeitet. Zeilen
diese Porträts besonders das feine Farbengefühl
und das erfolgreiche Bemühen des Künstlers um

geistige Beseelung seiner Werke auf einem be-
achtenswerten Höhepunkt, so sieht man ihn auf
den zahlreichen Entwürfen und Studien vor
allem in heißem Ringen um große Form und
monumentale Raumo-estaltuno-.

o o

Verkäufe und Versteigerungen.

Gemälde alter Meister kamen bei Lepke zur
Versteigerung. Es wurden zum Teil recht an-
sehnliche Preise erzielt. So brachte Gerbrand
van denEeckhoutsBild: „DerGelehrte" 4600 Mark,
ein „Weibliches Bildnis" von Adriaen Thomasz
Key 19500 Mark, eine Landschaft von Aart van
der Neer 3650 Mark, Jan Steens Selbstporträt,
das den Maler mit Geige und Pfeife darstellt,
3200 Mark, „Tanzstunde" von Hieronymus Janssen
4200 Mark, Jusepe de Riberas „St. Petrus", das
den Apostel in der Felsschlucht von einem
blasenden Engel besucht zeigt, 4250 Mark, Michael
von Munkacsys „Vor dem Balle" 4030 Mark
und „Familienfest" von Jan Steen 4310 Mark.
F. G. Waldmüller erzielte mit einem „Männlichen
Bildnis" (Porträt eines österreichischen Staats-
mannes) 4000 Mark, Adriaen Brouwer mit „Innen-
ansicht" 4150 Mark, Heinrich Füger („Graf
Zinzendorf") 11900 Mark. Jean Raoux zwei
„Bacchanal" genannte Darstellungen tanzender,
bezw. ruhender Nymphen und Bacchanten er-
gaben zusammen 3750 Mark und Jan Gossaerts
„Madonna" 3680 Mark.

In der Kunsthandlung Rudolf Bangel, Frank-
furt a. M., werden am 1. und 2. April Gemälde.
Antiquitäten und Kunstgegenstände versteigert.

Die Moderne Galerie des Königreichs Böhmen,
Prag, hat aus der bekannten Kollektion von Fritz
Gärtner dessen Gemälde „Der Mäher" und
„Der Melkplatz" käuflich erworben. Die farbige
Zeichnung „Schreitende Feldarbeiterin" ging durch
Ankauf in den Besitz der graphischen Abteilung
über.

Studium und Unterricht

Jahrhundertfeier der Berliner Kunsthochschule.
Die Königl. akademische Hochschule für die
bildenden Künste beging am 15. März die Er-
innerung von 1813 mit einer Feier in der Aula
ihrer Anstalt in der Hardenbergstraße. Eine
Rede des Hochschuldirektors Anton v. Werner
stand auf dem Programm, und frühere und jetzige
Schüler der Hochschule waren sehr zahlreich
gekommen. Direktor v. Werner schilderte in
großen Zügen die Erhebung des preußischen
Volkes vor 100 Jahren und verweilte besonders
bei der Beteiligung der Künstler an den Be-
freiungskriegen, namentlich bei Schadow. Dann
besichtigte man in den vorderen Sälen eine
interessante, aus den Sammlungen der Hochschulen
zusammengestellte Ausstellung künstl erisch er
loading ...