Kunstnachrichten — 2.1912-1913

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Bauten, Denkmäler usw.

Das Opernhaus am Kap/ergraben. Unter
diesem Stichwort macht Regierungsrat Adam
in der Bauwelt vom 3. April zwei Vorschläge
mit Planskizzen, wie man das Opernhaus hinter
der Universität und mit der Front gegen das
neue Kaiser-Wilhelm-Museum an den Kupfer-
graben stellen könne. Abgesehen von der Frage,
ob der Raum ausreiche, scheint uns der Vor-
schlag insofern nicht glücklich, weil auch für die
Fassade uns dann keine Gewähr für imposante
Wirkung gegeben erscheint. Wenn man es nicht
an Stelle des Krollschen Etablissements errichten
kann, dann suche man einen Bauplatz an den
Linden, aber man quetsche es nicht, nach dem
Muster des neuen Museums, zwischen andere
Bauten hinein. Den dort für das Opernhaus
gewählten Platz räume man den Neubauten der
Universität ein.

Die Aufstellung des endgültigen Entwurfs
für den Opernhausneubau. Im Kultusministerium
ist man zurzeit damit beschäftigt, den endgültigen
Entwurf für den Opemhausneubau aufzustellen.
Gleichzeitig soll ein Voranschlag für die Kosten
des gesamten Baus gemacht werden, was natur-
gemäß mit besonderen Schwierigkeiten verknüpft
ist. Bis Mitte Oktober etwa, wenn die neuen
Etatsforderungen des preußischen Ressorts im
Finanzministerium eingehen sollen, muß eine
Fertigstellung dieser Arbeiten erfolgt sein. Außer
dem endgültigen Entwurf soll auch Bestimmung
über die erste einzustellende Baurate getroffen
werden, die im Etat enthalten sein muß. Bei
der Aufstellung des endgültigen Entwurfs werden
die Ergebnisse aus sämtlichen Ideenwettbewerben
für ein Kgl. Opernhaus, die einmal in Gestalt
von 11 Entwurfsskizzen und weiter infolge des
Ausschreibens des Ministeriums der öffentlichen
Arbeiten in 68 neuen Skizzen in Ausführung
kamen, berücksichtigt werden. Namentlich sollen
diejenigen Skizzen Berücksichtigung finden, die
in dem Gutachten der Akademie des Bauwesens
vom November v. J. durch amtliche Hervor-
hebung der Baukünstler als „bemerkenswerte"
gekennzeichnet waren. Weiter ist zu erwarten,
daß der Künstlerschaft Gelegenheit gegeben wird,
sich an der städtebaulichen Gestaltung des Königs-
platzes mit Entwürfen zu beteiligen.

Die Nibelungenhalle am Rhein. Zum 100.
Geburtstag Richard Wagners errichten Verehrer
des großen deutschen Meisters eine Gedächtnis-
halle bei Königswinter a. Rh. Die Architekten
Hans Meier und Werner Berendt führen den
Bau aus, Hermann Hendrich hat 12 große Wand-
gemälde, freie Kompositionen zum „Ring des
Nibelungen" dafür geschaffen und der Bildhauer
Splieth ein Relief des Meisters für den Runen-

stein. In der Apsis sollen alljährlich auch Werke
anderer Künstler ausgestellt werden, die Bezug
auf die deutsche Sagenwelt haben. — Bei
Reiner & Lewinsky, Berlin, Lennestraße 2, sind
gegenwärtig die Vorarbeiten des Werkes, Gemälde
von Hermann Hendrich, sowie die farbigen
Reproduktionen der Wandgemälde ausgestellt. —
So sehr dieses Werk zu begrüßen ist, man hätte
doch einen allgemeinen Wettbewerb dafür aus-
schreiben sollen, damit auch andere für solche
Aufgaben geeignete Künstler sich darum be-
werben konnten.

Eine bedrohte sächsische Burg. Eine schwere
Schädigung droht der malerisch im Zschopautal
gelegenen Burg Kriebstein. Ein Unternehmer-
konsortium plant dort die Errichtung einer Tal-
sperre, nur 100 Meter vom Schlosse entfernt.
Da die Abmessungen der Mauer sehr groß wer-
den, so wird, wie der „Burgwart" schreibt, die
Burg dann vollständig von der riesigen Mauer-
masse erdrückt. Auch das unmittelbar am Fuße
des Schlosses geplante 2 5 Meter hohe Maschinen-
haus wird wesentlich zur Vernichtung des bis-
herigen außerordentlich schönen Landschaftsbildes
beitragen. Hoffentlich gelingt es den Bemühungen
der Freunde des Baudenkmals, die Errichtung
der Talsperre an dieser Stelle zu verhindern.

Der Statuenwald von Paris. Bei der immer
wachsenden Zahl der Denkmäler und Bildsäulen,
die sich in Paris erheben, tut der „Gaulois" die
nachdenkliche Frage, wie das weiter gehen soll,
wenn man in demselben Maße allen bedeutenden
Männern des Landes ferner Monumente errichten
will. 484 Denkmäler zieren die Plätze, die
Straßenecken und selbst die Trottoire von Paris,
ganz abgesehen von den zahlreichen Plaketten
und Inschrifttafeln, die an den Häusern ange-
bracht sind. Musset steht vor dem Theätre
Francais; Victor Hugo hat sogar zwei oder drei
Denkmäler in Paris. Aber allmählich fühlt man
sich verpflichtet, auch viel kleineren Geistern die
steinerne Ehrung zu gewähren, und wendet sich
dabei Leuten zu, die die Nachwelt mit Recht
schon vergessen hat. Der „Gaulois" macht nun
den Vorschlag, man solle ein Gesetz erlassen,
daß keine Büste und keine Statue einem Manne
früher gesetzt werden dürfe, als bis er 50 Jahre
tot ist. Nach einem halben Jahrhundert hat sich
die Begeisterung abgekühlt, die Geschichte hat
ihr Votum gesprochen und man kann leichter
feststellen, wer wirklich die Unsterblichkeit ver-
dient. Noch besser freilich wäre es, so meint
das Blatt, wenn man all den Denkmalswütigen,
die Paris mit Statuen beglücken wollen, von
Staats wegen zurufen könnte, wie der Schaffner
auf der Straßenbahn: „Alle Plätze besetzt."

Das „Heilige Grab" in Homburg v. d. H.
Daß Homburg im Besitz einer genauen Nach-
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