Deutschland <Deutsches Reich> / Reichs-Limeskommission [Editor]
Limesblatt: Mitteilungen der Streckenkommissare bei der Reichslimeskommission — 1.1892-1893

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— 159 — Lira.

Wachhause auf der Marienhöhe südlich
von Osterburken nachgewiesen werden
konnte (hier beträgt der freie Zwischen-
raum zwischen Turm und Steinwall 1,40
bis 1,80 m, die Breite des letzteren 4 bis
5 m). Der Kern der Steinsetzung ruht
nicht auf der Oberfläche des Terrains,
sondern beginnt schon in der Tiefe der
Fundamente des Turms, offenbar um eine
grössere Festigkeit zu erhalten. Auch an
anderenWachtürmen dieser Strecke Hessen
sich noch Reste einer solchen Steinumwal-
lung beobachten, so namentlich an dem
Wachhause im „Fichtenwalde" nördlich
von Osterburken. Nach den Darstellungen
der Trajanssäule dürfte diese Erscheinung
sogar vielleicht allgemeiner und nur des-
halb weniger bekannt sein, weil bei den
Grabungen gewöhnlich sogleich dem ge-
schlossenen Maucrwcrke zu Leibe gerückt
wird und jene rohe Steinsetzung unter den
bedeckenden Trümmerhaufen weniger Be-
achtung lindet (an anderen Orten erscheint
allerdings au deren Stelle eine Erdumwal-
lung, die natürlich häufig völlig eingeebnet
ist). Von den auf dem Walle angebrach-
ten Palissaden, wie sie die Wachhäuser
der Trajanssäule zeigen, waren an den von
uns untersuchten Beispielen keine sichern
Spuren mehr kenntlich, wiewohl sich öfters
zwischen den Steinen Kohlenreste fanden.

Karl Schumacher.
51. Mümlinglinie. [Zwischenkastell bei
Rohem.] Zwischen Kobern und Wagen-
schwend überschreitet die Mümlinglinie ein
in der Richtung von NW. nach SO. ver-
laufendes, ziemlich tief eingeschnittenes
Scitenthälchen der Trienz, zu dessen Sper-
rung die Römer auf einem etwas flacheren
Vorsprung der ziemlich steilen Westwand
nahe der Thalsohle eine kleine Wachstation
errichteten. Sie wird vom Volke Ilöne-
haus genannt und ist längst bekannt, auch
in der neuen topographischen Karte ver-
zeichnet. Da daselbst nach Mitteilungen
Karls Christ's schon früher schön bear-
beitete Architekturstücke zum Vorschein
kamen, wurde das Kastellchen einer ein-
gehenderen Untersuchung unterzogen (vom

Jlatt. — 160 —

6.—12. Mai d. J.). Es stellt ein von N.
nach S. bzw. 0.—W. orientiertes Quadrat
mit abgerundeten Ecken dar von 20,50
(N ): 20,20 m (S.) bzw. 20,10 (W.): 21,06 m
(0.) und hat zwei Eingänge, einen in der
Mitte der Westseite von 1,71 m Br. und
einen in der Ostfront von 2,96 m, von
welchen der letztere durch zwei 1,80 m
zurückspringende Mauerwangen flankiert
ist. Die Umfassungsmauer, welche an den
best erhaltenen Stellen noch eine Höhe
von 0,50—0,70 m aufweist, schwankt in
ihrer Dicke zwischen 0,95—1,04 und be-
steht aus kleinen sorgfältig gerichteten und
versetzten Sandsteinquadern, welche ur-
sprünglich einen Mörtelverputz mit rot-
ausgefülltem Fugenstrich zeigten. Ein ab-
geschrägter Sockel sowie ein schön pro-
filiertes Gesims, von dem 68 Platten mit
zusammen über 27 m Länge, doch keine
mehr in situ, gefunden wurden, belebten
noch weiter die Aussenseite; eine Anzahl
rechteckige Deckelplatten mit aufgesetzten
Pyramidenstumpfen (10 bzw. 12 St.), sowie
halbcylindrische Zinnendcckel (1 St.) bil-
deten eine Art Bekrönung. Ein Erdum-
gang scheint nur hinter der höher gelege-
nen Westseite gewesen zu sein, auch der
Graben fehlt Die Innenbauten bestanden,
nach den Resten von Fachlehm zu schliessen,
aus dürftigen Lehmhütten. Auffallend war
der im. Innern gemachte Fund von zwei
ziemlich grossen Hufen sowie eines llornes
aus rotem Sandstein, während sich von
dem ganzen übrigen Körper des Tieres
(eines jungen Stieres) trotz gründlichsten
Suchens keine Spur ergab. Vor dem Ost-
eingang lag ein 48 cm hohes, 36 cm brei-
tes Sandsteinrelief, eine etwas roh und
ungeschickt gearbeitete Victoria darstel-
lend, welche auf einer Kugel stehend in
der Rechten einen Kranz, in der Linken
eine Palme hält. Von diesem Thore führt
ein 2,30 m breiter, stark beschotterter
Weg in einem Einschnitt nach der Thal-
sohle und einer jetzt allerdings nur schwa-
chen Quelle (Entfernung von jenem Thore
ca. 33 m). Karl Schumacher.

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