Deutschland <Deutsches Reich> / Reichs-Limeskommission [Editor]
Limesblatt: Mitteilungen der Streckenkommissare bei der Reichslimeskommission — 2.1893-1894

Page: 257
DOI issue: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/limesblatt1893_1894/0049
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
LIMESBLATT.

Mitteilungen der Streckenkommissare bei der Reichslimeskommission.

Erscheint jährlich in 5—6 Nrn. zum Preise von 3 Mark.

Druck und Verlag der Fr. Lintz'schen Buchhandlung in Trier.

Nr. 9. Ausgegeben am 5. März 1894.

67. Limes in Oberhessen. Die diesjährigen
Untersuchungen am Limes selbst begannen
bei der preussisch - hess. Grenze 2675 m
nordöstlich von der Saalburg. Es waren auf
der Strecke zwischen der Grenze und dem
Limeskastell Kapersburg durch Herrn
von Cohausen und Andere verschiedene
mit dem Pfahlgraben zusammenhangende
Werke bereits untersucht worden und es
hatte diese Untersuchung namentlich zwei
Gruppen von Hügeln gegolten, welche in
der unmittelbaren Nähe des Pfahlgrabens
liegen und allem Anscheine nach zu
ihm in Beziehung standen. Abgesehen von
einem Hügel, in welchem sich ein Turm-
fundament vorfand, nahm Herr v. Cohausen
an (vgl. Der röm. Grenzwall in Deutsch-
land S. 103 u. ff., Rossel S. 9 u. ff. und
v. Cohausen S. 99, 4), dass es teils be-
festigte 'Wohnhügel, teils Graber der dort
Ansässigen gewesen seien. Die letztere
Annahme fand auch mit einigen Modifika-
tionen ihre Bestätigung, die erstere konnte
aber, wenn man die am Limes, nördl.
von Butzbach gewonnenen Resultate berück-
sichtigte, nur in beschränkten Masse ge-
billigt werden, denn diese Hügel können
nicht auf dauernde Wohnsitze, sondern nur
auf vorübergehende Aufenthalts- oder Zu-
fluchtsorte bezogen werden. Bei zwei
Hügeln konnte man mit Gewissheit schlies-
sen, dass vorrömische Anlagen und zwar
Grabanlagen römischen Zwecken hatten
dienen müssen.

Von der hess. Grenze am grauen Berge
bis zur Kapersburg liegen, was schon
Dieffenbach in der Urgeschichte der Wct-
terau, S. 139, berichtet, sechs Turm-
stationen, die eine davon mit drei dicht
dabei liegenden Hügeln, sog. Begleithügeln.
Sodann befinden sich daselbst noch eine

Gruppe von drei Hügeln (von Cohausen
S. 99 u. ff.) und eine von mir aufgefundene
römische Schanze.

Die Türme, mit Ausnahme des zweiten,
wenn man von der Grenze aus rechnet
(v. Cohausen, S. 104 (12), Rossel, S. 11
Anmerk. 13), haben die durchschnittlichen
Grössenverhältnisse der Pfahlgrabentürme
und die Stärke ihrer Mauern, bei dem
zweiten aber verhält sich die Länge der
Mauer zur Breite derselben wie 7,70 m
zu 6,10 m. In der einen Hügelgruppe
(v. Cohausen S. 103), welche sich in der
Nähe des dritten Pfahlgrabenturmes be-
findet, wurde schon vor zwanzig Jahren
von mir in einem Hügel ein Grab mit
Steinkranz und Steinpackung nachgewiesen.
In dem zweiten der Hügel, den ein Berg-
mann geöffnet und darin eine grössere
Urne mit Knochenresten gefunden haben
will, konnte eine Bestätigung für diese
Aussage nicht gefunden werden. Der Hügel,
welcher, wie der vorige mit einem breiten
Graben umgeben ist, enthielt nur wenig
aufgeschütteten Boden, da das Material
des Grabens an seinem äusseren Rande
als Wall aufgehäuft wurde. Der dritte
Hügel, welcher von zwei Gräben, einem
äusseren Walle und zwischen den Gräben
angelegten niedrigeren zweiten Walle um-
geben ist, wurde im Beisein des Reichs-
- Limes - Dirigenten, Herrn General v. Sar-
wey, geöffnet und darin auf dem ge-
wachsenen Boden eine kreisrunde, 8,10 m
im Durchmesser haltende Steinschichtung
gefunden, unter welcher Scherben vorge-
schichtlicher Gefässe vorkamen, während
über der Steinpackung bis zur Oberfläche
I des Hügels Reste primitiver römischer Ge-
j fasse und im Feuer gebackener Lehm-
brocken im Boden zerstreut umherlagen.
loading ...