Kunstnachrichten — 2.1912-1913

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In der Abteilung „Künstlerische Erzie-
hungsmethoden" soll zur Anschauung gebracht
werden, was die von der Werkkunst ausgegangene
künstlerische Reformbewegung in der Erziehung
zu künstlerischem Leben und Schaffen erreicht
hat. Endlich soll in dem „Österreichischen Hause"
das spezifisch Österreichische bezw. Wienerische in
der neuen Werkkunst zu eindrucksvoll geschlosse-
ner Wirkung gebracht werden.

Kunsthalle P. H. Beyer & Sohn, Leipzig.
Die Juni - Ausstellung brachte eine Kollektion
Gemälde, Plastik und Graphik von den Mit-
gliedern der Künstler-Vereinigung „Block"-Berlin,
die sich aus Arbeiten von H. Bremer, B. Claus,
B. Ehrenwerth, J. Haensch, A. Horten, K. Leyde,
W. Lategahn, K. Ströher, E. Wolfsfeld, Louis
Zierke (Maler), und W. Fritsch, H. Mennicken,
Carl Otto E. Reschke, C. Schlosser (Bildhauer)
zusammensetzt. Weiter sind Einzelgemälde zu
sehen von Prof. Max Klinger, Anselm Feuer-
bach, Spitzweg, Thoma, Schönleber, Zügel, Trübner,
Menzel etc. Die Graphikräume füllt eine in-
teressante Kollektion Leipziger Ansichten von
Leipziger Künstlern, Baur, Büchner, Hammer,
Herwig, Klinger, Klemm, Leistner, Wach, Zeising,
etc. Femer sind neue Farbholzschnitte von
Carl Pferschy und Connie Meißen ausgestellt,
sowie neue Radierungen von F. A. Weinzheimer,
Georg Fritz und anderes mehr.

Niedersächsische Kunstausstellung, Stade 1913.
Am i. August bis zum 15. September wird der
Verein für Geschichte und Altertümer der Her-
zogtümer Bremen und Verden und des Landes
Hadeln in Stade mit Unterstützung des Vereins
für niedersächsisches Volkstum in Bremen eine
Kunstausstellung in Stade veranstalten. Die Aus-
stellung soll Gemälde und sonstige Werke der
freien Kunst enthalten und wendet sich vornehm-
lich an solche Künstler, die sich mit Land und
Leuten an der Unterelbe und Unterweser be-
schäftigt haben. Die Ausstellung wird im Rat-
hause zu Stade stattfinden.

Die elfte internationale Kunstausstellung im
Glaspalast in München erfreut sich eines regen
Besuches; sie bietet mancherlei Gutes. Bei ihrer
Eröffnung, die bekanntlich durch den Prinz-
regenten Ludwig erfolgte, hatte der Regent seines
Vaters, der „mit allen Herzensfasern an der
Kunst gehangen", gedacht, den Vertretern der
auswärtigen Staaten für die Beteiligung gedankt
und auf die Beziehungen zwischen der Künstler-
schaft und den übrigen Volkskreisen nachdrück-
lich hingewiesen. Dann erfolgte ein Rundgang
durch die Ausstellung. Sie umfaßt in 90 Sälen
3587 Nummern. Die eine Hälfte des Glas-
palastes ist dem Ausland eingeräumt, die andere
den Münchener Künstlergruppen. — Heinrich
Linde-Walter hat für ein Gemälde „Wäscherin",

das von der Berliner Sezession zurückgewiesen
worden war, auf der internationalen Ausstellung
in München die kleine goldene Medaille erhalten.

Ein Neuland deutscher Kunst. Auf Veran-
lassung des Großherzogs Ernst Ludwig von
Hessen wird im Sommer 1914 im Residenz-
schloß zu Darmstadt eine retrospektive Aus-
stellung „Deutsche Kunst von 1650—1800"
stattfinden, die zum ersten Mal einen Überblick
über die künstlerischen Kräfte der Epoche vom
Ende des Dreißigjährigen Krieges bis zum Be-
ginn der napoleonischen Ära gewähren soll.
Umfassende Vorbereitungen, durch die das bis-
her noch niemals systematisch erforschte Material
aus den großen Galerien und Museen wie aus
Privatbesitz zusammengebracht werden wird, sind
getroffen; überall in deutschen Landen sind
Museumsdirektoren, Konservatoren, Kunstgelehrte
und Kunstfreunde zur Mitarbeit gewonnen, und
auch an alle Privatsammler, die Schätze aus
dieser Zeit besitzen, ergeht der Ruf, den kunst-
wissenschaftlichen Leiter der Veranstaltung, Prof.
Georg Biermann, davon Mitteilung zu machen.
Es wird ein wundervolles Schauspiel sein, zu
verfolgen, wie sich die deutsche Kunst unter
dem Schutz der Fürsten und im Lichte der
Höfe zu reichster Pracht entfaltet und wie dann
im Gegensatz dazu die ersten Keime bürger-
licher Kunstübung entstehen und sich die Macht
der einzelnen Persönlichkeit allmählich immer
deutlicher zeigt. Aber auch im Einzelnen stehen
große Überraschungen bevor, wenn man bedenkt,
daß schon die bisherige geringe Beschäftigung
mit dieser Zeit glänzende Entdeckungen zutage
gefördert hat, so aus dem 17. Jahrhundert den
genialen Hamburger Scheits, den prächtigen
Schlesier Willmann, aus dem 18. Jahrhundert
den vornehm eleganten Matthieu, den so merk-
würdig modern anmutenden Wilck, den galanten
de Peters. Unter dem zahlreichen Geschlecht
der Tischbein wird man die überragende Ge-
nialität des großen Koloristen Friedrich August
deutlich erkennen und den andern ihre Stelle
anweisen. AVeite unbekannte Gebiete werden
unserm Blick erschlossen werden: die flotte Skiz-
zierkunst des Wieners Gran und seiner Schule,
der bayerischen und Tiroler Freskenmaler, die
herrliche Reihe der höfischen Porträtisten von
Kupetzki und Meytens bis zu Georg von Marees
und Graff. Die internationale Berühmtheit Mengs',
die feine Zeitstimmung der Meister um Goethe,
Hackerts, W. Tischbeins, Angelica Kaufmanns und
vieles andere wird uns klar ins Bewußtsein treten,
und so wird diese Ausstellung, wie selten eine,
den Ruf Richard Wagners erfüllen: „Ehrt Euere
deutschen Meister, dann bannt Ihr gute Geister!

Internationale Ausstellung für modernes Kunst-
gewerbe, Lyon 1915. Dem Projekt der Veranstal-
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