Deutschland <Deutsches Reich> / Reichs-Limeskommission [Editor]
Limesblatt: Mitteilungen der Streckenkommissare bei der Reichslimeskommission — 1.1892-1893

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LIMESBLATT.

Mitteilungen der Streckenkommissare bei der Reichslimeskommission.

Erscheint jährlieh in 5—6 Nrn. zum Preise von 3 Mark.

Druck und Verlag der Fr. Lintz'schen Buchhandlung in Trier.

Nr. 4.

Ausgegeben am (i. Juli

1893.

35. °er Limes im hohen Taunus. (Strecke
Preussen-Schanze —Klingenkopf). In den
„Lokaluntersuchungen über den Pfahlgra-
ben« von F. W. Schmidt — Nass. Annalen
Bd. VI — ist erwähnt, dass derselbe am
Klingenkopf und Rosskopf im hohen Tau-
nus aus „auf einander gesetzten Stein-
lagen" bestehe. Bei Rossel, „Römische
(Grenzwehr im Taunus" ist S. 40—51 gleich-
falls darauf hingewiesen, dass von der
Saalburg bis zum Klingenkopf an einzelnen
Stellen eine Stein-Konstruktion zu erken-
nen sei. In dem für die Limesforschung
so wichtigen Werke v. Cohausens „Der
Römische Grenzwall in Deutschland" ist
S. 121—129 darauf aufmerksam gemacht,
dass der Limes im hoben Taunus auf
längere Strecken die Gestalt eines Stein-
damms besitze und an einer Stelle sogar
in 5 bis (i Schichten aus grossen Stein-
böcken mit etwas anlaufendem Profil noch
etwa einen Meter hoch steil aufgebaut sei. —
Bei drei Begehungen, die der Unterzeich-
nete in den Jahren 1878, 1884 und im
Frühjahr 1892 zuerst mit dem Werke
Rossels und dann demjenigen v. Cohausens
in der Hand ausführte, drängte sich ihm,
namentlich bei genauer Besichtigung des
Steindamms an einigen nur mühsam zu
erreichenden Stellen, die Ansicht auf, dass
hier, durch die Bodenbeschaffenheit be-
dingt, zwei verschiedene Konstruktionen,
nämlich Wall und Graben einerseits und
Trockenmauer ohne Graben andrer-
seits zu finden seien. Auch gelang es ihm
■östlich und westlich vom Weissenstein
swei Anschlussstellen festzustellen. Im
Herbst 1892 beging er, um seine eigenen
Beobachtungen einer Kontrolle zu unter-
werfen, die Strecke mit den Herren Ober-
Stabsarzt Dr. Küthe und Prof. Dr. Wolff

von Frankfurt und Dr Anthes von Darm-
stadt, die sich gleichfalls dahin ausspra-
chen, dass das Vorhandensein von zwei
verschiedenen Konstruktionsarten an der
betreffenden Limesstrecke nicht zu leugnen
sei. Der Unterzeichnete gab nun in einer
Sitzung des historischen Vereins zu Darm-
stadt eine kurze Mitteilung iiber die ge-
fundenen Eigenthümlichkeiten und machte
zugleich den Präsidenten des Limes - Aus-
schusses Herrn Hofrat Dr. Zangemeister
darauf aufmerksam. Dieser hatte die Güte,
sich am 16. April 1. J. an einer Begehung
der überhaupt sehr interessanten Strecke
Feldberg-Kastell—Saalburg zu beteiligen,
bei der es gelang noch einige Einzelheiten,
namentlich auch, wenigstens mit annähern-
der Genauigkeit, vier weitere Anschluss-
stellen festzulegen. — Am 30. April wurde
dann mit gütiger Unterstützung der Herren
Dr. Anthes und Dr. Scriba zu Darmstadt
zum Zweck der Kontrollierung der gefunde-
nen Resultate eine nochmalige Begehung
vorgenommen. Und gestern endlich, bei
einer von den Herren Prof. Dr.Mommscn,
General Popp, Prof. Dr. Zangeineister,
Bau-Inspektor Jakobi und dem Unter-
zeichneten ausgeführten Besichtigung der
Strecke Saalburg—Feldberg-Kastell fand
noch einmal, wenigstens eine Begehung
der über den Weissenstein sich ziehenden
Limesstrecke statt.

Bei der im Folgenden gegebenen kurzen
Beschreibung der Strecke Preussen-Schanze
—Klingenkopf werden die Benennungen der
Stumpf'schen Karte benutzt, die auch
in das v. C'ohausen'sche Werk, auf das
fortwährend Bezug genommen werden muss,
Aufnahme gefunden haben.

Den Ausgangspunkt bilde eine Stelle
westlich von der Preussen-Schanze, wo b^J^1"
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