Deutschland <Deutsches Reich> / Reichs-Limeskommission [Editor]
Limesblatt: Mitteilungen der Streckenkommissare bei der Reichslimeskommission — 2.1893-1894

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LIMESBLATT.

Mitteilungen der Streckenkommissare bei der Reichslimeskommission.

Erscheint jährlich in 5 —G Nrn. zum Preise von 3 Mark.

Druck und Verlag der Fr. Lintz'schen Buchhandlung in Trier.

Nr. 6.

Ausgegeben am 3. Dezember

1893.

52. Frankfurt a. M. [Strassenforschung.]
Dem Unterzeichneten war, abgesehen von
den auf seiner Strecke des Limes noch
unerledigten Arbeiten für dieses und die
3 nächsten Jahre die Aufgabe gestellt,
auch das römische Strassennetz zwischen
der römischen Reichsgrenzc und dem Rhein,
vom Taunus bis zum Main zu untersuchen.
Er hat die Lösung dieser Aufgabe in
diesem Frühjahr zunächst in der Umgebung
Frankfurts und am Limes begonnen. Die
Hauptergebnisse sind folgende: die wenigen
bisher in dem Gebiete zwischen Nidda und
Main angenommenen römischen Strassen
bedürfen sämtlich sorgfältiger Nachprüfung,
sowohl bezüglich ihres römischen Ursprungs
überhaupt als besonders bezüglich ihrer
genauen Tracierung. In letzterer Bezieh-
ung hat sich die Erfahrung bestätigt, dass
römische Strassen häufig bestimmend ge-
wesen sind für die Gesamtrichtung noch
bestehender Wege, dass aber im einzelnen
die letzteren sehr oft — teils nur um wenige
Meter, teils bedeutend — von ersteren ab-
weichen, sodass man nicht berechtigt ist,
aus der Thatsache, dass an irgend einer
Stelle unter einem heutigen Wege der
römische Strassenkörper nachgewiesen ist,
ohne Weiteres Schlüsse auf das Zusammen-
fallen beider Anlagen auf grössere Strecken
z» ziehen. Am wenigsten darf auf so un-
sicherer Grundlage eine Theorie über die
Tracierung römischer Strassen aufgebaut
werden. Im Maingebiete und in der
Wetterau verlaufen alle nachge-
wiesenen römischen Militärstrassen
auf möglichst grosse Strecken,
selbst mit Überwindung erheblicher
Steigungen, geradlinig. Bei unmoti-
vierten Abweichungen angeblich römischer
Strassen von diesem Prinzip ist daher —

und dies dürfte auch anderwärts im Limes-
gebiete zu beachten sein — der römische
Ursprung so lange zweifelhaft zu lassen,
bis er durch thatsächliche Funde nachge-
wiesen ist. Für die Existenz und Rich-
tung einer Strasse im allgemeinen sind
abgesehen von den in intensiv bebauten
Gegenden nur in einzelnen Fällen noch
nachweisbaren Strassenkörpern, die über-
dies nur mit Vorsicht zu benutzen sind,
Anhaltspunkte zu gewinnen: in der Lage
von Gebäuden, Gräber- und Münzfunden,
sowie in den auf „alte Strassen" bezüg-
lichen Angaben der Flurkarten und der
Urkunden über Güterschenkungen, Korn-
gülten etc., welche letztere jedoch meistens
nur Fingerzeige für die Richtung der Un-
tersuchungen, nicht aber Beweise für den
römischen Ursprung der alten Wege bieten.

Unter möglichst allseitiger Benutzung
dieser Hülfsmittel ist es nun gelungen,
nicht nur die bisherigen Annahmen einer
Kritik zu unterziehen und z. T. zu be-
richtigen, sondern auch einige bisher noch
nicht erkannte Strassen mit Sicherheit
nachzuweisen. Die vom Referenten bereits
früher angenommene rechtsmainische Ufer-
strasse von Ilanau-Kesselstadt nach Kastel-
Mainz ist zwischen Frankfurt und Höchst
sowie in letzterer Stadt, teils durch Auf-
deckung ihres Körpers, teils durch neue
Münz- und Urnenfunde in ihrer Lage und
Richtung näher bestimmt worden, wodurch
zugleich sich zuverlässigere Anhaltspunkte
für ihre weitere Verfolgung über Höchst
hinaus einerseits, über Hanau hinaus nach
dem Endkastell des wettcrauischen Limes
am Main, Grosskrotzenburg anderseits, er-
geben, deren Stichhaltigkeit hinwiederum
durch Funde bereits bestätigt wurde. Ins-
besondere ist die Beziehung dieser Strasse
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