Rudolph Lepke's Kunst-Auctions-Haus <Berlin> [Hrsg.]
Galerie Weber, Hamburg: Versteigerung: 20., 21. und 22. Februar 1912 (Katalog Nr. 1634) — Berlin, 1912

Seite: 20
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WERKSTATT LUKAS CRANACH D. A.

42 Bildnis des Kurfürsten Friedrich (III.) des Weisen von Sachsen. (Regierte 1487—1525.)

Kleines Brustbild ohne Hände, nach rechts, auf blauem Grunde. Der Kurfürst, mit grauem,
am Kinn ausgeschnittenem Vollbart, trägt einen schwarzen Rock über weissem Hemde, einen
braunen Pelzmantel und eine schwarze Kappe. Rechts oben ein aufgeklebter, gedruckter,
aber überstrichener Zettel mit der Inschrift: Sribend? ber Drit (Cfourfurft rmb ßber^og Bacbffen.
Bez. oben links mit dem Flügelschlänglein und der Jahreszahl 1532.

Rotbuchenholz. — H. 0,13; ß. 0,147a- — (N. 39.) — 1873 im Kunsthandel aus Stuttgart. — Gegenstück
zum folgenden. — Gleich nach dem Tode Johanns des Beständigen (1532), des Bruders und Nachfolgers
Friedrichs des Weisen, wurden die Bildnisse der beiden reformationsfreundlichen Fürsten in der Cranachschen
Werkstatt zu Wittenberg schockweise mehr oder weniger fabrikmässig (worauf auch die aufgeklebten
Inschriftzettel deuten) angefertigt, um als Gegenstücke zu Geschenken verwandt zu werden. Beider Nach-
folger, Johann Friedrich der Grossmütige selbst pflegte sie zu verschenken. Schuchardt, Cranach I S. 89
sagt über sie: „Dass Cranach diese Portraits nicht eigenhändig gemalt habe, sieht man ihnen wohl an, alle
aber, die ich gesehen habe, sind zwar flüchtig, doch mit Sicherheit und Freiheit gemacht, so dass man
glauben muss, er habe mehr oder weniger daran getan, besonders bei den Umrissen und vollendenden
Strichen. Wahrscheinlich ist, dass Cranachs ältester Sohn Johann an diesen Portraits half." Dieses Bild
und das folgende sind charakteristische Beispiele der Werkstattbilder dieser Art.

43 Bildnis des Kurfürsten Johann (I.) des Beständigen von Sachsen. (Regierte 1525—1532.)

Bruder des vorigen. Brustbild ohne Hände, nach rechts, auf blauem Grunde. Der Kurfürst,
mit dunkelblondem, am Kinn ausgeschnittenem Vollbart, trägt einen schwarzen Rock über
weissem Hemde, einen braunen Pelzmantel und eine schwarze Kappe. Links oben ein auf-
geklebter, gedruckter, aber überstrichener Zettel mit der Inschrift: Jobans ber €rft, (Cfnirfurft
pnb feevfyoq, Sacbffen.

Rotbuchenholz. — H. 0,13; B. 0,147a- — (N. 40.) — Gegenstück zum vorigen. — 1873 im Kunsthandel
aus Stuttgart. — Man vergleiche alle Bemerkungen zum vorigen.

OBERSÄCHSISCHER MEISTER H. J.

(Meister der hl. Katharina)
Um 1520.

Das Hauptbild dieses Meisters ist die hl. Katharina mit der Familie Pflugk in der Annen-
kirche zu Annaberg, die eine Madonna auf der Mondsichel von derselben Hand besitzt. (Vgl.
Janitschek, Geschichte der deutschen Malerei, Berlin 1890 S. 508, Anm. 2.) Von derselben
Hand z. B. die Flügel des Schweinsburger Altars des Zwickauer Meisters der Beweinung
Christi. Früher las man seine Anfangsbuchstaben auf der Annaberger hl. Katharina irrtüm-
lich H. H. Der Meister war wahrscheinlich in Zwickau tätig. Alle diese Angaben verdanken
wir der Güte Ed. Flechsigs.

44 Maria und Maria Magdalena. Links steht die Mutter Gottes in blauem, rosa gefüttertem
Mantel über goldenem Kleide mit ihrem Knaben im Arm, nach rechts gewandt, in mandel-
förmigem, von roten Wolken umspieltem Goldstrahlennimbus auf einer abwärts gerichteten
Mondsichel. Zwei kleine langbekleidete Flügelengel setzen ihr die Krone aufs Haupt. Unten
im Rasen, in dem Maiblümchen spriessen, die goldene Inschrift: Hec est ei Speculu gratiae
(Spiegel der Gnade). Rechts wird Maria Magdalena nur von ihrem langen Haare verhüllt,
in aufrechter Stellung mit gefalteten Händen, nach links gewandt, von fünf langbekleideten
Engeln gen Himmel getragen. Zwei der Engel fassen ihre Arme, drei ihren Unterkörper.
Unten in der Landschaft Bäume. Unter ihr im braunen Bodengrunde die schwarze Inschrift:
Speculü pen .... (Spiegel der Busse).

Tannenholz. — H. 1,51; B. 1,22. — (N. 52.) — 1886 von der Versteigerung Bossi in Wien: Katalog
S. 33 N. 233. — In unserer ersten Auflage irrtümlich als „Tiroler Schule" des 16. Jahrhunderts. Die jetzige
Bestimmung des Bildes, die keinem Zweifel zu unterliegen scheint, rührt von Ed. Flechsig her, dessen Güte
wir sie verdanken.

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